Sonntag, 28. November 2010

Kulturmarkenführung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, November 2010

Die Marke gilt für viele Unternehmen als wichtigster immaterieller Wertschöpfer. Sie übernimmt „als Vorstellungsbild in den Köpfen von Anspruchsgruppen eine Identifikations- und Differenzierungsfunktion und prägt das Wahlverhalten.“ (Gabler Wirtschaftslexikon). Bei einem Überangebot von Produkten auf dem Verbrauchermarkt ist es eine Kunst, Marken zu etablieren, die die Konkurrenz ausstechen. Marken wie Apple, Coca Cola, Nike oder Hello Kitty sind sogenannte Lovemarks, welche Loyalität zum Produkt über die Vernunft hinaus schaffen, weit mehr als dies mit dem einfachen Preis-Leistungsverhältnis zu begründen wäre. Was diese Marken von anderen unterscheidet, ist ein stark emotional belegtes Image und ein entsprechender Markenauftritt.
Während es für Marketingfachleute ein langer Weg ist, bis ein Konsument überhaupt Emotionen mit Alltags-Konsumprodukten in Verbindung bringt, ist dies eine Eigenschaft, die Kulturprodukten inhärent ist. Wenn man Kulturkonsumenten nach dem Grund für Ihren Konsum fragt, wird der Besuch oft als „erbaulich“, „emotional“, „befreiend“, das Erlebnis als „spirituell“ beschrieben. Für Kulturmarken gilt es, diesen Marketing-„Vorsprung“ zu nutzen und die Emotionen zum Produkt im Markenauftritt aktiv zu betonen und weiter auszubauen. Das Lovemarks-Marketingkonzept ist ein Weg dies zu erreichen – mit Mystik (grossen Geschichten, Assoziationen von Träumen, Mythen und Symbolen, Inspirationen), mit Sinnlichkeit (durch Klänge, Anblick, Geruch, Berührung und Geschmack) und mit Vertrautheit (durch Einfühlungsvermögen, Verbindlichkeit und Leidenschaft). Der Ansatz ist immer, das gewisse Etwas zu betonen, das die Marke, auch und vor allen Dingen emotional, von anderen Produkten abhebt.
Gewöhnliche Marken werden weder geliebt noch respektiert. Sie werden einfach ersetzt. Ohne die geliebten Lovemarks, glauben wir nicht leben zu können. Also, machen Sie Ihre Kulturmarke zur Lovemarke!

Sonntag, 26. September 2010

Dynamische Preisgestaltung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, August 2010

Die dynamische Preisgestaltung, ein betriebswirtschaftliches Modell aus dem Bereich Ertragsmanagement, erfreut sich bei US-Kulturinstitutionen aus dem Bereich Bühne zunehmender Beliebtheit. Das Modell ist seit Jahrzehnten aus der Luftfahrt bekannt, lässt sich aber ebenso im Kulturbereich anwenden. Man wirbt mit dem niedrigsten Preis „ab x Dollar“, dieser ist nur fuer „Frühbucher“ zugänglich und gilt für die weniger populären Programme und für unbeliebte Plätze. Soll es ein populäreres Programm, ein anderer Wochentag, ein besserer Platz sein, muss draufgezahlt werden.
Die Formeln zur Preisgestaltung können kompliziert - Preisänderung = (Nachfrage-Angebotsmenge) / Preisanpassungsfaktor - oder sehr simpel sein. Liegt die durchschnittliche Auslastung bei 70%, könnten die Preise ab 65% Auslastung um $5 angehoben werden, um weitere $5 bei Erreichen der Auslastung von 70%, 75% und so weiter. Liegt der Durchschnittspreis eher bei $10 kann die Preissteigerung auch nur $1 betragen.
Einige Theater haben die dynamische Preisgestaltung trotz Bedenken ausprobiert und waren überrascht, wie selbstverständlich die Kunden die Preisanpassung hingenommen haben. In allen bekannten Fällen hat dies zu einem deutlichen Anstieg des Durchschnittpreises und somit grösseren Einnahmen geführt.
Das Prinzip, die Preise zu erhöhen, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, lässt sich auch auf den Bereich Museum übertragen. Besucher verschieben den Museumsbesuch oftmals bis zum letzten Wochenende einer Sonderausstellung. Warum könnten die Preise an diesen Tagen nicht erhöht werden? Konsequent dynamisch wäre es auch, die Preise nach unten zu orientieren, etwa an Wochentagen oder Morgenstunden mit weniger Besuchern.
Der Schlüssel zum Erfolg der dynamischen Preisgestaltung liegt in der gründlichen Vorbereitung, der Zusammenarbeit von IT, Marketing und Vertrieb, exzellentem Kundenservice und informierten Mitarbeitern.

