Dienstag, 21. Juli 2009

Ehrenamt in der Wirtschaftskrise

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, April 2009
Kulturinstitutionen in den USA verzeichnen in diesen Tagen einen raschen Anstieg von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die grosse Mehrheit sind ehemalige Berufstätige, die ihre Arbeit vor kurzem verloren haben und die Arbeitslosigkeit sinnvoll überbrücken wollen.
Die Motive für eine ehrenamtliche Mitarbeit in dieser Situation sind das Füllen einer Lücke im Lebenslauf, das Finden einer dankbaren Beschäftigung und das Einbringen und Weiterentwickeln der professionellen Fähigkeiten.
Kulturinstitutionen, die in den letzten Monaten den durch die Wirtschaftskrise bedingten allgemeinen Rückgang von Corporate Volunteering beklagten, haben jetzt Zugriff auf neue Arbeitskräfte. Diese gleichen auch den Verlust von langjährigen Ehrenamtlichen aus, die sich ebenfalls aufgrund der wirtschaftlichen Situation von Unternehmen stärker am Arbeitsplatz engagieren müssen und weniger Zeit für das Ehrenamt aufbringen können.
Kulturinstitutionen, die es verstehen, Bedarfe im eigenen Betrieb zu identifizieren, können aus einem Überangebot von ehrenamtlichen „Arbeitskräften“ aus allen Berufsparten wählen.
Als Gegenleistung kann durchaus die Gelegenheit der sozialen und professionellen Vernetzung der ehrenamtlichen Mitarbeiter untereinander sowie mit dem Betrieb gesehen werden. Auch das Einbringen von professionellen Fähigkeiten in einem anderen Arbeitsumfeld kann als Form beruflicher Fortbildung betrachtet werden .
Im Internet wurden schnell verschiedene Plattformen für Ehrenamtliche Helfer gegründet. „We’ve Got Time to Help“ ist ein blog aus Portland (Bundesstaat Oregon), der den Fortschritt von ehrenamtlichen Nachbarschaftsprojekten beschreibt. Seit neuestem konkurrieren ehrenamtliche Arbeitsangebote mit Kleinanzeigen auf der Internetanzeigenseite „Craigslist“ und im populärsten sozialen Netzwerk der Welt „Facebook“ treffen sich täglich Angebot und Nachfrage.
Keiner kann voraussagen wie lange dieser unvermutete Andrang von ehrenamtlichen Mitarbeitern anhält. Die Vermutung liegt nahe, dass sobald der wirtschaftliche Aufschwung einsetzt, die Arbeitskraft wieder in den professionellen Bereich über geht. In der Zwischenzeit ergibt sich für Kulturinstitutionen die einmalige Möglichkeit, Aufgaben und Projekte mit unbezahlter aber geschulter Arbeitskraft voran zu treiben und gleichzeitig ein anhaltendes Bewusstsein für den Betrieb und die Bedürfnisse von Kulturinstitutionen zu schaffen.
„Als ich noch Arbeit hatte, war es einfacher, finanzielle Unterstützung zu geben. Jetzt ist es einfacher, meine Zeit zu spenden“ (Herr Broughton, ehemals Neigborhood Community Bank). Die Institution, die es versteht, die Zeit dieser Arbeitssuchenden sinnvoll auszufüllen und ihr Talent zu nutzen, wird einen grossen Vorteil haben, wenn diese Personen wieder finanzielle Unterstützung geben können.

Freitag, 12. Juni 2009

Nonprofit vs. Social Profit

Als Ergebnis von neuen Technologien, Generationswandel und oekonomischen Unterschieden, sich veraendernden demographische Faktoren, zunehmender kultureller Vielfalt in Staedten der USA, dem Trend zum Anti-Intellektualismus, zunehmender Konkurrenz um die Freizeit von Menschen, Kuerzungen im Bildungswesen, abnehmender Berichterstattung ueber Kultur in Zeitungen und vielen anderen Faktoren, findet ein grundsaetzlicher Wandel in den Wechselbeziehungen von Menschen, Raum, Zeit, Kultur, Lebensarten, Konsum und Kommunikation statt. Dies alles bedingt einen Kulturwandel dem Kulturinstitutionen sich anpassen muessen, um relevant zu bleiben. In diesem Sinne muss ein Wandel im Selbstverstaendnis von Kulturinstitutionen stattfinden.
In diesem Zusammenhang ist auch die Betrachtung des Begriffs "Nonprofit" interessant, der im wirtschaftlichen Sinne meint, dass eine Nonprofit Organisation keine finanziellen Gewinne an die Teilhaber abwirft. Der Begriff reduziert den Zweck von Nonprofit Organisationen auf einen finanziellen. Stattdessen sollte der gemeinnuetzige Zweck, den diese Organisationen fuer die Gesellschaft leisten bereits in der Organisationsform benannt sein: Social Profit Organisation. Dieser Begriff erinnert zugleich daran, dass Kulturorganisation in einem sozialen und kulturellen Kontext existieren. Aendert sich dieser Kontext, ist auch ein Wechsel fuer die Kulturinstitutionen unabdingbar.

