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Freitag, 26. Januar 2024

Uncharitable – Was ist Erfolg in der Gemeinnützigkeit?

Unsere Denkweise über Wohltätigkeit ist grundverkehrt

Im Herbst ist in den US-amerikanischen Kinos der Film "Uncharitable" von Dan Pallotta angelaufen, der auf seinem gleichnamigen Buch von 2008 "Uncharitable: How Restraints On Nonprofits Undermine Their Potential" und seinem TEDTalk von 2013 "Unsere Denkweise über Wohltätigkeit ist grundverkehrt" basiert. Im Kern kritisiert Pallutta, dass die Standards, die für Nonprofits gelten, kontraproduktiv sind.

In "Uncharitable" geht Pallotta auf die Herausforderungen und Einschränkungen ein, mit denen gemeinnützige Organisationen aufgrund gesellschaftlicher Wahrnehmungen und Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit konfrontiert sind. Er argumentiert, dass die Art und Weise, wie die Gesellschaft gemeinnützige Organisationen betrachtet und reguliert, deren Fähigkeit beeinträchtigt, eine signifikante und dauerhafte Wirkung zu erzielen. Pallotta plädiert für einen rationaleren und unterstützenderen Ansatz gegenüber gemeinnützigen Organisationen und betont die Notwendigkeit, in deren Wachstum, Innovation und langfristige Ziele zu investieren.

Pallotta untersucht verschiedene Aspekte dieses Problems, darunter die unrealistischen Erwartungen an gemeinnützige Organisationen, die Besessenheit von niedrigen Gemeinkosten („Overhead Myth“), die Risikoscheu des Sektors und die Bedeutung einer genauen Wirkungsmessung. "Uncharitable" fordert einen Wandel im Denken und in der Politik, damit gemeinnützige Organisationen gedeihen und ehrgeizige Ziele effektiv verfolgen können.

Don´t ask about the scale of their overhead, ask about the scale of their dreams

Konkret fordert Pallotta, gemeinnützige Organisationen nicht anhand Ihrer geringen Overhead-Kosten zu bewerten, sondern an der Erreichung Ihrer Ziele. Die Gegenüberstellung von Aufwand und Nutzen, Einnahmen und Ausgaben zugunsten des gemeinnützigen Zwecks hat sich bis in jeden Jahresbericht deutscher Kulturinstitutionen durchgesetzt. Pallotta plädiert dafür, den tatsächlichen Erfolg einer Organisation an der Umsetzung ihrer Ziele zu messen. Während es für Unternehmen akzeptabel ist, Gewinne zu erzielen und in Wachstum zu investieren, wird von gemeinnützigen Organisationen erwartet, dass sie die Gemeinkosten minimieren, was zu begrenzten Ressourcen für ihre Missionen führt.

The nonprofit sector is the place where you can experiment and make creative things

Gemeinnützige Organisationen als Orte mit Visionen, Orte des Experimentierens und der Kreativität. Für Pallotta bedeutet das, mutig zu investieren – in die Menschen zu investieren. Dies bedeutet für ihn vor allem eine größere Wettbewerbsfähigkeit von gemeinnützigen Organisationen. Denn diese sollten soziale Unternehmen sein, mit der Betonung auf Unternehmen.

Aus deutscher Perspektive lesen sich Pallottas Forderungen wie das Manifest eines Super-Kapitalisten, der für gemeinnützige Organisationen denselben wirtschaftlichen Spielraum von Unternehmen unter Beibehaltung der Steuerprivilegien einfordert. Trotzdem spricht er wesentliche Punkte an, über die es sich nachzudenken lohnt. Wer schon einmal einen öffentlichen Förderantrag verwaltet hat, weiß, wie mit Zahlen geschoben wird, nur um Fixkosten irgendwo unterzubringen und irgendwie ins Raster zu passen. Keine Kulturinstitution wagt, die wahren Kosten aufzudecken. Und viele Menschen, die wir gerne als Führungskräfte einstellen würden, sitzen ehrenamtlich im Vorstand, Aufsichtsrat oder Kuratorium. Der Wirtschaft gleichwertige Gehälter kann der 3. Sektor nicht zahlen. Niedrige Gemeinkosten hindern gemeinnützige Organisationen daran, in Bereiche wie Werbung, Infrastruktur und Talentakquise zu investieren, die für den langfristigen Erfolg und die Wirkung von entscheidender Bedeutung sind. Laut Pallotta sind wir nicht wettbewerbsfähig genug, um Wandel herbeizuführen.

