Donnerstag, 25. Februar 2010

Jobbeschreibung Musikdirektor

Vor zwei Wochen teilte die Praesidentin des Chicago Symphony Orchestras einer Gruppe von Kulturmanagern mit, wie hoch erfreut man ueber das Engagement Riccardo Muti's als Musikdirektor sei (insbesondere weil er den Posten bei den NY Phil abgelehnt hatte). Mit ihm wuerde eine neue Aera des Orchesters beginnen und die Partnerschaft mit Muti reiche weit ueber das Podium hinaus.
Cincinnati und Philadelphia sind noch auf der Suche nach neuen Musikdirektoren und das Anforderungsprofil ist enorm. Nicht nur muss die Chemie zwischen Orchester und Musikdirektor in seiner Funktion als erster Dirigent stimmen, auch ein Charisma, welches das Publikum mitreisst, muss vorhanden sein. Der erste Wohnsitz sollte beim jeweiligen Orchester sein, damit der MD fuer vielfaeltige Veranstaltungen zur Verfuegung steht. Vorspiele, Fundraising und Oeffentlichkeitsarbeit sind mindestens ebenso wichtige Aufgaben, wie das Proben und Konzertieren.
"From my years in Philadelphia I know exactly what I'm expected to do as music director of an American orchestra," Mr. Muti said. "To be music director of an American orchestra doesn't mean only to try to make good music with the orchestra for the audience that comes to the hall but to serve the community."
Es geht also neben der musikalischen auch um organisatorische und kommunikative Kompetenzen. Endloses "schmusen" mit Spendern auf Fundraising Veranstaltungen und Sprechen in der Oeffentlichkeit sind keine angeborenen Talente. Und die Selbstverstaendlichkeit mit der die Verfuegbarkeit des MD angenommen wird, verschlaegt so manchem Europeaer die Sprache. Das gilt im uebrigen auch fuer Solisten. Selbst wer in Europa auf dem hoechsten Ross sitzt, schaut beim Amerika-Gastspiel nach dem Konzert schnell noch mal auf ein Bierchen bei der Studenten-Nacht vorbei, um dann zwei weitere Stunden mit dem MD auf einer Fundraising Party zu verbringen. Alles zielt darauf hin, Engagement und Buergernaehe zu demonstrieren.
Zwei Faktoren liessen die Abo-Zahlen amerikanischer Ochester traditionell in die Hoehe schiessen, der neue Muskdirektor oder der neue Konzertsaal. Dies gelang in dieser Saison weder mit dem neuen MD in New York noch in Los Angelos.
Ein Grund mehr fuer den Musikdirektor, sagen die amerikanischen Orchestermanager, sich unters Volk zu mischen und Freunde fuer das Orchester zu gewinnen.

Montag, 25. Januar 2010

Der US-Kulturindex

Letzte Woche veroeffentlichte die nonprofit Organisation "Americans for the Arts" den ersten National Arts Index. Anhand vom 76 Kriterien, darunter z. B. Einkuenfte aus Lizenzen, Ticketverkaeufe am Broadway, Museumsbesuche, Spenden und die Anzahl von Kunststudenten, wird die Lage der Kulturbranche beurteilt. Fuer das Jahr 2008 fiel der Index um 4.2 Prozentpunkte, was auf weniger Teilnahme und den Rueckgang von Spenden zurueckzufuehren ist.

Hier sind einige der Kernpunkte:
- Die Anzahl der nonprofit Kulturinstitutionen ist von 73,000 im Jahr 1998 auf 104,000 im Jahr 2008 gestiegen. Nur eine von drei Institutionen konnte dabei auch waehrend der besten Wirtschaftslage kostendeckend wirtschaften.
- Die Kulturindustrie folgt dem Wirtschaftszyklus und ist direkt abhaenging von Konsumausgaben. Ein Aufschwung wird erst fuer das Jahr 2011 voraus gesagt.
- Die Kulturteilnahme steigt ueber das Internet, in ethnisch- und kulturspezifischen Organisationen sowie als Hobby (malen, toepfern, musizieren usw.). Die Teilnahme an Programmen grosser Kulturinstitutionen sinkt stetig.
- Die Kulturinstituionen haben einen Teil ihres Marktanteils im Bereich Spenden an andere gemeinnuetzige Zwecke darunter Internationales, Umweltschuz und Katastrophenhilfe verloren.
- Die Nachfrage nach Kunsterziehung steigt fuer die Alterklassen High School und College Studenten (14 - 22 Jahre).

