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Samstag, 6. August 2022

Die Rolle der Künstler:innen post-Covid: Momente, die wie Blitzeinschläge sind

Es ist Sommerpause - wer kann, reist in die Sonne, an die See oder auf einen grünen Hügel. Viele Musiker:innen sind jetzt für ihre Herzensprojekte unterwegs - mit Freund:innen gemeinsam bei  internationalen Festivals spielen. Freunde, Reisen, gute Musik und die lauen Sommernächte - was gibt es Schöneres?

In den letzten Monaten habe ich viel über die Bemühungen von Kulturmanager:innen international geschrieben, was wir während der Schließung und nach der Wiederöffnung der Säle machen sollen, um unter unsicheren Bedingungen einen neuen Kulturalltag zu gestalten. Die Perspektive der Künstler:innen, die insbesondere im Lockdown mit großer Kreativität neue Formate und Inhalte geschaffen haben, habe ich vernachlässigt. Dabei bin ich selbstverständlich der Meinung, dass erfolgreiches Kulturmanagement weiterhin nur in einem gemeinsamen Gestaltungsprozess von künstlerischem Personal und Verwaltung stattfinden kann. 

Jan Vogler, Leiter der Dresdner Musikfestspiele und des Moritzburg Festivals, hat zur Rolle der Künstler:innen post-Covid einen großartigen Denkanstoß am 5.8.2022 in der Sächsischen Zeitung gegeben: "Die Pandemie hat uns Künstler gequält - und wachgerüttelt. Denn wir hatten uns daran gewöhnt, klassische Musik perfekt zu spielen. Es geht aber nicht um den perfekten Abend. Der muss jedoch außergewöhnlich sein - wenigstens für Momente, die wie Blitzeinschläge sind. Um so zu überzeugen, brauchen wir Interpreten enorme Energie, Enthusiasmus und emotionales Engagement." 

Das sind genau die Schlagworte, die ich versucht habe, in den letzten Monaten, mit dem Marketing-Ansatz der Lovemarks herauszuarbeiten. Jan Voglers Aussage trifft genau die Publikumserwartung: Wir brauchen Blitzeinschläge, um die Couch-Lethargie zu überwinden. Bringen wir also gemeinsam ganz viele Gewitter auf den Weg!

Mittwoch, 25. Juni 2014

Abgesang auf die klassische Musik

Brünnhilde has packed her bags and moved to Boca Raton.”

In regelmäßigen Abständen wird in den amerikanischen Medien der endgültige Tod der klassischen Musik vorher gesagt. Diesmal war es das Slate Magazine, das eine kommentierte Datensammlung des rückläufigen klassischen Musikmarktes veröffentlichte:  „Requiem. Classical music in America is dead.“Das empörte Echo der Kulturschaffenden auf eine solchen Artikel ist jedes mal groß. Ausserhalb der Branche wird die Diskussion jedoch kaum wahrgenommen.

Zusammengefasst sind die uns Kulturmanagern bekannten Argumente aufgeführt: Operninszenierungen werden immer teurer, das Publikum ist alt und weiß (Amerika ist jung und bunt), Rückgang der Kulturerziehung, fortschreitende Technologisierung, das Problem der Konzertrituale usw. Wir haben es schon oft gehört. Die CD Verkäufe klassischer Musik haben sich nicht erholt, das auf Spenden basierende Geschäftsmodell der Orchester läuft nicht mehr, klassische Radiostationen gehen pleite, es gibt immer weniger Musikkritiker. Das Umfeld für einen florierenden (klassischen) Musikmarkt bricht weg.

Unter den vielen Reaktionen, die zu diesem Artikel geschrieben wurden und die alle eine Widerlegung der Fakten versuchen, welche sich ebenfalls von Mal zu Mal wiederholt, waren diesmal zwei  Reaktionen, die herausstanden:

Der New Yorker veröffentlichte als Antwort unter dem Titel „The Fat Lady Is Still Singing“ eine Zeitleiste, die beginnend im Jahr 1324 über die Jahrhunderte die Todesstöße der klassischen Musik auflistet. Mal sind Monteverdi oder Debussy, die neuen Instrumente wie die Violine oder das Klavier, neue Notationen, neue Technologien (Grammophone, CD, YouTube) und immer wieder das fehlende Geld am Untergang der klassischen Musik Schuld. Kaum zu glauben, dass es sie trotzdem noch gibt, die wieder und wieder totgesagte klassische Musik!

Die League of American Orchestras widmete dem Thema als Antwort auf den Slate Artikel eine gesamte Internetseite,  die die Frage „http://www.isclassicalmusicdead.com/“ ein für alle Mal beantworten soll. Dies ist mit Sicherheit die humorvollste Reaktion auf die besagte Krise. Schauen Sie mal rein!