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Samstag, 11. August 2018

Best Practice: Diversity in Arts Leadership

Auf der letzten Kulturmanagement Verbandstagung im Januar 2018 in Hamburg wurde am Rande eines Vortrags von Prof. Dr. Birgit Mandel auch das Thema Vielfalt unter Kulturmanagern thematisiert. Beklagt wurde eine aktuell zu homogene Gruppe, die Gründe für die Homogenität scheinen vielfältig zu sein. Wenn ich auf meine eigene Studienzeit, meine Kulturmanagement-Praxis in Deutschland und meine aktuellen StudentInnen blicke, stimme ich zu: die KollegInnen kommen vornehmlich aus dem Bildungsbürgertum und Akademikerfamilien, ihre Hautfarbe ist überwiegend weiß und sie können es sich irgendwie leisten, nicht besonders gut bezahlte Jobs mit oftmals befristeten Verträgen auszuüben. Kultur braucht aber dringend Vielfalt auch im Management, um im Deutschland des 21. Jahrhunderts relevant zu bleiben.

Inspirierend scheint mir hier ein Blick über den Ozean in die USA. Die Herausforderung, die erst langsam bei uns erkannt wird, ist dort schon seit Jahrzehnten bekannt. Deshalb hat der Arts & Business Council (Kulturbehörde) der Stadt New York vor 25 Jahren ein Kulturmanagement Praktikumsprogramm für StudentInnen von unterrepräsentierter Herkunft ins Leben gerufen. Trotzdem gibt es weiterhin eine Lücke zwischen größerer Vielfalt bei Einstiegs-Positionen und wenig Vielfalt bei Management-Positionen. Um diese Lücke weiter zu schließen, hat der New York Arts and Business Council dieses Jahr ein Pilot-Programm durchgeführt, das sich an Kulturmanager mit 5-10 Jahren Berufserfahrung richtet. Dazu gehört Mentoring auf Führungsebene, interaktive Expertenpanels und das Gestalten von relevanten Kulturprogrammen. Bei diesem Programm geht es nicht nur darum, Beförderung in Führungspositionen zu ermöglichen; es ist eine bewusste Investition und Erforschung der Langlebigkeit, Inklusion und Bindung einer zunehmend diversen Führung in der Kultur. Das Programm basiert auf viel Forschung und Recherche, wurde von Kulturinstitutionen und Kulturmanagern gemeinsam entwickelt und wird grosszügig durch eine Stiftung finanziert.

Hier in Deutschland könnte der Kulturmanagement Fachverband  bei der Behandlung des Themas eine Führungsrolle übernehmen und Konzepte, Empfehlungen und Lösungswege für die Problematik erarbeiten.

Dienstag, 21. Januar 2014

Ethische Grundsätze für unbezahlte Praktika

Ähnlich wie in Deutschland leben auch in den USA ganze Branchen wie Medien, Kultur und Film maßgeblich von der Mitarbeit unbezahlter Praktikanten. Die Diskussion um einen Mindestlohn auch für Praktikanten gibt es in den USA nicht. Doch ist auch dort der Begriff "Generation Praktikum“ (Internship Generation) ein stehender Begriff.

Es waren goldene Zeiten, als ich Anfang der 2000er im Rahmen meines Praktikums am Art Institute of Chicago Kost und Logis gestellt bekam. Mein Praktikum in Dresden wurde durch ein Stipendium bezahlt und aus dem einzigen unbezahlten Praktikum, das ich jemals machte, ergab sich eine Festanstellung. Ganz anders verhielt es sich bei den Praktikanten, die ich dann im Laufe meiner beruflichen Laufbahn selber betreute: Bezahlt wurde nirgendwo, selten gab es Jobbeschreibungen oder Feedback für Praktikanten und der freie Besuch von Konzerten musste als Belohnung ausreichen. Die Jobbeschreibung, Teilnahme an den Meetings meines Teams, wöchentliches Feedback und das Abschlussgespräch wurden feste Bestandteile meines Praktikumsprogramms. Für Praktikanten, die über einen längeren Zeitraum mitarbeiteten, habe ich Gespräche mit Führungskräften der anderen Abteilungen eingerichtet, um ein Verständnis für die gesamte Organisation zu vermitteln. Das ist insbesondere für angehende Kulturmanager interessant, die für die Mitarbeit in künstlerischen als auch kaufmännischen Abteilungen ausgebildet werden.

Michelle Millar Fisher, ehemals Manager Internship Program des Guggenheim Museums, hat ein Praktikumsprogramm für die vielen Praktikanten erarbeitet, die jährlich unbezahlte Jobs am Guggenheim Museum ableisten. Dazu gehören das systematische bereitstellen von Netzwerken, wöchentliche Seminare und Führungskräfte, die sich als Mentoren der Praktikanten verstehen. Aus ihren Erfahrungen im Museumsbetrieb und jetzt als Dozentin an der Universität hat Michelle drei Grundsätze entwickelt, die sie als Museum Internship Ethics Charter vorschlägt:

1.       Praktikanten sollen mit einem Stipendium bezahlt werden.

2.       Zu Beginn des Praktikums müssen schriftliche Erwartungen an den Praktikanten ausgehändigt werden.

3.       Das Praktikum wird durch ein persönliches Feedback vom Praktikumsleiter beendet.
Es wäre wünschenswert, dass sich die Kulturbranche diesseits und jenseits des Atlantiks auf diese Minimalanforderungen für Praktikumsgeber einlässt. Verhältnismäßig geringe Kosten und Zeitaufwand zahlen sich als Investition in motivierte Praktikanten und künftige Arbeitnehmer schnell aus.