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Patron Service Model

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Dezember 2009
Ein neues Organisationsmodel für die Bereiche Marketing und Development gewinnt unter amerikanischen Orchestern zunehmend an Popularität. Das sogenannte Patron Services Model vereint die traditionell getrennt geführten Abteilungen Marketing = Kartenverkauf und Development = Fundraising. Ziel dieser Zusammenlegung von Resourcen ist, mit aufeinander abgestimmten Marketing- und Developmentaktivitäten, die Einnahmen aus beiden Bereichen pro Kunde bzw. Haushalt zu optimieren.
Diese Einnahmen stehen in der Regel in proportionalem Verhältnis zueinander. Je höher die Besuchsrate von Konzerten und Events pro Kunde, umso höher die Bereitschaft zu spenden und grössere Summen zu spenden.
Basierend auf ihren Beteiligungsgrad werden die Kunden in verschiedene Segmente etwa Neukunden, Stammkunden und VIP Kunden unterteilt. Jedes Mitarbeiterteam gestaltet dann die Marketing und Development Kommunikation für jeweils ein Kundensegment. Die Kunden mit dem grössten Aktivitäts-Portfolio werden individuell betreut (Stichwort Private Banking), im Neukunden Segment betreut ein Mitarbeiter tausende Kunden. Der Vorteil ist, dass VIP Kunden z.B. Vorstandsmitglieder niemals um eine grosse Summe gebeten werden, nachdem sie gerade das 22-Konzerte-Abonnement verlängert haben. Für ein anderes Segment kann es bedeuten, dass einen Massenaufruf zu Kleinstspenden (Annual Campaign) nicht zeitgleich oder gerade zeitgleich mit dem Ausverkauf von Restkarten stattfindet.
Idealerweise findet die Koordination all dieser Massnahmen auch in Betrieben statt, in denen die Abteilungen Marketing und Development getrennt geführt werden. In der Alltagspraxis ist die Kommunikation jedoch oftmals weniger optimal und die Kunden (Patrons) weniger transparent. Von grosser Bedeutung für die Koordination der Bereiche ist eine Marketing/Development Software, die die Speicherung aller relevanten Kundendaten und Aktivitäten ermöglicht. Ein Blick auf ein Patron Services Organigramm zeigt, dass für die Auswertung der Kundendaten ein Heer an Mitarbeitern benötigt wird, um daraus zielgruppenspezifische Kommunikation und Angebote zu entwickeln.
Das Kundenfeedback zum neuen Servicemodel ist durch die Branche hinweg sehr positiv. Intern wird an der Optimierung des Patron Service Model, das z.B. in Detroit seit einem Jahr in Betrieb ist, wird weiterhin gearbeitet: Eine logische Eingliederung der Bereiche externe Kommunikation also Werbung und PR, Kartenbüro, Internetseite und auch Art Direktion gibt es bei diesem Modell nicht.

Montag, 7. Dezember 2009

Art Basel Miami

Als die Galeristen am Samstag neue Ware haengten, war es nicht wie im letzten Jahr die zweite Garnitur mit B-Preisen. Diesmal rueckte Ware nach, da tatsaechlich verkauft wurde. Besonders erfolgreich waren die Galeristen, welche mit kleinen Formaten angereist waren. Rote Punkte auf allem was unter $5,000 verkauft wurde. Und ein zweiter Trend liess sich beobachten: Noch nie war die klassische Moderne auf einer Messe fuer Zeitgenoessische Kunst so stark vertreten. Sammler und Galeristen gingen auf Nummer sicher. Auch in der Art Positions section, dem Bereich fuer junge Galeristen, diesmal in den raeumlichen Mittelpunkt gerueckt, fand sich wenig Halsbrecherisches. Marc Spiegler, Leiter der Art Basel Miami, hatte selbst zum Hoerer gegriffen, um die letzten Plaetze zu fuellen. Die grossen Parties fanden auch in diesem Jahr nicht statt. Aber es gab reichlich Grund zum Laecheln.