We don´t let the third sector indoctrinate people in compassion

Gemeinnützige Organisation konnten aufgrund der Beschränkungen nie die Kraft entwickeln, die es laut Pallotta braucht, um die Welt nicht nur zu verbessern, sondern grundlegend zu verändern. Die Menschen sind vom Konsum hypnotisiert. Was Pallotta propagiert ist, dass der gemeinnützige Sektor gleichermaßen in den Menschen Mitgefühl indoktriniert.

Dan Pallotta polarisiert mit seinem radikalen Ansatz auch in den USA. Uns stellt sich die Frage: Was bräuchte es in Deutschland, um den gemeinnützigen Sektor nachhaltig zu stärken um langfristig mehr Gutes und Innovation zu schaffen?

Montag, 31. August 2015

Ein Business Incubator im New Museum

Business Incubators, Business Accelerators – die Start-up Szene ist in den USA auch ausserhalb des Silicon Valleys gross. In jeder amerikanischen Grossstadt gibt es Firmen und Programme, die Start-up Unternehmen auf die Füsse (Incubators) und zum Laufen (Accelerators) bringen. Dazu wird ausgewählten Start-up Unternehmen von Logistik zu Schulungen und Dienstleistungen alles zur Verfügung gestellt. Sogenannte Angel Investors finanzieren die jungen Unternehmen durch Seed Funding (zu deutsch „Risiko-Investment“)  anteilig. Dies geschieht  mit der Hoffnung, das nächste Facebook oder What´s App gefunden haben und dann anteilig am finanziellen Gewinn beteiligt zu werden.

Im September 2014 hat das Neue Museum in New York den ersten museumsgeführten Business Incubator "New Inc" ins Leben gerufen. Hier stehen ausgewählten Kreativen aus den Bereichen Kunst, Design und Technologie Arbeitsplätze und Fortbildungsmöglichkeiten zur Vefügung. Neben dem Museumspersonal stehen den Teilnehmern kreative Fortschrittsdenker wie z.B. Aaron Koblin (Google Creative Lab),  John Maeda (ehemals Präsident Rhode Island School of Design), Michael Phillips Moskowitz (Global Chief Curator, eBay Inc) und Neri Oxman (MIT Media Lab) als Mentoren zur Seite. Das Programm setzt zusätzlich auf Synergien, die zwischen den Teilnehmern und ihren Geschäftsideen entstehen.

Anders als bei herkömmlichen Inkubatoren steht das Museum den Teilnehmern bei der Suche nach Seed Funding nicht zur Verfügung. Tatsächlich zahlen die Teilnehmer eine Gebühr von monatlich $600 (wirklich günstig im Vergleich zu den normalen New Yorker Büromieten). New Inc ist eine Non-Profit-Unternehmung des New Museums und vollständig der Mission des Museums untergeordnet. Ich bin gespannt, welche der künstlerischen Geschäftsideen aus dem Spannungsfeld, Kunst, Design und Technologie nach Ablauf der ersten Runde den Markt erobern!

Montag, 5. August 2013

3D-Technologie im Orchesterkonzert – Architectural Projection Mapping

photo by Heather Stengle
„Der Einsatz neuer Technologien schwappt derzeit wie eine Flutwelle über amerikanische Museen hinweg,“ schrieb ich in einem Blogbeitrag im April. Aber natürlich macht diese Flutwelle nicht vor anderen Sparten halt. Vor dem Hintergrund der NSA-Affäre habe ich gerade einen Artikel fertiggestellt, der beschreibt, welchen Nutzen amerikanische Orchester aus ihren gesammelten Verkaufs- und Besucherdaten ziehen. Der Artikel erscheint im Raabe Kulturmanagement Newsletter im Oktober.