Donnerstag, 12. August 2010

Publikumsbeteiligung im Museum

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Juni 2010

Im Februar 2008 ludt das Luce Foundation Center des Smithsonian American Art Museum Internetnutzer ein, mitzuentschieden, welche Gemälde in dem von Kunsthistorikern und anderen Wissenschaftlern häufig aufgesuchten und öffentlich zugänglichen Depot ausgestellt werden sollen. Dazu richteten die Angestellten des Museums die Flickr-Gruppe Fill the Gap ein, welche es den Nutzern ermöglicht, Kunstwerke für die Freiräume an den Wänden vorzuschlagen, die Bilder hinterlassen, die ausgeliehen oder restauriert werden.

Fill the Gap ist ein kleiner, aber möglicherweise wegweisender Schritt für die mächtige Smithsonian Institution, der eine Diskussion zur sich wandelnden Rolle der Kuratoren und dem Publikum der Web 2.0 Ära, der interakiven Internetnutzung, initiierte. Ende 2009 rief die Smithsonian Institution eine Initiative unter dem Namen Smithsonian Commons ins Leben. Innerhalb dieser Initiative werden Anwendungen und Lizenzverträge entwickelt, die Besuchern das Downloaden, Verteilen und Mischen von lizenzfreien Kunstwerken der Smithsonian Sammlung im Internet z.B. auf der eigenen Intenetseite oder in sozialen Netzwerken ermöglichen.

Während soziale Netzwerke im Internet neue Möglichkeiten für Benutzerteilnahme ermöglichen, können sie doch auch dazu beitragen, Falschinformationen oder fragwürdige Meinungen zu verbreiten und die Autorität von Kuratoren zu untergraben. Dies betrifft andere Kulturinstitutionen sowie Universitäten, Verlage und Zeitungen gleichermassen: Wie lassen sich institutionelle Grundsätze mit den neuen Möglichkeiten in den elektronischen Medien vereinbaren?

„Museen fürchten oftmals, die Kontrolle zu verlieren“, berichtet Nina Simon, Ausstellungsdesignerin, die ein Buch über Publikumsbeteiligung in Museen veröffentlichte. Wenn jeder etwas zur Sammlung beitragen kann, wie sollen Kuratoren und auch Besucher mit den potentiell endlosen Nutzer-generierten Inhalten umgehen?

Der Schlüssel wird sein, Besuchern ein Regelwerk zur Verfügung zu stellen, Kategorien und Themen, die von Kuratoren vorgegeben werden. Michael Edson, New-Media Director der Smithsonian Institution, sagt dazu, dass Besucherteilnahme nicht zwingend Kontrollverlust der Kuratoren bedeutet: „Ich denke, dass die Öffentlichkeit weiterhin den Autoritätsanspruch des Smithsonian respektiert, Autorität und Vertrauen werden Institutionen heutzutage jedoch anders zuerkannt - durch Transparenz, Tempo und Besucherorientierung.“

Letztendlich hängt die Viabilität von Internet-basierten Museumssammlungen von der Fähigkeit der Kuratoren ab, Technologien zu nutzen, die die Besucherteilnahme ermöglichen ohne die Urteilsfähigkeit der Kuratoren zu kompromittieren. „Es gibt einen Unterschied zwischen Macht und Expertise“, so Nina Simon. „Museen werden immer die Expertise haben, aber sollten die Macht teilen.“

Folgen Sie dem lesenswerten Blog von Nina Simon http://museumtwo.blogspot.com/

Freitag, 30. Juli 2010

Innovative Konzertformate


Der innovativste Ansatz, das Konzerterlebnis neu zu gestalten, wurde waehrend der League of American Orchestra Konferenz meiner Meinung nach vom New World Symphony Orchestra praesentiert.
Am 25. Januar 2011 wird der von Frank Gehry entworfene neue Campus, ein “Labor fuer Musikerziehung und Auffuehrung”, in Miami eroeffnet. Ueber dem, nach dem Weinberg-Prinzip mit zentralem Podium entworfenen Saal, schwebt eine Decke, die eine 360 Grad Projektionsflaeche bietet. Das heisst, visuelle Projektionen werden ein zentraler Bestandteil der Veranstaltungen sein.

