Freitag, 26. März 2010

Trends Besucherforschung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Februar 2010
Der durchschnittliche US-Kulturbesucher ist weiß, über 45 Jahre, überdurchschnittlich gebildet (mindestend ein Masterabschluss)und verfügt über ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Diese Charakterisierung galt seit Gründung der ersten US-Kulturinstitutionen im 19. Jahrhundert. Doch wie lange noch?
Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag der League of American Orchestras (Verband der amerikanischen Orchester) eine Besucherstudie erstellt, die Mitte Dezember veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse, die mit der bereits im Juni veröffentlichten Besucherstudie des National Endowment of the Arts (Bundesbehörde für Kultur) übereinstimmen, sollten US-Kulturmanager alarmieren. Die kombinierten Ergebnisse zeigen einen Rückgang von 29% an Besuchern im Bereich klassiche Musik seit 1982, 20% davon allein seit 2002. Zwar sind diese Zahlen vergleichbar mit dem Rückgang an Besucherzahlen in anderen Sparten der darstellenden Künste, doch eine Frage bleibt: Wo sind die Besucher? Der von Orchestern kürzlich berichtete Besucherzuwachs lässt sich auf die gesteigerte Teilnahme von Mehrfachbesuchern zurückführen. Der Anteil der Gesamtbevölkerung, welcher an kulturellen Ereignissen teilnimmt, sinkt weiter. Die Besucher ergrauen auch schneller als die allgemeine Öffentlichkeit. Lag das Besucherdurchschnittsalter 1982 noch bei 40 Jahren, war es im Jahr 2008 auf 49 Jahre gestiegen. Das Durchschnittsalter der US-Bevölkerung stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 45 Jahre. Laut den Studien sinkt die Teilnahme auch bei den bisher so verlässlichen Senioren und überdurchschnittlich gebildeten Besuchern. Und ein weiterer Trend ist jetzt schon vorhersehbar: 2018 wird der Anteil der lateinamerikanischstämmigen Bevölkerung bei 20% liegen. Wie kann die europäische Kulturtradition – Konzerthaus, Museum, Ballett, Oper und Theater – relevant bleiben? Die Ausrichtung der Programme auf eine weiße Elite stößt seit Jahrzehnten auf Widerstand, was zur Gründung und politischen Förderung von Audience Development-, Diversity- und Inclusion-Aufgabenund -Initiativen führte. Die US-Kulturmanager müssen jezt ihre Hausaufgaben machen: Programmgestaltung für eine junge, an Neue Medien gewöhnte Generation und Besucher, die nicht in der europäischen Kulturtradionverwurzelt sind, sind nur zwei von vielen zukünftigen Aufgaben.
Es bleibt spannend.

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