Dass der Einsatz der neuen Technologien und Anwendungen hinter den Kulissen hilfreich ist, scheint unter Kulturmanagern unumstritten. Wieviel der neuen Technologien braucht es aber auf der Bühne oder in der Ausstellung? Diese Frage stellen sich Kulturmanager täglich. Alles scheint möglich: Es ist eine Gradwanderung zwischen Raum für Kontemplation und Engagement der Besucher.

Das Cincinnati Symphony Orchestra hat dieses Wochenende mit überwältigendem Erfolg das Projekt „Lumenocity“ vorgestellt. Während eines Open Air Konzertes im Park vor dem Konzerthaus wurde mit Hilfe des Architectural Projection Mapping eine 3D Lichtshow an die Fassade der historischen Music Hall projeziert. Den Soundtrack spielt das Orchester mit Musik aus Klassik, Film, Broadway und Americana. Die Modemarke Ralph Lauren inszenierte 2010 eine spektakuläre 3D Lichtshow auf der Fassade ihres Flagship Store in New York City, für den Orchesterbereich ist dies allerdings absolutes Neuland. Am ersten Konzertabend strömten statt der erwarteten 10.000 Besucher geschätzte 15.000 in den Park. Aufgrund des Erfolgs, der für viele Stunden auch die sozialen Netzwerke  und traditionellen lokalen Medien der Stadt dominierte, wird für den zweiten Abend ein weiterer Besucherrekord erwartet. Nach diesem Erfolg plant das Orchester mit dem Projekt „Lumenocity“ auf Tournee zu gehen. Dabei kann für jeden Konzertsaal eine individuelle Show zusammengestellt werden, die auf die jeweilige Architektur des Gebäudes abgestimmt ist.

Dienstag, 18. Juni 2013

Erfolgskriterien für Museum Apps

Photo from flickr by conxa.roda
Basierend auf einer Analyse internationaler Museum Apps, darunter den Besten der USA 2013, folgt hier, wie im letzten Artikel angekündigt, meine Liste der Erfolgskriterien für Museum Apps:
1.       Die App ist kostenlos
Die erste Hürde. Die meisten Museum Apps aber längst nicht alle sind kostenlos.

2.       Die App stellt einen Mehrwert dar.
Wer ein Smartphone besitzt, kann jederzeit auf die Internetseite des Museums zugreifen. Warum also eine App herunterladen, wenn sie doch nur die Inhalte der Internetseite wiederholt? Die Inhalte der App müssen sich über die Grundinformationen hinaus deutlich von der Internetseite unterscheiden.
 
3.       Die App ist multimedial.
Es gibt Audio- und Videoclips, Hinweise auf die Präsenz in sozialen Netzwerken und location-based services (z.B. QR-codes, Foursquare). Auf keinen Fall sollten die Beiträge eine bloße Kopie der Wandtexte sein. Und wenn, dann zumindest multimedial verlinkt.
 
4.       Die App ist interaktiv.
Keine Angst vor Spielen! Spielen ist auch Lernen. Da lassen sich spannende Spiele für alle Lernstufen entwickeln. Beliebt sind kleine Tests und Belohnungen, auch wenn sie virtuell sind.
Aber auch andere Formen der Interaktion sind beliebt wie eigene Fotos hochladen oder Kommentare hinterlassen, gerne in Verbindung mit den sozialen Netzwerken (z.B. Facebook, YouTube, Pinterest).
 
5.       Die App ist personalisiert.
Idealerweise kann der Nutzer seine Interessen auswählen, die als Leitfaden durch die Anwendung führen. Die verschiedenen Leitfäden sollten in erster Linie nicht nach kunsthistorischen Epochen sondern auch nach unterschiedlichen Lebensstilen geordnet sein. 

6.       Die App ist wiederholt nutzbar
Gibt es einen Grund, die App nach dem Museumsbesuch wieder zu nutzen? Oder ist die App nur einmalig interessant? Ist die App so vielfältig, dass sie Lust auf einen weiteren Museumsbesuch macht? Welche App-Aktivitäten eignen sich zur Reflektion, Vertiefung und Feedback nach dem Museumsbesuch?