Sonntag, 10. Mai 2009

Kulturmarketing in Zeiten der Rezession

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Februar 2009
Die Wirtschaft der USA steckt tief in der Rezession und Kulturinstitutionen sind nicht nur direkt in den drei dominierenden Einnahmebereichen durch größere Zurückhaltung der Besucher bei Ausgaben, deutlich geringere Erträge aus Stiftungskapital und weniger Spenden betroffen, sondern auch durch den Ausfall von Ehrenamtlichen Mitarbeitern, die durch Corporate Volunteering Programme von Firmen unterstützt wurden.
Der in Zeiten der Rezession propagierte Rückzug auf Kernkompetenzen bedingt auch für Kulturinstitutionen den Fokus auf Kommunikation mit Kernzielgruppen: Abonnenten, regelmässige Besucher, langjährige Spender und Sponsoren. Dies kann durchaus als Chance verstanden werden. Werbeplätze und –zeiten sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr, insbesondere nachdem Werbepreise im Herbst zunächst durch die Präsidentschaftskampagnen und dann durch das Weihnachtsgeschäft vielerorts in unbekannte Höhen gestiegen waren. Präsident Obama’s beispielhafte Medienkampagne trieb Werbepreise derart in die Höhe, dass selbst grosse Konzerne dazu veranlasst waren, Werbekampagnen zu verzögern. Im neuen Jahr stellt sich die Situation ganz anders dar und Werbeflächen bleiben vielerorts leer. Jetzt bietet sich die Gelegenheit günstig zu kaufen und neue Kommunikationsmittel und –wege zu testen. Im Idealfall haben diese neuen Ansätze beim nächsten Konjunkturaufschwung die Testphase durchlaufen und können so im Rahmen eines optimierten Marketingprozesses voll eingesetzt und genutzt werden.
Kulturprodukte haben in dieser Zeit gegenüber anderen Artikeln einen grossen Vorteil. Konsumenten kaufen in Zeiten der Rezession Produkte, von denen sie sich einen nachhaltigen Wert versprechen, der über den unmittelbaren Konsum hinaus geht. Und das ist ein Wert, welcher der allgemeinen Auffassung nach Kulturprodukten inhärent ist. Wer es versteht, dies erfolgreich zu kommunizieren, wird in der Lage sein, den negativen Einfluss von zurückgehenden Besucherzahlen und Spenden deutlich zu verringern und sich darüber hinaus für den in der Zukunft erhofften Konjukturaufschwung gut zu positionieren.

