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Montag, 22. Juli 2013

Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb

Wer leistet eigentlich den größten Beitrag zur Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb? Die Marketingabteilung, die Educationabteilung mit den pädagogischen Programmen oder das Orchester?
Es sind tatsächlich die Musiker, aber nicht in ihrer Funktion als Orchester. Eine in den USA durchgeführte Studie über Konsumenten klassischer Musik ergab, dass 74% ein Instrument erlernt oder in einem Chor mitgesungen hatten. Es sind also die Musiker, die ihre Instrumente auch unterrichten, die maßgeblich an der Entwicklung zukünftigen Publikums mitwirken.

Dieselbe Studie zeigte auf, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Kinderprogramme, insbesondere Konzertformate für Schüler, aus den Teilnehmern später Kartenkäufer machen.
Beim Cincinnati Symphony Orchstra ist das Audience Development (Publikumsentwicklung) entsprechend der Zielgruppen auf mehrere Abteilungen verteilt. Die Programme für potentielle zahlende Kunden mit dem Fokus auf geselligen, musikalischen Begegnungen (Studenten, Berufsanfänger, Schwule/Lesben/Trans- und Bisexuelle) werden von der Marketingabteilung betreut. Die primär pädagogischen Familien- und Schulprogramme werden vom Team Community Learning betreut. Darüber hinaus gibt es das Community Engagement, mit dem Ziel neue Partner für das Orchester zu gewinnen und Minderheiten für die Arbeit des Orchesters zu interessieren. Die Programme Community Learning und Engagement werden von der Community Engagement Abteilung betreut.

Zwei weitere interessante Erkenntnisse in Bezug auf die Publikumsentwicklung wurden in der Studie veröffentlicht:
Kostenlose Programme (Outreach) machen aus den Teilnehmern keine Ticketkäufer. Sie machen aus ihnen einfach nur Konsumenten weiterer freier Programme.

Traditionelle Maßnahmen zur Publikumsbildung wie etwa Konzerteinführungen, die sich insbesondere an neues Publikum wenden, werden doch nur von den erfahrensten und engagiertesten Besuchern wahrgenommen.
Ob es sich mit dem Publikumsverhalten in Deutschland wohl vollkommen anders verhält? Wer kennt vergleichbare Studien aus Deutschland?

Mittwoch, 14. September 2011

Publikumsbeteiligung im Bereich Tanz

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, August 2011

Auf der jährlichen Konferenz des Industrieverbands des Bereichs Tanz (Bühne) Dance/USA Mitte Juli in Chicago wurden die Ergebnisse einer Studie zum Thema Publikumsbeteiligung im Bereich Tanz vorgestellt:

- Die beim Publikum beliebteste Form der Beteiligung ist die Öffentliche Probe, bei der die Zuschauer Einblick in den kreativen Prozess gewinnen können.
- Die Nachfrage nach mehr Möglichkeiten für Publikumsbeteiligung ist groβ - sowohl nach pädagogischen Programmen als auch nach mehr Raum für soziale Begegnungen mit anderen Tanzliebhabern.
- Die Zuschauer sind an Einführungsveranstaltungen vor der Aufführung von den Künstlern interessiert, entweder live oder aufgezeichnet.
- Fast die Hälfte der Zuschauer ist an regelmäβigen Einführungsveranstaltungen auf der Bühne interessiert.
- Die gröβte Chance das Publikum nach dem Besuch zu beteiligen ist, die Zuschauer zu einer Diskussion über die Aufführung auf dem Heimweg anzuregen.

Interessanterweise stimmen diese Erkenntnisse mit den Ergebnissen verschiedener Studien aus dem Bereich Orchester überein. Das Tanzpublikum ist ebenfalls älter als der US- Durchschnittsbürger (wenn auch nicht ganz so alt wie das Publikum von Orchester und Oper) und 57% der Zuschauer tanzen selber (zum Vergleich: 73% des Orchesterpublikums haben einmal ein Instrument gespielt). 75% des Tanzpublikums sind an Begleitprogrammen interessiert, die zur „Bewegung“ animieren. Die Studie stellte unter den unter 35-jährigen darüber hinaus groβes Interesse fest, sich die Aufführungen digital auf mobilen Geräten anzusehen.

Jede langfristige Maβnahme zur Publikumsentwicklung im Bereich Bühne sollte daher aus ökonomischer Sicht über den Besuch hinaus Möglichkeiten zur aktiven und Medien-basierten Teilnahme beinhalten.