Zur Bespielung des Saals sind vier verschiedene Formate vorgesehen:

1. Das 30-minuetige Konzert
Beginned um 19:30 und wiederholt um 20:30 Uhr wird ein halbstuendiges Konzert klassicher Musik aufgefuehrt. Werbung fuer die Konzerte soll ausschliesslich von einem sogennanten “Street Team” durchgefuhert werden, dass an der Promenade von South Beach fuer die abendliche Veranstaltung wirbt. Der Preis einer Karte wird $2.50 betragen.
An der Promenade direkt vor dem Saal spazieren jaehrlich 5 Millionen Menschen vorbei, ein grosser Vorteil des Standortes. Wer denkt bei diesem Angebot noch an Besucherentwicklung? Fuer $2.50 traut sich jeder in den Saal, insbesondere wenn man nur 30 Minuten still sitzen muss.

2. Das 1-stuendige Komponistenportrait
Fuer dieses Format ohne Pause, werden drei Bloecke mit ansteigen Sitzreihen hinter dem Podium ebenfalls als Buehne genutzt. Zentral sitzt das Sinfonieorchester, in den Bloecken dahinter weitere Ensembles, die abwechselnd Stuecke aus anderen musikalischen Gattungen (Chorwerke, Kammermusik etc.) desselben Komponisten spielen. Dazu werden thematische Projektionen and die Decke geworfen, die das Schaffen des Komponisten erlaeutern. Kartenpreis $25 auf allen Sitzen.

3. Das klassische Konzert...
...besteht auch in diesem Konzertsaal: Overture, Concerto, Pause, Sinfonie fuer das traditionelle Publikum, dazu gestaffelte Kartenpreise. Visuelle Projektionen dienen hier zur Einfuehrung in das Programm.

4. Disco Nights
Von abends 22 Uhr bis morgends um zwei legen DJs fuer das party-suechtige Publikum in Miami South Beach auf. Unterbrochen werden die Sets von Ensembles, die vielleicht im Kontrast klassische Musik oder zur Ergaenzung Zeitgenoessisches spielen. Auch hier betraegt der Kartenpreis $25.

Uebrigens, wer sich immer noch nicht in den Konzertsaal traut, kann das Geschehen von draussen im angrenzenden Park bei einem Glaesschen Sekt unter Palmen verfolgen. Alle Konzerte werden an die Aussenwand des Hauses projeziert. Mitsehen und -hoeren ist kostenlos.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Orchestra League, Tag 1, Auftaktveranstaltung

Mehrere tausend Kulturmanager, Musiker und Berater versammelten sich am ersten Tag der Konferenz der League of American Orchestras zur Auftaktveranstaltung in Atlanta, Georgia. Nach einer grandiosen Auffuehrung von Ney Rosauros Konzert fuer Marimba und Orchester von einem lokalen Jugendorchester und den ueblichen Danksagungen und Begruessungen, trat der Hauptredner Ben Cameron von der Doris Duke Charitable Foundation ans Pult und brachte die aktuelle Lage der Orchester wortgewandt auf den Punkt. Die groesste Herausforderung fuer Orchester, sei nicht die wirtschatfliche Lage, sondern schwindende Besucherzahlen und Technologie mit dem Konzerterlebnis zu vereinen.
Alle bisher relativ konstanten demographischen Faktoren der US-amerikanischen Gesellschaft und somit des US-Kulturnutzer, Alter, Rasse, Geschlecht, Einkommen usw. veraendern sich derzeit radikal. Immer weniger Menschen sind aufgrund der gesellschaftlichen Veraenderung und dem rasanten Abbau von Musikerziehung mit dem traditionellen klassichen Konzerterlebnis vertraut. Das Publikum bleibt weg und dringend muessen neue Konzertformate, Vermittlungs- und Kommunkationswege gefunden werden. Alles ist auf dem Tisch.
Die juengere “on-demand-Generation” ist es gewohnt Computerspiele, Musik, soziale Netzwerke 24 Stunden am Tag abrufbereit zur Verfuegung zu haben. Wie kann da ein klassichen Konzert, zu fester Stunde und ausserhalb der eigenenn vier Waende mithalten?
Ben Cameron gab dem Plenum vier Fragen mit auf den Weg, an denen Orchester sich messen muessen:
1. Welchen Nutzen hat sinfonische Musik in meiner Gemeinde?
2. Was ist der Nutzen den sinfonie Musik allein bringt?
3. Welchen Schaden erleidet meine Gemeinde, wenn sinfonische Musik wegfaellt?
4. Ist mein Orchester so aufgestellt, dass ich mich diesen Frage und ihren Konsequenzen stellen kann?
Die naechsten Tage werden allen am Konzerterlebnis Beteiligten hoffentlich viele Ideen mit auf den Weg geben.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Orchestra League, Tag 1, Vor dem Startschuss