Montag, 23. April 2012

Praktika für Fortgeschrittene

Ich empfehle Studenten gerne, ein Praktikum in den größten und renommiertesten internationalen Institutionen Ihres Interessensgebietes zu absolvieren. In den großen Häusern lernen Sie die verschiedenen Kulturmanagement-Spezialsierungen mit all ihren Ausprägungen kennen. Für viele ist das Praktikum die einzige Chance, große Betriebe von innen kennenzulernen, weil die Allermeisten doch nach dem Studium in einem kleinen Büro anfangen, wo jeder alles tut.

Versuchen Sie die Institution als Ganzes kennenzulernen und das Zusammenspiel der verschiedenen Abteilungen zu verstehen. Bitten Sie die Mitarbeiter anderer Abteilungen um einen Gesprächstermin und versuchen Sie, so viele wie möglich über deren Arbeit, Werdegang und Motivation zu erfahren. Was Sie über das Spezialwissen in Ihrem Interessensgebiet hinaus für Arbeitgeber interessant macht, sind Erfahrungen und innovative Ideen aus anderen Branchen.

Wenn Sie sich für Marketing, Kundenservice und das Trendthema „Storytelling“ interessieren, machen Sie ein Praktikum bei Walt Disney. Sie lernen dort nicht, wie man ein Museum in einen Erlebnispark umwandelt, sondern wie man strategisch und systematisch Besuchserlebnisse über verschiedenste Plattformen bis ins kleinste Detail plant und kommuniziert.

Interessieren Sie sich für Branding, Markenführung und Verkauf, machen Sie ein Praktikum im Starbucks Headquarter in Seattle. Die Erfolgsgeschichte und Internationalisierung der Marke, ist ein gutes Lernbeispiel, wie Marken auf einem globalisierten Markt bestehen können. Nicht nur durch das Internet sind viele deutsche Kulturmarken im Ausland vertreten. Wie man daraus zusätzlich Wert schöpfen kann, lässt sich hervorragend am Starbucks Beispiel lernen.

Wenn Sie sich für das Thema Innovation interessieren, empfehle ich ein Praktikum in Silicon Valley am besten bei facebook. Der Geschäftsbetrieb ist auf Innovation und Wachstum ausgelegt, von der Kantine, über die Büroorganisation bis zur internationalen Expansion gibt es in allen Abteilungen etwas für Kulturmanager zu lernen.

Ein künstlerisches oder kulturtheoretisches Studium sehen amerikanische Arbeitgeber übrigens nicht als Makel an, wenn Sie sich für ein Praktikum oder auch einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft bewerben. Die meisten Betriebe versuchen Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Ausbildungen einzustellen, um unterschiedliche Perspektiven zu gewinnen und damit Innovation voranzutreiben.

Mittwoch, 28. März 2012

Schlaue Köpfe

Wer zum Sommer noch einen Praktikumsplatz sucht, muss sich jetzt ranhalten. Hier sind meine Empfehlungen, bei wem man sich für den Bereich Museumsmanagement unbedingt bewerben sollte. Dies sind die innovativen Köpfe der Museumsbranche in den USA:

Besucherteilnahme
Nina K. Simon, Direktorin des Santa Cruz Museum of Art and History und Autorin des Blogs „Museum 2.0“. Ihre Recherche und Ideen zum Thema „participatory museum experiences“ finden in der Branche große Beachtung. Wer sich für den Bereich Besucherengagement und –teilnahme interessiert, kann hier wichtige Impulse erfahren und ganz sicher eigene Ideen einbringen.

Ausstellungs – und Programmplanung
Adam Lerner, seines Zeichens “Director and Chief Animator, Department of Fabrications”, Museum of Contemporary Art Denver führte u.a. die Vortragsreihe “Mixed Taste” ein, bei der wissenschaftliche, alltägliche und popkulturelle Themen nacheinander präsentiert und vom entsprechend breiten Publikum diskutiert werden. Ebenso innovativ sind seine Themen-orientierten Ausstellungen. „Most art museums want to be professional purveyors of art, but I want to capture the spirit of art, which may be more important than art itself”, so Lerner.

Pädagogische Programme
Jamie Thompson, Curator of Education, Contemporary Art Center Cincinnati. Jamie entwickelt Besucherprogramme für alle Altersstufen, die mit Hilfe von geschulten Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Für die Kulturvermittlung wird u.a. die sogenannte Visual-Thinking-Strategy angewandt, die ein Gespräch über Kunst auf allen Lernstufen ermöglicht und als Kommunikationstraining von den Mitarbeitern auch in Firmen durchgeführt wird.

Medien und Technologien
Shelly Bernstein, Chief of Technology, Brooklyn Museum. Shelly testet alle neuen Programme und Technologien auf ihre Museumstauglichkeit. Und dabei entstehen ganz kreative Projekte, wie zum Beispiel Click! A Crowd-Curated Exhibition. Für ihre ArtShare Facebook App gab’s sogar mehrere Preise.