Mittwoch, 25. November 2009

Fotos Bitte!

Fotografieren im Museum, Ja oder Nein? Vielfach diskutiert von der New York Times bis zum Diskussionsforum der Amerikanischen Museum Association Museum-L listserv. In der Praxis hat sich bisher wenig geaendert.
Waehrend Museen mit vornehmlich interaktiven Ausstellungsstuecken wie z.B. Kinder- und Wissenschaftsmuseen locker mit Privataufnahmen im Ausstellungsraum umgehen, verfolgen insbesondere Kunstmuseen die strenge Ausfuehrung der "Zero-Picture-Policy". Die Gruende sind durchaus nachzuvollziehen.
Fuenf Gruende warum das Fotografieren in den meisten amerikanischen (und deutschen) Museen immer noch verboten ist:

1. Schutz des geistigen Eigentums
Museen sind durch verschiedenste Vertraege und das Gesetz, zum Schutz des geistigen Eigentums von Kuenstlern und Kreativen verpflichtet. Oftmals ist es einfacher, eine fuer alle Ausstellungsstuecke restriktive Regel zu vertreten.

2. Konservierung
Blitzlicht beschaedigt die Kunstwerke. Kuratoren argumentieren, dass eine hellere Beleuchtung, die Fotos ohne Blitzlicht ermoeglicht, den Kunstwerken auf Dauer ebenfalls schadet.

3. Einnahmen
Wenn die Besucher ihre eigenen Aufnahmen machen, kauft dann noch einer die Kataloge und Postkarten im Museumsshop?

4. Aesthetik
Fotografieren kann andere Besucher stoeren insbesondere Gruppenaufnahmen oder unangemessene Gesten (in der Antikensammlung).

5. Sicherheit
Mit Fotoapparat und Videokamera laesst sich ein Museum herrlich ausspionieren.

Nina Simon, die den fantastischen Blog Museum 2.0 schreibt, fuehrt in einem kuerzlich veroeffentlichten Artikel fuenf Grunde an, warum das Fotografieren in Museen gestattet sein sollte:

1. Besuchern Moeglichkeiten bieten
Solange die Sicherheit von Kunst oder Besuchern nicht gefaehrdet ist und kein illegales Verhalten ermutigt wird, sollten Museen Besuchern bekannte und bequeme Moeglichkeiten bieten, sich mit Kunst vertraut zu machen.

2. Teilnahme im Leitbild verankern
Wie kann sich ein Besucher als "Teilhaber" eines Museums fuehlen, wenn er als erstes gefragt wird, seine Kamera (Handy) wieder einzustecken?

3. Erinnerungen schaffen
Studien zeigen, dass persoenliche audio und visuelle Aufnahmen helfen, Erlebnisse
und Inhalte besser zu erinnern.

4. Persoenliche Erinnerungen
Mutti zu Fuessen der Nike - Wer eine meisterhafte Aufnahme der Skulptur will, wird diese immer noch im Museumsshop kaufen.

5. Bilder veroeffentlichen
Ist es tatsaechlich so schlimm, wenn jemand seine Fotos aus dem Museum auf flickr einstellt? Ist das nicht die Form von authentischem Maketing, die sich jeder Kulturmanager wuenscht? Und wie wiegt man den etwaigen Verlust von Postkartenverkaeufen gegen die durch flickr Fotos gewonnene Kunden auf?