Freitag, 1. Mai 2009

Cross Generational Communication

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Dezember 2008
Seit einigen Jahren arbeiten vier Generationen gemeinsam an Amerikas Arbeitsplätzen: die sogenannten Traditionalists, Baby Boomers, Generation X und Generation Y. Dieser Mix von Generationen im Berufsleben hat viele Fragen insbesondere in den Bereichen Führung und Kommunikation aufgeworfen.
Sowohl die National Performing Arts Association als auch die American Museum Association widmeten dem Thema „Cross Generational Communication“ während ihrer 2008 Konferenzen diverse Vorträge, Seminare und Workshops. Die Vertiefung des Themas wird in einer Phase aufgegriffen, in der ein Grossteil der amerikanischen Kulturinstitutionen vor einem Führungswechsel steht. In diesem Jahr gehen die ersten Baby Boomers in Rente und an ihre Stelle wird die zahlenmässig schwächere Generation X treten.
Zunächst einmal geht es darum Generationsunterschiede zu erkennen und benennen und Kulturmanager-Nachwuchs zu fördern. Die Kulturmanager stimmen überein, dass allgemein zu wenig für die Förderung der Nachwuchs-Führungskräfte getan wird. Während der Konferenzen wurden folgende Empfehlungen diskutiert:
- Investitionen in jüngere Führungskräfte und die Wertschätzung ihrer neuen Ideen
- Entwicklung von Strategien zur Einbindung von Führungskräften verschiedener kultureller und ethnischer Herkunft, die das aktuelle Gesellschaftsbild reflektieren
- Möglichkeiten schaffen, die das Aussteigen aus dem Berufsleben für die Baby Boommers Generation vereinfachen
- Förderung der Kommunikation unter den Generationen
- Aufbrechen stark hierarchischer Organisationsformen und die Entwicklung hin zu demokratischen Organisationsformen
- Arbeitsplätze schaffen, die Zeit für Familienleben lassen
Um die Kulturinstiutionen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, ist die Weiterentwicklung und Ausgestaltung dieser Empfehlungen essentiell. Während die Umsetzung dieser Empfehlung zu grossen Teilen in den Händen des Managements liegt, ist die Kommunikation der Generationen untereinander eine Herausforderung für alle Mitarbeiter und wurde entsprechend intensiv diskutiert. Über den sehr offensichtlichen Unterschied im Umgang mit elektronischen Medien und elektronischer Kommunikation hinaus, gibt es weitere durch Erziehung und Zeitgeschehen generationsbedingte Unterschiede insbesondere in den Bereichen Teamarbeit, Sprache, Umgang mit Konflikten und Respekt von Autorität.
Bei allen Unterschieden und Herausforderungen des Generationen-Mixes: Es verbindet die grundsätzliche Motivation und Leidenschaft, Advokaten der Kultur zu sein und die Kultur mit Anderen teilen zu wollen.

Sonntag, 26. April 2009

Umweltschutz - Going Green

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, September 2008
Während der Benzinpreis sich für die Verbraucher in den Vereinigten Staaten innerhalb des letzten Jahres verdoppelt hat, erreichte die Diskussion zum Thema Umweltschutz bisher unbekannte Dimensionen. Unter den Titeln "Green", "Sustainable", "Eco-friendly" werden Strategien zum Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften mit Resourcen auf breiterer Basis diskutiert als je zuvor. Diese "grüne" Welle hat auch die Kulturinstitionen erreicht.
Die Zeitschrift fuer die Nonprofit Welt "Chronicle of Philanthropy" widmete dem Thema im Juni den Titel "Going Green". Vorgestellt wurden Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, Recycling von Büromaterial, die benzinsparende Fahrt zur Arbeit und die umweltverträgliche Instandhaltung von Gebäuden und Anlagen. Unter Managementaspekten wurde die Einbindung und Motivation der Mitarbeiter zu diesen Projekten erörtert.
Mitglieder der American Museum Association gründeten im Mai das Professional Interest Committee Green, die erste Neugründung in den letzten zehn Jahren. Die Arbeitsgruppe unterstützt durch Dialog, Datenaustausch, Fallstudien und Netzwerke "Grüne Initiativen" mit dem Ziel Umweltbewusstsein nachhaltig in der Organisationsentwicklung von Museen zu verankern.
Amerikanische Kulturinstitutionen sind auch beim Thema Umweltschutz projektbezogen auf staatliche Förderungen, die sogenannten "grants", und Förderungen durch Stiftungen angewiesen. Während die Informationsmöglichkeiten und Interessensgruppen zum Thema Umweltschutz täglich wachsen, sind die finanziellen Resourcen für Kulturinstitutionen zur Umsetzung von umweltfreundlichen Konzepten derzeit noch begrenzt. Da das Thema des Umweltschutzes auf Regierungsebene und in allen Bevölkerungsschichten intensiv diskutiert wird, kann damit gerechnet werden, dass auch die für Kulturinstitutionen zugänglichen finanziellen Mittel für diesen Bereich bald deutlich wachsen werden.
Im Alltag ist Mülltrennung ist in vielen amerikanischen Gemeinden noch keine Option und auch Regentonnen sind zum Beispiel weitgehend unbekannt. Umweltschutz ist in Deutschland, dem Land der staatlich subventionierten Solarzellen, der Abgasuntersuchung von Autos und der mehrfachen Mülltrennung weit fortgeschritten - eine gute Möglichkeit für deutsche Kulturschaffende sich mit amerikanischen Kollegen auszutauschen und erfolgreiche Konzepte aus Deutschland vorzustellen.

