Mittwoch, 19. September 2012

US-Orchester in der Krise 2012



Letzte Woche erreichte die Situation der amerikanischen Orchester einen neuen Tiefpunkt: Die Tarifverhandlungen des Atlanta Symphony Orchesters sind vorerst gescheitert und die Musiker vom Gelände verwiesen. Das Indianapolis Symphony Orchestra sagte die ersten beiden Konzertwochenenden der neuen Saison ab, nachdem die Gespräche mit der Gewerkschaft der Musiker zu keinem Ergebnis führten. Im Kunst-Mekka Minneapolis projizieren das Minnesota Orchestra und das St. Paul Chamber Orchestra Fehlbeträge in Millionenhöhe und harte Verhandlungen mit den Musikern. Das San Antonio Orchestra hat ein Defizit von $1 Million und keinen laufenden Vertrag für die Musiker. Nicht zu vergessen, dass die Sinfonieorchester in Philadelphia und Louisville bereits im letzten Jahr bankrott anmeldeten, in Detroit sechs Monate gestreikt wurde und nicht wenige der 400 Berufsorchester am Rande des Abgrunds wirtschaften. Ein Albtraum für alle Beteiligten!

WQXR, der Klassikradiosender aus New York City, stellte seine Hörern die Frage: „What would help troubled American orchestras?“ 41% wählten die Antwort „Hire managers and boards with better business skills.“

Jesse Rosen, Präsident und Geschäftsführer der League of American Orchestras, kommentierte im Radiointerview, dass die Verantwortung jedoch von Musikern, Management und Vorstand gleichermassen getragen werden muss. Das Umfeld für Orchester hat sich massgeblich gewandelt und Orchester sollten auch den Rat und Manager von ausserhalb der Industrie nicht scheuen. Drew McManus , Orchester Consultant und Autor des Blogs Adaptistration betonte die Wichtigkeit von professionellen Kulturmanagern, die zwischen Musik und Wirtschaft vermitteln. Mit Blick auf die in seinem Blog veröffentlichten Kompensationsberichte von Orchestergeschäftsführern, Musikdirektoren und Orchestermusikern fügte er an, dass neben Orchestermusikern, Management und Administration auch Musikdirektoren und Solisten in die finanzielle Verantwortung gezogen werden müssten, wenn es um Budgetdeckung ginge.

Wie die Aufführungsorte den sich wandelnden Erwartungen der Besucher angepasst werden und sich neue künstlerische Ideen bei Orchestern durchsetzen, muss auch ein Wandel im Management von Orchestern stattfinden. Neue Orchesterkleidung, tweet seats, das Klatschen zwischen den Sätzen – Vieles findet mit der Zeit Akzeptanz wie inzwischen Neue  Musik und Konzerteinführungen, so Jesse Rosen. Was im Kleinen möglich ist, muss sich auch in innovativen Management-Strategien verwirklichen.

Die Experten im Radiointerview waren sich einig, dass allerorts Lösungen zu erwarten seien und keines der o.g. Orchester von der Bildfläche verschwinden würde. Übrigens, das Milwaukee Symphony Orchestra ernannte gerade einen Trompeter aus den eigenen Reihen zum neuen Präsident und Geschäftsführer. Wir Kulturmanager sehen gespannt hin, ob dies die bessere Wahl für das Management eines Orchesters ist.

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