Dienstag, 12. März 2013

Einsatz neuer Technologien in der Kulturvermittlung: 3D-Drucker in der Museumspädagogik

Photo from flickr by makerbot
Während 3D-Drucker im letzten Jahr noch als Neuheit in deutschen Forschungseinrichtungen galten,[1] fand diese Technologie bereits  in verschiedenen Museen in den USA im pädagogischen Bereich Anwendung.  Zwei innovative Beispiele kommen aus dem Bundesstaat New York:
Die Mitarbeiter des Metropolitan Museum of Art organisierten einen 3D-Hackathon, bei dem 25 Künstler mit Hilfe von 3D-Druckern Objekte aus der Sammlung reproduzierten und zu eigenen Kunstwerken umarbeiteten.  Ziel des von der Digital Media Labs-Abteilung durchgeführten Projekts ist, basierend auf der Auswertung von Besucherdaten, neue Arten des Museumserlebnisses zu gestalten.

Der "Makerspace“ im Newark Museum ist ein Kreativ-Labor, in dem vor allem Kinder und Jugendliche in Aufgaben, die von den Sammlungsstücken und Ausstellungen inspiriert sind, mit neuester Software und Hardware umgehen lernen, um wesentliche Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert zu erlangen. Zentrales Element des Labors ist der 3D-Drucker des Martführers Makerbots, der in den USA bereits für $2,200 erhältlich ist.

Die Idee des Labors geht auf die Fab Labs des Massachusetts Institute of Technology zurück, in denen Fertigung und Produktentwicklung für eine breite Öffentlichkeit erfahrbar werden, um Innovation, die Stärkung von kleinen Unternehmen und eine positive wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Nach gleichem Vorbild wurden ebenfalls die Labs der New York Public Library und des Cooper Hewitt Museums National Design Museum gestaltet.

Im Mittelpunkt steht immer der kreative Prozess, der den traditionellen Museumsbesuch mithilfe relevanter, innovativer Techniken durch Diskussion, Experimentieren und Gestalten bereichert.

Das Magazine “Wired“ wagt übrigens die Prognose, dass „3D drucken 2018 so selbstverständlich seinwird, wie es mobile Geräte 2008 waren.“



[1] z.B. an der Fakultät Maschinenwesen TU Dresden. Dort wurde die Rapid-Fabrication-Technologie den Kulturmanagern der Dresdner SummerSchool vorgestellt.

Montag, 25. Juni 2012

Innovation für Sinfonieorchester

Die Konferenz der League of American Orchestras in Dallas stand dieses Jahr unter dem Motto "Innovation". Während Orchester in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle bei maßgeblichen Innovationen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. bei Musikaufnahmen, Rundfunkübertragungen,  Filmen mit Soundtracks und Live-Fernsehsendungen) spielten und dadurch die Grenzen der Kunstform erweiterten, scheinen Orchester heute von der Fülle der Neuen Medien eher überwältigt , was dazu führt dass die Anwendung im Orchesteralltag nur verzögert erfolgt. Impulse zur Innovation kommen vielfach von außerhalb der Orchesterindustrie.
Ed Sanders von Google, der das YouTube Orchester Projekt leitete, sagt dazu: „ Die Institutionen, die nachweislich Innovation vorantreiben anstatt still zu stehen, sind diejenigen, die überleben werden. Sie können entweder vor Schreck erstarren oder sie können ein bisschen loslassen und sehen was passiert.“
Elizabeth Scott, die 12 Jahre in der 1. Baseball Liga der USA arbeite und gerade den neuen Posten als Chief Media Officer im Lincoln Center übernommen hat, beobachtete dass “wir in den Darstellenden Künsten allzu lang daran festgehalten haben zu bestimmen, was das Erlebnis unser Besucher sein wird, anstatt zu sagen: hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie sie dieses Erlebnis machen könnten.“ Im amerikanischen Profi-Sport hat man entdeckt, dass durch die Einstellung von Inhalten auf mehreren Plattformen ein Besucherzuwachs bei Live-Sportevents zu verzeichnen war. „Wenn sie mit spannendem Inhalt durch Medien die Tür öffnen, will das Publikum in die Halle kommen.“
Wegweisende Impulse für die Zusammenarbeit von Management und Gewerkschaften kamen bei dieser Konferenz von The United Auto Workers und der Ford Motor Company aus Detroit, die in der Krise ein neues Level der konstruktiven und kooperativen Arbeitsbeziehungen vereinbarten. Opfer und Flexibilität wurden von allen gefordert, doch die Vorteile für das Unternehmen und die Gewerkschaft sind einige Jahre später reichlich bewiesen. 
Zusammenfassend sagte Brent Assink, Executive Director der San Francisco Symphony: „Die Zeit ist gekommen, die gleiche Kreativität, mit der wir Musik machen auf das Konzert und darüber hinaus auf das gesamte musikalische Erlebnis, das wir anbieten, anzuwenden… Innovation muss in der gesamten Institution geschehen.“