Eine Frage, die vor der Konferenz auf diesem Blog gestellt wurde und auf der Konferenz von mir mit Kollegen diskutiert wird lautet: “Was unternehmen amerikanische Orchester, um Latinos für Sinfoniekonzerte zu interessieren? Oder, wie werden Minderheiten von Orchestern angesprochen?“
Viel, ist die kurze Antowrt. Amerikanische Orchester tun viel, um ethnische Minderheiten fuer das klassiche, in der europaeischen Kulturtradition verwurzelte Konzerterlebnis zu begeistern.
Hier sind eininge Fakten zu diesem Thema. In Kalifornien, Texas, Washington D.C. und Hawaii sind sogenannte ethnische Minderheiten (Latinos, African Americans, Pacific Islanders, Asians, Native Americans) jetzt schon die Mehrheit. In Kuerze wird das auch in den Staaten Arizona, Mississippi, Maryland und New York ebenfalls der Fall sein. In Los Angelos bilden Latinos heute schon die Mehrheit bei den unter 18-jaehrigen. Einen jungen Venezuelaner wie Gustavo Dudamel dort als kuenstlerischen Leiter und Dirigenten einzusetzen, ist deshalb auch insbesondere aus der Marketingperspektive interessant.
Viele Fragen, zur Kommunikation mit Latinos z.B. Sprachpraeferenz, verfuegbares Haushaltseinkommen, mit welchem kulturellen Hintergrund identifizieren Latinos sich, sind vielerorts oftmals noch unbeantwortet. Dass es besonders intensiver Kommunikation bedarf, steht ausser Frage. In Kalifornien stellen Latinos mehr als 30% der Bevoelkerung dar, als Kulturnutzer sind sie mit einstelliger Prozentzahl vertreten. Mit Psychogrammen lassen sich oftmals bessere Vorhersagen treffen als mit demographischen Faktoren. Viele Studien sind auf dem Weg, die hoffentlich Aufschluss ueber Vorlieben und Verhalten geben. Fortsetzung folgt...

Montag, 14. Juni 2010

Orchestra R/Evolution


Zwei Tage noch bis zur Konferenz der League of American Orchestras, dem Verband der US-amerikanischen Orchester, von der ich Mittwoch bis Freitag taeglich aus Atlanta hier berichten werde. US-amerikanische Orchester stellen sich derzeit inhaltlich, betriebswirtschaftlich und strukturell grossen Herausforderungen. Die zentrale Frage lautet: "Wie koennen Orchester im 21. Jahrhundert relevant bleiben?" Zur Abstimmung stehen diese und drei weitere Fragen, von denen eine waehrend der Eroeffnungsveranstaltung diskutiert wird. Stimmen Sie mit ab und verfolgen Sie die Diskussion im live stream am 16. Juni um 21.40Uhr http://orchestrarevolution.org/?page_id=821

Welche Themen interessieren Sie darueber hinaus aus deutscher Perspektive? Welche Fragen darf ich fuer Sie waehrend der Konferenz an amerikanische Kollegen stellen und dann auf diesem Blog beantworten? Bitte stellen Sie Ihre Frage als Kommentar zu diesem Artikel. Dankeschoen!