Social Networking

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Juli 2008
Viele amerikanische Kulturinstitutionen suchen die Begegnung mit jungen Menschen dort, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen – im Internet. Soziale Netzwerke bieten Privatpersonen und Organisationen Möglichkeiten, kostenlos Profile ins Internet zu stellen. YouTube, MySpace und Facebook sind beliebte Plattformen, auf denen kurze Videoclips, Podcasts und Informationen zu Institutionen und Events aufgeführt werden können. Im Unterschied zu herkömmlichen Internet-Seiten sind diese Seiten durch eine Vielzahl von speziellen Anwendungen interaktiv, wie etwa durch Live-Chat, E-mails, Videos, das Austauschen und Ergänzen von Dateien ("file sharing"), blogging und Diskussionsgruppen. Freunde und Fans werden automatisch über updates auf der Seite informiert. Unzählige Anwendungen und Designelemente, meist bereits in die jeweilige Plattform integriert und wiederum kostenlos zur Verfügung gestellt, ermöglichen eine individuelle Gestaltung des Profils.
Kulturinstitutionen können hier Inhalte einer Zielgruppe präsentieren, die sonst kaum über klassische Werbemaßnahmen zu erreichen ist. Auf den vorgestalteten Seiten können in einfachem technischen Rahmen Programm-Mitschnitte audio-visuell präsentiert werden, Diskussionsforen zu besonderen Themen eingerichtet und Feedback gesammelt werden. Das Ziel ist eine Gemeinschaft, die das Interesse an der Institution oder dem Programm verbindet, zu vernetzen. Dies kann eine durchaus gewünschte Eigendynamik entwickeln. Die Besorgnis vieler Kulturschaffender, dass Inhalte durch fremde Beiträge manipuliert und ein gewünschtes Diskussionsniveau nicht gehalten werden kann, hat sich bisher wenig bestätigt.Vielmehr bietet ein Forum die Möglichkeit für Interessierte, sich untereinander und mit der Kulturinstitution über ein Thema auszutauschen – und zwar weltweit.
Viele Institutionen, die unter Kostendruck stehen oder wenig Personal haben, engagieren Studenten, um die Websites der Institutionen in den jeweiligen Internet-Plattformen einzurichten, zu gestalten, zu pflegen und in enger Absprache mit den Mitarbeitern der Institution, weiter zu entwickeln. Eben Studenten waren die ursprüngliche Zielgruppe der Social Networking Sites und sie sind es auch, die häufig schon viel Erfahrung bezüglich der Gestaltung der Websites mitbringen, um diese fuer virtuelle Besucher – nicht nur jüngeren Alters – interessant zu machen.
Dass Kulturinstitutionen diesen Trend durchaus anführen können, zeigt die im Rahmen des 2008 MUSE Awards preisgekrönte Facebook Anwendung ArtShare, die von Mitarbeitern des Brooklyn Museum entworfen wurde.

Neuigkeiten zum Thema Soziale Netzwerke:
http://philanthropy.com/news/conference/9340/why-social-media-shouldnt-be-a-department

Internet-Spenden

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Mai 2008
Während die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten bis zu 75% der Spenden für ihre Kampagnen über das Internet einwerben, liegt der durchschnittliche Anteil von Internet-Spenden am gesamten Spendenvolumen der Non-Profit Organisationen in den USA bei ca. 6%.
Für Kulturinstitutionen sind Internet-Spenden immer noch ein neues Feld, für das sich bisher noch keine "Best Practices" etabliert haben. Aus der Trendforschung lassen sich folgende Tendenzen ableiten:
Ein Zehntel aller Spender in den USA gibt über das Internet, dabei handelt es sich im Wesentlichen um junge, besser verdienende Menschen.
Zwei Drittel aller Internet-Spenden betragen weniger als $100
"Bequemlichkeit" ist der Grund, warum Spender den Weg über das Internet-Portal der Non-Profit Organisation suchen.
Ein Fünftel der Spender gibt an, als Reaktion auf eine Spendenaktion der Non-Profit Organisation zu handeln.
Die Gründe, nicht über das Internet zu spenden, lauten:
- Kein Internet-Zugang
- Die Organisation stellt keine Informationen zu Internet-Spenden bereit.
- Sicherheits-Bedenken.
Das Internet-Spendenportal ist eine kostengünstige Alternative, Kleinspenden einzuwerben. Wichtig ist, die Integration der Internet-Spenden in die allgemeine Fundraising- und Marketing-Strategie. Die Spender sollten bei jedem einzelnen Schritt der online-Transaktion an den Verwendungszweck der Spende erinnert werden; die junge Zielgruppe ist mit anderen Botschaften als der durchschnittliche, ältere Kulturnutzer und –spender zu erreichen.