Mir scheint eine grosszuegige Fotoregelung wegweisend fuer eine besucherorientierte Institution und aktive Besucherteilnahme. Was sagen Sie dazu?

Freitag, 13. November 2009

Statistik

Amerikanische Kulturinstitutionen versuchen alles: Twitter, Facebook, YouTube und mehr. Der Grund: Millionen Menschen sind schon dort.

- 4/5 aller US-Amerikaner sind in digitalen sozialen Netzwerken aktiv
- Facebook ist mit 250 Millionen Nutzern das viertgroesste Land der Welt
- dessen "Bewohner" 4 Milliarden Minuten am Tag auf Facebook verbringen
- 50% aller Facebook Nutzer checken ihren Status mindestens einmal am Tag
- 30% aller Facebook Nutzer sind in den USA

Internet-Nutzer
- Kreative (24%) erstellen und veroeffentlichen von Informationen
- Kritiker bewerten und rezensieren von Inhalten
- Sammler tagging und organisation z.B. von links und gruppen
- Mitmacher(50%) Mitglied in sozialen Netzwerken
- Beobachter lesen Blogs, gucken videos
- Inaktive (18%) keine Teilnahme

Teenager lieben Facebook und SMS. Die Zahl der 18-24 bei Twitter steigt, seitdem amerikanische Starts wie Britney Spears, Ashton Kutcher und Miley Cyrus das Tweeden fuer sich entdeckt haben.

- Facebooks Nutzer sind meist weiblich und ueber 35
- Twitters ca. 30 Millionen Nutzer sind zumeist maennlich
- MySpace hat eine junge Zielgruppe von Tweens
- LinkedIn wird hauptsaechlich als Business Netzwerk genutzt
- Second Life hat ein wenig von seinem Glanz verloren und die Nutzerzahl sinkt

Welches ist Ihre Zielgruppe? Haben Sie das ideale Netzwerk gefunden?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Kulturpolitik: Die Zukunft der Kulturinstitutionen

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, September 2009
Im Juni veröffentlichte der National Endowment for the Arts eine Studie, die belegt, dass Kulturbesuche seit 1982, dem Jahr der ersten Untersuchung, kontinuierlich in allen Sparten (Jazz, Klassische Musik, Oper, Musicals, Theater, Ballett) um bis zu 31% abnahmen. Diese alarmierenden Zahlen entfachten in den USA einmal mehr die Debatte über die Relevanz von Kulturinstitutionen. Dass die Angebote der Kulturinstitutionen nur von einem geringen Teil der Bevölkerung genutzt werden und trotz Steuerbefreiung Eintrittsgelder verlangt werden, heizt die Debatte um die steuerliche Bevorzugung von Kulturinstitutitonen weiter an. Kulturmanager müssen sich nicht nur vermehrt in der Öffentlichkeit rechtfertigen, sondern sich ebenfalls kritischen Fragen von Seiten der Politiker stellen.
Rückenstärkung kommt aber doch zumindest für amerikanische Orchester aus dem Bereich der Lobbyisten in Washington, von denen 95% überzeugt sind, dass Orchester Qualität und „excellence“ für die Gesellschaft bedeuten. Popkultur und Konsum bestimmen den amerikanischen Alltag und Orchester und alle anderen Kulturinstitutionen können durch ihr Angebot dazu einen Ausgleich schaffen. In Zukunft müssen sich amerikanische Kulturinstitutionen verstärkt im Bereich Bildung für alle Altersklassen und alle sozialen Schichten engagieren, um relevant zu bleiben und Qualität zu sichern. Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus und sollten Kulturinstitutionen aktiv an der Zukunftsplanung teilnehmen? Kulturinstitutionen stehen vor der Herausforderung nicht nur ihr oftmals in der Europäischen Kulturtradition wurzelndes Produkt für einen zunehmend multi-kulturellen amerikanischen Markt zu erneuern sondern darüber hinaus auch mit einem grossen Teil der Bevölkerung Austauschbeziehungen zu entwickeln. Finanzielle Transparenz schaffen, künstlerische Qualität anbieten und durch kulturelle Bildung Investitionen in die Gesellschaft tätigen – dies sind nur einige der Herausforderungen von Kulturinstitutionen. Schnelles Handeln ist gefordert und möglicherweise werden am Ende des Prozesses Kulturinstitutionen in veränderter Organisationform und mit neuer Mission stehen.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Der stille Kurator