Sonntag, 23. Mai 2010

Aktuelle Diskussion in den USA: Die Demokratisierung der Philanthropie

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, April 2010

Trotz eines deutlichen Rückgangs an Spenden (minus 5,7% in 2008 gegenüber 2007), gewinnt das Thema Philanthropie zunehmend an Popularität. Privatleute versuchen mehr und mehr ihre individuelle Mission mit ihrer Spendentätigkeit in Einklang zu bringen. In den vergangenen Jahrzehnten rangierten Kirchen und Universitäten an den ersten Platzen als Empfänger von Privatspenden. Den grössten Zuwachs verzeichnen Organisationen, die direkte Hilfs- oder Unterstützungsmassnahmen leisten, wie beispielsweise Arbeitsbeschaffung oder die Vergabe von Mikrokrediten.
Angeführt von der Nachkriegsgeneration, den Baby Boomers, vollzieht sich ein Wandel im Selbstverständnis der Spender. Der Fokus verschiebt sich von wachstumsorientierten zu einkommensschaffenden Investitionen in den humanitären und ökologischen Sektor. Auch die jüngeren Generationen „X“ und „Y“ stellen sich zunehmend sozialer Verantwortung.
Sogenannte donor-advised funds, Anlage-Fonds die von Stiftungen verwaltet werden und deren Erträge nach Präferenz der Anleger an gemeinnützige Zwecke vergeben werden, ermöglichen mit Start-Einlagen ab $5.000 heute einen deutlich erschwinglicheren Eintritt in die Philanthropie, als dies noch vor einigen Jahren möglich war.
Was können Kulturinstitutionen von dem Wandel im Selbstverständnis der Spender erwarten?
Der Wandel vollzieht sich vom distanzierten Mäzenatentum und Verwaltung zum geschäftsorientierten und persönlichen Ausführen der Mission. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der vermögende Privatleute Spendenzwecke identifizieren, widmen sie sich auch dem Ehrenamt und der Vorstandsarbeit in Kulturinstitutionen. Es geht um mehr als darum zu repräsentieren – es geht darum, persönlich etwas zu bewegen. Die neuen Spender packen selber mit an und wollen aktiv an Problemlösungen teilhaben.
Von den Kulturinstitutionen wird damit mehr Bereitschaft zu „Inclusiveness“ abverlangt, um den Spendern Tätigkeitsfreiräume zu gewähren. Damit verbunden ist allerdings auch die Möglichkeit zu noch stärkerer Einbindung der Institutionen in die örtliche Gemeinschaft.

Mittwoch, 31. März 2010

Freitag, 26. März 2010

Trends Besucherforschung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Februar 2010
Der durchschnittliche US-Kulturbesucher ist weiß, über 45 Jahre, überdurchschnittlich gebildet (mindestend ein Masterabschluss)und verfügt über ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Diese Charakterisierung galt seit Gründung der ersten US-Kulturinstitutionen im 19. Jahrhundert. Doch wie lange noch?
Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag der League of American Orchestras (Verband der amerikanischen Orchester) eine Besucherstudie erstellt, die Mitte Dezember veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse, die mit der bereits im Juni veröffentlichten Besucherstudie des National Endowment of the Arts (Bundesbehörde für Kultur) übereinstimmen, sollten US-Kulturmanager alarmieren. Die kombinierten Ergebnisse zeigen einen Rückgang von 29% an Besuchern im Bereich klassiche Musik seit 1982, 20% davon allein seit 2002. Zwar sind diese Zahlen vergleichbar mit dem Rückgang an Besucherzahlen in anderen Sparten der darstellenden Künste, doch eine Frage bleibt: Wo sind die Besucher? Der von Orchestern kürzlich berichtete Besucherzuwachs lässt sich auf die gesteigerte Teilnahme von Mehrfachbesuchern zurückführen. Der Anteil der Gesamtbevölkerung, welcher an kulturellen Ereignissen teilnimmt, sinkt weiter. Die Besucher ergrauen auch schneller als die allgemeine Öffentlichkeit. Lag das Besucherdurchschnittsalter 1982 noch bei 40 Jahren, war es im Jahr 2008 auf 49 Jahre gestiegen. Das Durchschnittsalter der US-Bevölkerung stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 45 Jahre. Laut den Studien sinkt die Teilnahme auch bei den bisher so verlässlichen Senioren und überdurchschnittlich gebildeten Besuchern. Und ein weiterer Trend ist jetzt schon vorhersehbar: 2018 wird der Anteil der lateinamerikanischstämmigen Bevölkerung bei 20% liegen. Wie kann die europäische Kulturtradition – Konzerthaus, Museum, Ballett, Oper und Theater – relevant bleiben? Die Ausrichtung der Programme auf eine weiße Elite stößt seit Jahrzehnten auf Widerstand, was zur Gründung und politischen Förderung von Audience Development-, Diversity- und Inclusion-Aufgabenund -Initiativen führte. Die US-Kulturmanager müssen jezt ihre Hausaufgaben machen: Programmgestaltung für eine junge, an Neue Medien gewöhnte Generation und Besucher, die nicht in der europäischen Kulturtradionverwurzelt sind, sind nur zwei von vielen zukünftigen Aufgaben.
Es bleibt spannend.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Jobbeschreibung Musikdirektor

