Montag, 30. Juli 2012

Die Museumsbesucher – Ein deutsch-amerikanischer Vergleich


Seitdem ich auch in Deutschland regelmäßig Gruppen durchs Museum führe, sind mir grundlegende Unterschiede zwischen den deutschen und den amerikanischen Besuchern aufgefallen. Auf den Punkt gebracht heißt das, die Deutschen fragen viel weniger. In den letzten zehn Jahren habe ich die unterschiedlichsten Menschen durch das Art Institute of Chicago, Frank Lloyd Wright‘s Westcott House in Springfield, OH und das Contemporary Arts Center Cincinnati geführt und jedes Mal ergaben sich angeregte Gespräche über Kunst. In Deutschland bleiben die Besucher meistens still, nicht nur in meinen Führungen, nach meiner Beobachtung auch in den Führungen in denen ich als Besucherin teilnahm. Woran mag das liegen?

Sind wir Deutschen, wenn es um Kunst geht, sehr – vielleicht zu sehr – akademisch geprägt? Warum akzeptieren wir so scheinbar leicht, was uns von studierten Persönlichkeiten vorgetragen wird – was man als Akzeptanz von Deutungshoheit und Obrigkeitstreue deuten könnte? Wir können im Vergleich mit anderen Nationen doch sonst so kritisch sein.
Haben die Amerikaner eine andere Mentalität geprägt von Demokratie, wenig Hierarchie und der selbstverständlichen Ansprache beim Vornamen? Meistern die Menschen im Land der Immigranten, bei dem man sich in der Gesprächseröffnung mit einem lockeren "How are you?" auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt, den Einstieg in das Gespräch auch über Kunst im Kreise von Unbekannten einfacher?

Ich muss sagen, dass mir - im Unterschied zum Dozieren - bei Museumsführungen das möglicherweise weniger wissenschaftliche Gespräch über Kunst als Methode der Museumsführung besser zusagt. Wenn es gelingt, die Besucher zu einem Gespräch über Kunst anzuregen, sie zu animieren, ihre Gedanken in Worte zu fassen und sich aktiv mit der Kunst auseinanderzusetzen, bleibt nach meinem Eindruck mehr hängen.

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