ist in diesem Herbst die Rezession.
Vergeblich wird der Museumsbesucher nach sogennanten Blockbustern suchen. Ausstellungen, fuer die sich die Besucherschlangen um den Haeuserblock winden. Die erste Blockbuster Ausstellung fand 1976 im Metropolitan Museum of Art statt. "King Tut" zog mehr als 8 Millionen Besucher an. Heute planen viele Museen mindestens eine Blockbuster Ausstellung im Jahr. Monet, Picasso und immer wieder King Tut. Das zieht die Massen an und man hofft, neue Freunde fuer's Museum zu gewinnen.
Blockbuster sind in der Regel mit ausserordentlich grossen Kosten verbunden. Transport, Sicherheit und Marketing sind einige der Kosten die anfallen, bevor der erste Besucher die Ausstellunbg ueberhaupt betritt. In grossen Haeusern sind es sechs oder siebenstellige Summen die verauslagt werden, bevor eine Eintrittskarte verkauft wird.
Museen, wie alle anderen Kulturinstitutionen, sehen einen Rueckgang in Spenden von Stiftungen und Privatpersonen, Sponsoren sowie dem Schwund von Stiftungskapital. Entlassungen, kuerzere Oeffnungszeiten und Verlaengerung der Ausstellungen sind allerorts zu beobachten. Da bleibt kein Geld fuer die kostspielige Anschubfinanzierung von Blockbustern.
Was also tun? Die Antwort liegt im eigenen Haus. Jacqueline Trescott von der Washington Post beobachtete, wie Kuratoren in ganz Washington in ihre Depots stiegen, um ihre Schaetze zu sichten. Hochkaraetige Meistersuecke kommen da zum Vorschein und werden den Besuchern in neuem Glanz praesentiert. "Die Dauerausstellung zur Sonderausstellung machen, strebt doch jeder heimlich an", sagt Earl "Rusty" Powell III, Direktor der Nationall Gallery.
Auch andernorts wird wird zusammengestueckelt. Das Metropolitan Museum of Art leiht sich Vermeers "Milchmaedchen" und praesentiert es mit fuenf eigenen Vermeers. Das Art Insitute of Chicago leiht sich Caravaggios "Abendmahl in Emmaus" und paart es mit anderen Bildern aus dem Umkreis des Kuenstlers.
Brent Glass, Direktor des National Museum of American History gibt zu, fuer die geplante Ausstellung ueber Amerikas Wirtschaft bisher keinen Sponsor gefunden zu haben: "Wir planen weiter, aber muessen die Ausstellung eventuell in mehreren Phasen zeigen. Aufgeben tun wir nicht."
Knappheit fuehrt zu groesserer Kreativitaet. Das ist Kuenstlern und Kuratoren bekannt. Die Rezession wird eine Vielzahl von neuen und ungewoehnlichen Partnerschaften bedingen. Der National Portrait Gallery, sagt Chefkurator Frank Goodyear, wurden einige Aufnahmen von beruehmten Nachrichtensprechern fuer den Audioguide zur Verfuegung gestellt. "Die verlangen dafuer keinen Pfenning."

Montag, 28. September 2009

Kulturmanagement Jobboersen in den USA

Diese Woche erreichte mich eine Anfrage aus Kaiserslautern:
"Wie finde ich Kulturmanagement Jobs in den USA?"

