Zwei
fundamentale Merksätze im Fundraising lauten: People Give to People und Fundraising
is Friendraising. Beide Sätze heben die Bedeutung der persönlichen
Verbindung zwischen Fundraiser:innen als Vertreter:innen der gemeinnützigen
Organisation und den Gebenden hervor und verorten Fundraising im
Beziehungsmarketing.
Die Frage, die sich bei zunehmender Relevanz von online
Fundraising jeglicher Art stellt, lautet: Behalten diese Merksätze, die die
menschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt des Austausches rücken, dieselbe
Bedeutung, auch wenn wir uns möglicherweise nur noch virtuell begegnen?
Wissenschaftler:innen
der Indiana University Lilly Family School of Philanthropy haben im Januar 2022
einen mehrteiligen Bericht mit dem Titel The Giving Environment:
Understanding Drivers for Donor Engagement veröffentlicht. Dazu sind mehrere
zusammenfassende Infographiken entstanden. Unter dem Titel Who Gives, to
What, and Why? werden die Nutznießer von Crowdfunding-Kampagnen aufgelistet:
Crowdfunding
Engagement 2019 für
Familie oder Freunde 52,5%
Eine gemeinnützige Organisation 47,1%
Freunde von Freunden oder Bekannte 32,8%
Fremde 29,3%
Ein Projekt ohne finanziellen Gewinn 13,6%
Ein gewinnorientiertes Unternehmen mit finanziellem
Gewinn 4,0%
Ein gewinnorientiertes Unternehmen mit Anteilserwerb 2,8%
Andere 5,6%
Aus dieser Übersicht geht einerseits hervor, dass
Bekanntheit und Vertrauen für Gebende die größte Rolle spielen und andererseits
Investitionen über das Instrument Crowdfunding in gewinnorientierte Unternehmen
mit einem finanziellen Vorteil für die Gebenden nachgeordnete Zwecke sind. Hier
ist der gemeinnützige Sektor klar im Vorteil.
Eine zweite Übersicht führt zu ergänzenden Erkenntnissen:
Anteil von $ im Crowdfunding und Social Media Engagement
2019 für
Familie oder Freunde 41,6%
Eine gemeinnützige Organisation 22,1%
Freunde von Freunden oder Bekannte 10,8%
Ein gewinnorientiertes Unternehmen mit finanziellem
Gewinn 10,3%
Fremde 5,2%
Andere 5,2%
Ein gewinnorientiertes Unternehmen mit Anteilserwerb 2,5%
Ein Projekt ohne finanziellen Gewinn 2,2%
Aus dieser Übersicht geht hervor, dass auch die
Spendensummen für Familie, Freunde, gemeinnützige Organisationen und Bekannte die
Tabelle anführen. Je direkter die emotionale oder finanzielle Investition in
einen Menschen oder ein Projekt, desto erfolgsversprechender die Kampagne.
Aus
diesen Übersichten für das Crowdfunding und Social Media Engagement lässt sich
ableiten, dass gemeinnützige Organisationen (und das schließt ja die
allermeisten Kulturinstitutionen in Deutschland ein) im Verhältnis zwischen
Familie und Bekannten rangieren. Das spricht einerseits für die großartige
Kommunikation die im gemeinnützigen Sektor vielerorts bereits geleistet wird
und zeigt ebenfalls, auf welcher persönlich emotionalen Ebene
Fundraising-Kommunikation ansetzen muss.
Wie
hier am Beispiel des Crowdfunding und Social Media Engagements aufgezeigt
wurde, bleibt auch für das online Fundraising also aktuell: Die persönliche
Beziehungspflege steht weiterhin im Mittelpunkt der Fundraising Aktivitäten.