Videos von Vorträgen und Präsentation der 2012 League of American Orchestras Konferenz finden Sie hier http://www.americanorchestras.org/conference_2012/media.html

Montag, 23. April 2012

Praktika für Fortgeschrittene

Ich empfehle Studenten gerne, ein Praktikum in den größten und renommiertesten internationalen Institutionen Ihres Interessensgebietes zu absolvieren. In den großen Häusern lernen Sie die verschiedenen Kulturmanagement-Spezialsierungen mit all ihren Ausprägungen kennen. Für viele ist das Praktikum die einzige Chance, große Betriebe von innen kennenzulernen, weil die Allermeisten doch nach dem Studium in einem kleinen Büro anfangen, wo jeder alles tut.

Versuchen Sie die Institution als Ganzes kennenzulernen und das Zusammenspiel der verschiedenen Abteilungen zu verstehen. Bitten Sie die Mitarbeiter anderer Abteilungen um einen Gesprächstermin und versuchen Sie, so viele wie möglich über deren Arbeit, Werdegang und Motivation zu erfahren. Was Sie über das Spezialwissen in Ihrem Interessensgebiet hinaus für Arbeitgeber interessant macht, sind Erfahrungen und innovative Ideen aus anderen Branchen.

Wenn Sie sich für Marketing, Kundenservice und das Trendthema „Storytelling“ interessieren, machen Sie ein Praktikum bei Walt Disney. Sie lernen dort nicht, wie man ein Museum in einen Erlebnispark umwandelt, sondern wie man strategisch und systematisch Besuchserlebnisse über verschiedenste Plattformen bis ins kleinste Detail plant und kommuniziert.

Interessieren Sie sich für Branding, Markenführung und Verkauf, machen Sie ein Praktikum im Starbucks Headquarter in Seattle. Die Erfolgsgeschichte und Internationalisierung der Marke, ist ein gutes Lernbeispiel, wie Marken auf einem globalisierten Markt bestehen können. Nicht nur durch das Internet sind viele deutsche Kulturmarken im Ausland vertreten. Wie man daraus zusätzlich Wert schöpfen kann, lässt sich hervorragend am Starbucks Beispiel lernen.

Wenn Sie sich für das Thema Innovation interessieren, empfehle ich ein Praktikum in Silicon Valley am besten bei facebook. Der Geschäftsbetrieb ist auf Innovation und Wachstum ausgelegt, von der Kantine, über die Büroorganisation bis zur internationalen Expansion gibt es in allen Abteilungen etwas für Kulturmanager zu lernen.

Ein künstlerisches oder kulturtheoretisches Studium sehen amerikanische Arbeitgeber übrigens nicht als Makel an, wenn Sie sich für ein Praktikum oder auch einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft bewerben. Die meisten Betriebe versuchen Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Ausbildungen einzustellen, um unterschiedliche Perspektiven zu gewinnen und damit Innovation voranzutreiben.

Mittwoch, 28. März 2012

Schlaue Köpfe

Wer zum Sommer noch einen Praktikumsplatz sucht, muss sich jetzt ranhalten. Hier sind meine Empfehlungen, bei wem man sich für den Bereich Museumsmanagement unbedingt bewerben sollte. Dies sind die innovativen Köpfe der Museumsbranche in den USA:

Besucherteilnahme
Nina K. Simon, Direktorin des Santa Cruz Museum of Art and History und Autorin des Blogs „Museum 2.0“. Ihre Recherche und Ideen zum Thema „participatory museum experiences“ finden in der Branche große Beachtung. Wer sich für den Bereich Besucherengagement und –teilnahme interessiert, kann hier wichtige Impulse erfahren und ganz sicher eigene Ideen einbringen.