Hier meine Antwort in Kuerze:
Die besten Jobboersen findet man auf den Seiten der Berufsverbaende z.B. American Museum Association, Opera America, League of American Orchestras. Das fuehrende Medium fuer Development (Fundraising) Jobs ist The Chronicle of Philanthropy. Aber auch Higher Education Jobs bietet eine gute Uebersicht.
Auf der Suche nach Kulturmanagement grundsaetzlich nach "arts administration" oder "arts management" suchen.
Im allgemeinen listen die meisten Organisationen ihre offenen Stellen auf ihrer Website unter "opportunities" oftmals in der Rubrik "about".

Also, viel Glueck und gerne beantworte ich weitere Fragen!

Mittwoch, 23. September 2009

Arts Organizations Going Green

Das Britische Kulturmanagement Magazin ArtsProfessional widmet den Titel seiner aktuellen Ausgabe dem Thema "Arts and Climate Change". In mehreren Artikeln wird die Rolle von Kulturinstitutionen als Konsumenten, Vorbild und Katalysator zum Thema Umweltschutz diskutiert. Lesen Sie in dieser Ausgabe meinen Bericht aus der US-Kulturmanagement Praxis "Going green" und welche Kulturinstitutionen den Oeko-Trend anfuehren. http://www.artsprofessional.co.uk/magazine/view.cfm?id=4634&issue=202 (freier Zugang fuer registrierte Leser inkl. kostenlosem Mini-Abo)

Montag, 14. September 2009

Hollywood feiert das Ehrenamt

61,8 Millionen US-Amerikaner (26.4% aller Erwachsenen) ueben eine gemeinnuetzige Taetigkeit aus. Praesident Obama nutzte die Begeisterung bei seinem Amtsantritt im Januar, um die Themen seiner Agenda darunter das Ehrenamt zu promoten. Jetzt kommt ein maechtiger Partner aus Hollywood zu Hilfe.
Vom 19. Oktober an wird die amerikanische Unterhaltungsindustrie das Ehrenmant, die freiwillige Mitarbeit an gemeinnuetzigen Zwecken, eine Woche landesweit auf dem Bildschirm ehren. Mit dem Ziel mehr Menschen fuer das Ehrenamt zu begeistern, widmen ueber 60 Sender dem Thema ihre Sendezeit in den unterschiedlichsten Formaten: Morgennachrichten, Seifenopern, Krankenhaus und Polizei Dramen, Komoedien, Reality TV und Talk Shows. Selbst die Verzweifelten Hausfrauen aus der Wisteria Lane werden auf den Plan gerufen und gruenden eine Nachbarschafts Selbsthilfegruppe, Motto "Hier wird aufgepasst".
Die Geschichten sind entweder in die Serien hineingeschrieben und die Charaktere arbeiten fuer existierende oder fiktive Organisationen oder es werden in den Talkshows und Nachrichten verschiedenste Menschen und ihre Mitarbeit portraitiert. In einer sogenannten "tagline" die dem Abspann folgt, werden Schauspieler zum Ehrenamt aufrufen. Das "tagging for causes", der Aufruf am Ende einer Sendung, wurde bereits im letzten Jahr zum Thema Umweltschutz erfolgreich in in Szene gesetzt. (Hier ist ein Zusammenschnitt von promo spots mit den Stars von "Gossip Girl" http://www.youtube.com/watch?v=ld4iVZAVsqc).
Die Initiative, die unter dem Titel "I Participate" laeuft, wurde von Hollywoods groesster gemeinnuetziger Organisation der Entertainment Industry Foundation ins Leben gerufen. Mit einem Vorstand aus Film, Fernsehen, Agenturen und Gewerkschaften sind hier Hollywoods Maechtigste am Werk. Hollywood als US-Amerikas groesstes Exportgut wird international rezipiert. Werden wir villeicht demnaechst Mutter Beimer, Stefan Raab, Lena Odenthal und Guenther Jauch bei Fuehrungen im Museum, Essensausgaben bei der "Tafel" oder Vorlesen fuer Kinder im Krankenhaus zusehen? Wuerde das unser Bild vom Ehrenamt, das in Deutschland oftmals als verstaubt und Beschaeftigung fuer Senioren gesehen wird, aufwerten?

