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Donnerstag, 30. Juni 2022

Kulturmarketing: Wie wir jetzt den Übergang gestalten

"I feel like there is a growing trend on a local level toward 
valuing sense of welcome, especially post-Covid."
                                                                                                                                     Joe Patti

Seitdem die Covid-19 bezogenen Restriktionen im öffentlichen Leben schrittweise aufgehoben werden, stehen Kulturinstitutionen mit offenen Armen da, um die Besucher:innen wieder zu begrüßen. Aber statt, dass die Besucherströme vielerorts wieder fließen, plätschern sie so leise dahin. Die größte Konkurrenz für die Kultur scheint dieser Tage die Couch zu sein. Darin sind sich Kulturmanager:innen in den USA und Deutschland einig. Die amerikanischen Kulturmanager:innen Colleen Dilenschneider, Drew McManus und Joe Patti stellen in ihren Blogs unabhängig voneinander fest: Die Besucher:innen wollen aber wieder kommen!

Die Aufgabe für Kulturmanager:innen ist jetzt, den Übergang für das Publikum von der Couch in den Kulturbetrieb zu gestalten. Und nach meinem Eindruck muss grundlegende Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bei vielen Kulturteilnehmer:innen scheint sich ein Gefühl eingeschlichen zu haben, bzw. in den letzten beiden Jahren ein Verhalten gefestigt zu haben, dass es mit den digitalen Angeboten ja auch ganz ok war. Das betrifft nicht die Abonennt:innen, die sich nach zwei Jahren Covid-19 im Foyer in die Arme fallen, sondern der großen Mitte. Mit großem Nachdruck, und eigentlich mit großen Werbekampagnen, müssen die Besucher:innen überzeugt werden, warum sich die analoge Teilnahme an der Kultur lohnt.

Das Verständnis von Kulturmarken als sogenannten Lovemarks kann hier wegweisend sein. Für das stark emotional belegte Image von Kulturmarken müssen entsprechende Markenauftritte gestaltet werden. Das gemeinsame Erleben eines erhebenden Moments, muss in Worten, Bildern und mit großen Emotionen betont werden. Und tatsächlich werden viele Besucher:innen auch noch ein bisschen Zeit brauchen, um den Weg in die Kulturinstitutionen wieder zurück zu finden. Deshalb gilt es, digitale Formate weiterzuführen, Sicherheitsmaßnahmen weiterhin zu kommunizieren und die Diskussion um die Relevanz von Kultur vehement aufrecht zu erhalten. 

Sonntag, 29. März 2020

Digitale Kultur für die COVID-19 Krise und die Zeit danach

Die Vielzahl der Kulturprogramme, die sich seit Ausbruch von COVID-19 auch in den USA unentgeltlich online abrufen lassen, ist überwältigend. Dazu kommen die unzähligen Home Videos, die Künstler über ihre Social Media Kanäle zeigen. Wer nach Home Office, Homeschooling und Kinderbetreuung noch Kraft hat, kann digital tolle Kultur erleben. Was aber wird davon übrigbleiben? Wird sich der Kulturkonsum nachhaltig verändern? Wie können Kulturinstitutionen auch in der Krise Relevanz beweisen? Und welche digitalen Kulturprogramme sind jetzt sinnvoll? Diese Fragen beschäftigen amerikanische Kulturmanager neben den ganz existenziellen Herausforderungen in diesen Tagen.

Viele digitale Programme gehen z. Zt. über die Kernkompetenzen von Kulturinstitutionen nicht hinaus. Es wird digital gezeigt, was sonst „live“ stattgefunden hätte. Aber es lohnt sich wie immer ein Blick über den Tellerrand, vielleicht ein Perspektivenwechsel aus Sicht des Publikums.

Den größten Nutzerzuwachs verzeichneten im März 2020 Internetseiten (Quelle: Cloudfare), die sich mit Unterrichten (+400%), Politik (+320%), Fernsehprogrammen (+210%), Gärtnern (+200%), Kindererziehung (+160%) und Christentum (+140%) beschäftigen. Zu den Top Themen gehören Bücher (+110%) sowie Nachtisch und Backen (80%). Dies sind die Themen, die die Menschen jetzt beschäftigen. Und im Bereich Unterricht und kulturelle Kindererziehung haben Kulturinstitutionen und Kulturschaffende große Kompetenzen. Es gibt großartige Literaturvertanzungen und die schönste christliche Musik. Wie man selbst das Thema Backen mit der Kunst verknüpfen kann, zeigt auf hervorragende Weise die Internetseite The Art Assignment. An diese Themen sollten Kulturinstitutionen und Kulturschaffende jetzt anknüpfen. Was neben der allgemeinen Überforderung und dem de-zentralisierten Arbeiten jetzt kaum möglich ist, ist die Entwicklung neuer Formate. Schnell wird vergessen, dass Kulturinstitutionen sich im Zeitalter der Digitalisierung, zumindest aber seit der Rezession 2008, kontinuierlich diesem Thema gewidmet haben und viele individuelle Angebote erstellt haben. Für kaum eine Institution hat sich daraus ein nachhaltiges oder gar wirtschaftliches Programm entwickelt. Vielleicht heißt es in dieser Zeit klein denken: Arbeitsmappen, Malvorlagen, Projektboxen oder Bastelpakete per Download anbieten. Wer in der Krise eine Relevanz im Alltag der Menschen halten kann, wird auch danach essentiell bleiben, wenn es wieder Besuche und irgendwann auch wieder Spenden geben kann.