Ausstellungs – und Programmplanung
Adam Lerner, seines Zeichens “Director and Chief Animator, Department of Fabrications”, Museum of Contemporary Art Denver führte u.a. die Vortragsreihe “Mixed Taste” ein, bei der wissenschaftliche, alltägliche und popkulturelle Themen nacheinander präsentiert und vom entsprechend breiten Publikum diskutiert werden. Ebenso innovativ sind seine Themen-orientierten Ausstellungen. „Most art museums want to be professional purveyors of art, but I want to capture the spirit of art, which may be more important than art itself”, so Lerner.

Pädagogische Programme
Jamie Thompson, Curator of Education, Contemporary Art Center Cincinnati. Jamie entwickelt Besucherprogramme für alle Altersstufen, die mit Hilfe von geschulten Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Für die Kulturvermittlung wird u.a. die sogenannte Visual-Thinking-Strategy angewandt, die ein Gespräch über Kunst auf allen Lernstufen ermöglicht und als Kommunikationstraining von den Mitarbeitern auch in Firmen durchgeführt wird.

Medien und Technologien
Shelly Bernstein, Chief of Technology, Brooklyn Museum. Shelly testet alle neuen Programme und Technologien auf ihre Museumstauglichkeit. Und dabei entstehen ganz kreative Projekte, wie zum Beispiel Click! A Crowd-Curated Exhibition. Für ihre ArtShare Facebook App gab’s sogar mehrere Preise.

Mittwoch, 17. August 2011

Crowdsourcing genial genutzt

Eintrag aus meinem US-Blog vom online Kulturmanagement-Portal:

Die Recherche für die Ausstellung “Talk To Me”, die an diesem Sonntag im Museum of Modern Art in New York eröffnet wurde, begann vor eineinhalb Jahren auf dem gleichnamigen Blog auf der MoMA Internetseite. Im Zentrum der Ausstellung stehen Betrachtungen zum Thema „Design und Kommunikation zwischen Menschen und Objekten.“ Jeder war eingeladen, Ideen und Projekte einzureichen, die dann auf dem Blog veröffentlicht worden. „Es ging einerseits darum“, so Paola Antonelli, Kuratorin für Architektur und Design am MoMA, „eine Community rund um das Thema aufzubauen und uns darüber hinaus auf weniger bekannte Projekte in diesem sich schnell entwickelnden Gebiet aufmerksam zu machen.“ Aus 1500 Nominierungen ist nun eine Ausstellung von 200 praktischen und spielerischen Objekten, Gadgets, Videos, Apps und Spielen entstanden, die unsere zunehmend intimere Beziehung zu Objekten beleuchten. Kuratorin Antonelli und das MoMA verstehen sich mit dieser untraditionellen Vorschau durchaus als Wegbereiter für eine evolvierende Rolle des Museums: „Wir sollten Museen als Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Gesellschaft betrachten. Ich versuche interessante und inspirierende Fallstudien eines bestimmten Zeitpunkts zu sammeln, die zusammen als Basis für zukünftige Entwicklungen im Bereich Design gelten können.“
Neben dem innovativen Ansatz, das Museum als Visionär, Moderator und Plattform für Objekte und Diskussionen, deren Relevanz sich erst in den kommenden Jahren zeigt , zu präsentieren, steht die Demokratisierung des Kuratierens. Durch Crowdsourcing wurden Objekte und Projekte vorgestellt, die die Kuratorin alleine nicht hätte identifizieren können. Antonelli berichtet, dass ein gewünschter Nebeneffekt bei Ausstellungen wie dieser ist, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen und allen Ecken der Welt finden, was auch in Zusammenarbeit bei zukünftigen Projekten resultiert.
Aus Besucherperspektive erfüllt dieses Projekt drei Kriterien, die von Besuchern und Blog –Lesern gleichermaβen als besonders wichtig empfunden werden: Möglichkeiten zum Mitmachen, Raum für neue Begegnungen und Anleitung zum Dialog. Dass die endgültige Auswahl der Objekte der Kuratorin zusteht, entspricht ebenfalls Besuchererwartungen. Kernkompetenz des Museums und seiner Mitarbeiter ist die Expertise und damit auch die Berechtigung die gezeigten Inhalte ultimativ zu wählen.