Montag, 7. September 2009

Oper sucht den Superstar

Sind Sie auch auf der Suche nach neuem Publikum fuer die Oper? Hier ist eine Idee aus Cincinnati:
Die Cincinnati Opera gab puenktlich zum Festival Auftakt im Juni die Suche nach dem "Opera Idol™" bekannt (in Anlehnung an die amerikanische TV-Talentshow "American Idol", Titel dieses Eintrags in Anlehnung an die deutsche Ausgabe "Deutschland sucht den Superstar"). Jeder, der sein Operntalent unter Beweis stellen wollte, war eingeladen, vor Juroren der Oper, dem Opernstudio der Hochschule und Musikkritikern vorzusingen. 160 Personen jeglichen Alters mit und ohne Gesangsschulung folgten dem Aufruf. Auf die Buehne kam alles was unterhaelt "Billie Jean" als Arie, patriotische Lieder und Wagner in feinstem Deutsch. Die 2.719 Sitze eines Musical Theaters waren fuer das Halbfinale restlos ausverkauft. Das Publikum bestimmte 6 Finalisten aus deren Mitte ueber 10.000 Internet Waehler die Siegerin kuerten. Margeret Russo, Mutter aus einem Vorort von Cincinnati und Texterin eines Marketing Bueros, freut sich ueber einen bezahlten Gast-Auftritt in der naechsten Saison. Eine Kostprobe gab's schon in diesem Jahr als die Saengerin vor dem Saison Finale im ausverkauften Konzersaal eine Arie anstimmen durfte. Das ueberraschte Publikum freute sich mit der Saengerin. Ein bisschen "Paul Pott Romantik", viel lokale und nationale Presse, eine ausverkauftes Haus und tausende Fans zauberten auch ein Laecheln auf die Gesichter der Veranstaler.

Trend Watch Internet-Spenden

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Juli 2009
Während Kulturinstitutionen aller Disziplinen einen allgemeinen Rückgang an Spenden verzeichnen, hält ein Trend weiterhin stark an: Spendeneinnahmen über das Internet. Der Gesamtanteil von Internet-Spenden am Spendenvolumen liegt weiterhin unter 10%. Doch einer Studie des „Chronicle of Philanthropie“ zufolge ist das Volumen der Internet-Spenden im vergangenen Jahr um 28% gestiegen, bei social-profit (dieser Begriff ersetzt im folgenden den Begriff non-profit) Kulturinstitutionen sogar um weitaus mehr.
In der Praxis haben sich folgende Massnahmen beim Einwerben von Internet-Spenden als erfolgreich erwiesen:
Setzen von Deadlines in E-Mail Spendenaufrufen
Fragen nach kleinen Summen
Kombination von SMS und E-Mail Spendenaufrufen
Sponsoren senden einen Spendenaufruf an ihre eigenen Datenbank
Multimedia-Kampagnen: Soziale Netzwerke, Video, E-Mail und SMS
Obwohl alle Altersgruppen im Internet präsent sind, ist der durchschnittliche Internet-Spender relativ jung. Aus diesem Grund sind Spendenkampagnen, die diese Zielgruppe durch eine Kombination von Aufrufen durch „Neue Medien“ ansprechen besonders erfolgreich. Der neueste Fundraising Trend in den USA ist das Spenden übers Handy. Diese Methode wurde erstmals auf einer Sportveranstaltung (Superbowl) im Februar 2008 vorgestellt. Nach gut einem Jahr hat sich die Idee durchgesetzt und wird von Kulturinstitutionen aller Art mit stetig zunehmendem Erfolg sowohl bei Kunden als auch bei durch Permission-Marketing generierten Kontakten eingesetzt.
In Bezug auf das Spenden übers Handy hat man in Deutschland übrigens schon länger Erfahrung gesammelt: Der erste überaus erfolgreiche Massen-Spendenaufruf mit der Bitte via SMS zu spenden, fand in Deutschland 2004 zugunsten der Tsunami-Opfer statt.