Vor zwei Wochen teilte die Praesidentin des Chicago Symphony Orchestras einer Gruppe von Kulturmanagern mit, wie hoch erfreut man ueber das Engagement Riccardo Muti's als Musikdirektor sei (insbesondere weil er den Posten bei den NY Phil abgelehnt hatte). Mit ihm wuerde eine neue Aera des Orchesters beginnen und die Partnerschaft mit Muti reiche weit ueber das Podium hinaus.
Cincinnati und Philadelphia sind noch auf der Suche nach neuen Musikdirektoren und das Anforderungsprofil ist enorm. Nicht nur muss die Chemie zwischen Orchester und Musikdirektor in seiner Funktion als erster Dirigent stimmen, auch ein Charisma, welches das Publikum mitreisst, muss vorhanden sein. Der erste Wohnsitz sollte beim jeweiligen Orchester sein, damit der MD fuer vielfaeltige Veranstaltungen zur Verfuegung steht. Vorspiele, Fundraising und Oeffentlichkeitsarbeit sind mindestens ebenso wichtige Aufgaben, wie das Proben und Konzertieren.
"From my years in Philadelphia I know exactly what I'm expected to do as music director of an American orchestra," Mr. Muti said. "To be music director of an American orchestra doesn't mean only to try to make good music with the orchestra for the audience that comes to the hall but to serve the community."
Es geht also neben der musikalischen auch um organisatorische und kommunikative Kompetenzen. Endloses "schmusen" mit Spendern auf Fundraising Veranstaltungen und Sprechen in der Oeffentlichkeit sind keine angeborenen Talente. Und die Selbstverstaendlichkeit mit der die Verfuegbarkeit des MD angenommen wird, verschlaegt so manchem Europeaer die Sprache. Das gilt im uebrigen auch fuer Solisten. Selbst wer in Europa auf dem hoechsten Ross sitzt, schaut beim Amerika-Gastspiel nach dem Konzert schnell noch mal auf ein Bierchen bei der Studenten-Nacht vorbei, um dann zwei weitere Stunden mit dem MD auf einer Fundraising Party zu verbringen. Alles zielt darauf hin, Engagement und Buergernaehe zu demonstrieren.
Zwei Faktoren liessen die Abo-Zahlen amerikanischer Ochester traditionell in die Hoehe schiessen, der neue Muskdirektor oder der neue Konzertsaal. Dies gelang in dieser Saison weder mit dem neuen MD in New York noch in Los Angelos.
Ein Grund mehr fuer den Musikdirektor, sagen die amerikanischen Orchestermanager, sich unters Volk zu mischen und Freunde fuer das Orchester zu gewinnen.

Montag, 25. Januar 2010

Der US-Kulturindex

Letzte Woche veroeffentlichte die nonprofit Organisation "Americans for the Arts" den ersten National Arts Index. Anhand vom 76 Kriterien, darunter z. B. Einkuenfte aus Lizenzen, Ticketverkaeufe am Broadway, Museumsbesuche, Spenden und die Anzahl von Kunststudenten, wird die Lage der Kulturbranche beurteilt. Fuer das Jahr 2008 fiel der Index um 4.2 Prozentpunkte, was auf weniger Teilnahme und den Rueckgang von Spenden zurueckzufuehren ist.

Hier sind einige der Kernpunkte:
- Die Anzahl der nonprofit Kulturinstitutionen ist von 73,000 im Jahr 1998 auf 104,000 im Jahr 2008 gestiegen. Nur eine von drei Institutionen konnte dabei auch waehrend der besten Wirtschaftslage kostendeckend wirtschaften.
- Die Kulturindustrie folgt dem Wirtschaftszyklus und ist direkt abhaenging von Konsumausgaben. Ein Aufschwung wird erst fuer das Jahr 2011 voraus gesagt.
- Die Kulturteilnahme steigt ueber das Internet, in ethnisch- und kulturspezifischen Organisationen sowie als Hobby (malen, toepfern, musizieren usw.). Die Teilnahme an Programmen grosser Kulturinstitutionen sinkt stetig.
- Die Kulturinstituionen haben einen Teil ihres Marktanteils im Bereich Spenden an andere gemeinnuetzige Zwecke darunter Internationales, Umweltschuz und Katastrophenhilfe verloren.
- Die Nachfrage nach Kunsterziehung steigt fuer die Alterklassen High School und College Studenten (14 - 22 Jahre).