Die Ausstellung ist bis zum 7. November im Museum of Modern Art zu sehen.
“Talk To Me”, url http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/1080
Blog, url http://wp.moma.org/talk_to_me/

Donnerstag, 28. Juli 2011

Chancen auf dem Weltmarkt

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, März 2011

Weltweit bereiten sich Konzerne auf die Eroberung der rasant anwachsenden Mittelschicht in den sogenannten BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China) vor. Die neuen Märkte werden für viele Marken überlebenswichtig sein. Wer jetzt schon dort ist, hat ganz klar einen Wettbewerbsvorsprung.
Die neue Mittelklasse demonstriert Ihren lifestyle gerne mit westlichen Marken. Ganz vorn dabei ist Deutscher Maschinenbau – und westliche Kultur. Einige amerikanische Kulturmarken, wie die Metropolitan Opera und die Los Angeles Philharmoniker, haben den Schritt mit live Übertragungen in Kinosäle gewagt, LA Phil Live in Canada und den USA, Met Live in HD sogar auf andere Kontinente. Die via Internet zugängliche Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker hat die größte Reichweite.
Aber natürlich kann nicht jeder das weltbeste Orchester, die beste Sammlung oder das populärste Haus sein, das international in aller Munde ist. Der Schritt in den Kinosaal und zur Digital Concert Hall ist für die Kulturmarken kostspielig und diese Projekte schreiben noch keine schwarzen Zahlen. Trotzdem gibt es für Kulturinstitutionen viele Chancen und viele Kunden auf dem Weltmarkt.
Neben dem Kulturprodukt ist auch das Image von besonderer Bedeutung. Wofür steht die Marke und wie unterscheidet sie sich von anderen? Was ist das Alleinstellungsmerkmal der
Institution, das sich digital verbreiten lässt? Sind es die ausgezeichneten Beethoven Aufnahmen (=> Google AdWords Kampagne in Asien), die Alten Meister (=> interaktive Galerie auf der Internetseite), die pädagogischen Programme (=> kostenlos zur Verfügung stellen auf iTunesU)? Die etablierten Plattformen (Internetseite, Blog, Facebook, YouTube, Twitter) eignen sich bestens zur Verbreitung von Inhalten. Nicht jeder muss eine „App“ entwerfen oder einen Distributionskanal aufmachen. Aber jeder muss in der globalisierten, digitalisierten Welt Präsenz zeigen!

Sonntag, 28. November 2010

Kulturmarkenführung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, November 2010

Die Marke gilt für viele Unternehmen als wichtigster immaterieller Wertschöpfer. Sie übernimmt „als Vorstellungsbild in den Köpfen von Anspruchsgruppen eine Identifikations- und Differenzierungsfunktion und prägt das Wahlverhalten.“ (Gabler Wirtschaftslexikon). Bei einem Überangebot von Produkten auf dem Verbrauchermarkt ist es eine Kunst, Marken zu etablieren, die die Konkurrenz ausstechen. Marken wie Apple, Coca Cola, Nike oder Hello Kitty sind sogenannte Lovemarks, welche Loyalität zum Produkt über die Vernunft hinaus schaffen, weit mehr als dies mit dem einfachen Preis-Leistungsverhältnis zu begründen wäre. Was diese Marken von anderen unterscheidet, ist ein stark emotional belegtes Image und ein entsprechender Markenauftritt.
Während es für Marketingfachleute ein langer Weg ist, bis ein Konsument überhaupt Emotionen mit Alltags-Konsumprodukten in Verbindung bringt, ist dies eine Eigenschaft, die Kulturprodukten inhärent ist. Wenn man Kulturkonsumenten nach dem Grund für Ihren Konsum fragt, wird der Besuch oft als „erbaulich“, „emotional“, „befreiend“, das Erlebnis als „spirituell“ beschrieben. Für Kulturmarken gilt es, diesen Marketing-„Vorsprung“ zu nutzen und die Emotionen zum Produkt im Markenauftritt aktiv zu betonen und weiter auszubauen. Das Lovemarks-Marketingkonzept ist ein Weg dies zu erreichen – mit Mystik (grossen Geschichten, Assoziationen von Träumen, Mythen und Symbolen, Inspirationen), mit Sinnlichkeit (durch Klänge, Anblick, Geruch, Berührung und Geschmack) und mit Vertrautheit (durch Einfühlungsvermögen, Verbindlichkeit und Leidenschaft). Der Ansatz ist immer, das gewisse Etwas zu betonen, das die Marke, auch und vor allen Dingen emotional, von anderen Produkten abhebt.
Gewöhnliche Marken werden weder geliebt noch respektiert. Sie werden einfach ersetzt. Ohne die geliebten Lovemarks, glauben wir nicht leben zu können. Also, machen Sie Ihre Kulturmarke zur Lovemarke!

Freitag, 30. Juli 2010

Innovative Konzertformate


Der innovativste Ansatz, das Konzerterlebnis neu zu gestalten, wurde waehrend der League of American Orchestra Konferenz meiner Meinung nach vom New World Symphony Orchestra praesentiert.
Am 25. Januar 2011 wird der von Frank Gehry entworfene neue Campus, ein “Labor fuer Musikerziehung und Auffuehrung”, in Miami eroeffnet. Ueber dem, nach dem Weinberg-Prinzip mit zentralem Podium entworfenen Saal, schwebt eine Decke, die eine 360 Grad Projektionsflaeche bietet. Das heisst, visuelle Projektionen werden ein zentraler Bestandteil der Veranstaltungen sein.

Zur Bespielung des Saals sind vier verschiedene Formate vorgesehen:

1. Das 30-minuetige Konzert
Beginned um 19:30 und wiederholt um 20:30 Uhr wird ein halbstuendiges Konzert klassicher Musik aufgefuehrt. Werbung fuer die Konzerte soll ausschliesslich von einem sogennanten “Street Team” durchgefuhert werden, dass an der Promenade von South Beach fuer die abendliche Veranstaltung wirbt. Der Preis einer Karte wird $2.50 betragen.
An der Promenade direkt vor dem Saal spazieren jaehrlich 5 Millionen Menschen vorbei, ein grosser Vorteil des Standortes. Wer denkt bei diesem Angebot noch an Besucherentwicklung? Fuer $2.50 traut sich jeder in den Saal, insbesondere wenn man nur 30 Minuten still sitzen muss.

2. Das 1-stuendige Komponistenportrait
Fuer dieses Format ohne Pause, werden drei Bloecke mit ansteigen Sitzreihen hinter dem Podium ebenfalls als Buehne genutzt. Zentral sitzt das Sinfonieorchester, in den Bloecken dahinter weitere Ensembles, die abwechselnd Stuecke aus anderen musikalischen Gattungen (Chorwerke, Kammermusik etc.) desselben Komponisten spielen. Dazu werden thematische Projektionen and die Decke geworfen, die das Schaffen des Komponisten erlaeutern. Kartenpreis $25 auf allen Sitzen.

3. Das klassische Konzert...
...besteht auch in diesem Konzertsaal: Overture, Concerto, Pause, Sinfonie fuer das traditionelle Publikum, dazu gestaffelte Kartenpreise. Visuelle Projektionen dienen hier zur Einfuehrung in das Programm.

4. Disco Nights
Von abends 22 Uhr bis morgends um zwei legen DJs fuer das party-suechtige Publikum in Miami South Beach auf. Unterbrochen werden die Sets von Ensembles, die vielleicht im Kontrast klassische Musik oder zur Ergaenzung Zeitgenoessisches spielen. Auch hier betraegt der Kartenpreis $25.

Uebrigens, wer sich immer noch nicht in den Konzertsaal traut, kann das Geschehen von draussen im angrenzenden Park bei einem Glaesschen Sekt unter Palmen verfolgen. Alle Konzerte werden an die Aussenwand des Hauses projeziert. Mitsehen und -hoeren ist kostenlos.