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Freitag, 26. November 2021

Kulturmanagement Trend: Das Potential von NFTs für Museen

 „Ein Non-Fungible Token (NFT) ist ein nicht ersetzbares, digital geschütztes Objekt. Es beruht auf einer hinterlegten Zeichenkette (Blockchain), die im Gegensatz zu einem Fungible Token nicht austauschbar oder kopierbar ist.“ (Wikipedia) „Diese „nicht ersetzbare Wertmarke“ ist ein digitales Gut, das reale Objekte wie Kunst, Musik und Gegenstände (…) repräsentiert. Die Token (Werteinheiten) werden online gekauft und verkauft, häufig mit Kryptowährung, und sie sind in der Regel mit der gleichen zugrunde liegenden Software wie viele Kryptos kodiert. (…) Im Wesentlichen sind NFTs wie physische Sammlerstücke, nur digital. Anstatt also ein echtes Ölgemälde an die Wand zu hängen, bekommt der Käufer stattdessen eine digitale Datei.“ (Forbes)

In New York City soll demnächst in der Nachbarschaft des MoMA ein NFT Museum entstehen. Warum es ein physisches Museum für digitale Vermögenswerte geben soll, beantwortet der Investor folgendermaßen: Das Guggenheim Museum hat phänomenalen Erfolg damit, ein Immobilienentwicklungsinstrument zu sein, das Kultur nutzt, um Vermögenswerte zu entwickeln und Menschen zusammenzubringen. Wir interessieren uns auch für eine globale Infrastruktur, eine Technologie getriebene Infrastruktur aus digitalem Handel, digitalem Krypto-Handel und digitaler Kommunikation. Dieses Projekt bietet die Möglichkeit, nicht nur Investitionen in diese Bereiche zu ermöglichen, sondern in dem geplanten NFT Museum auch die Kultur dieser Bereiche einzufangen.

NFTs sind ein Trend an der Schnittstelle von Technologie, Finanzen und Kultur mit Potenzial für Innovation und soziale Auswirkungen, die über reine Marktspekulationen hinausgehen. In unserem digital getriebenen Leben sind NFTs eine Entwicklung am Kunstmarkt, deren Entstehung durch die Pandemie katalysiert wurde. NFTs als kommerzielle Modeerscheinung abzutun, offenbart auch Mängel im Umgang mit der Digitalisierung im Museumsbetrieb, die sich bisher oftmals auf die Digitalisierung der Sammlung und Engagement in den Sozialen Medien beschränkte. Eine Auseinandersetzung mit NFTs zielt ins Zentrum des Selbstverständnisses von Museen, auf eine Organisationskultur, die bisher durch Kurator:innen vor allem akademisch und durch die physische Erfahrung von Kunst geprägt ist. Die Chance für Museen liegt in einem möglichen Perspektivenwechsel hin zu einem demokratischeren Verständnis von Kunst.

Kulturmanager:innen müssen sich daher viele übergeordnete Fragen stellen: Wie setzen wir uns mit digitaler und digitalisierter Kunst auseinander? Ist die Neigung zum Erwerb und Besitz von Objekten antiquiert? Was bedeutet „Eigentum“ bei einem unendlich duplizierbaren digitalen Medium? Welche Bedeutung hat Originalität? Folgt als Konsequenz die Konzentration auf das, was Museen wirklich gesellschaftlich relevant macht nämlich das Ausstellen? Was braucht es, um NFTs für Museen wirksam zu machen? Dazu müssen die richtigen Infrastruktur- und Technologiepartner gefunden werden. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit Künstlern, die digitale Kunst schaffen, Kuratoren und Sammlern, die ein fundierteres Verständnis dieses jungen Ökosystems haben.

Letztendlich ist es wichtig, dass Museen kreativ an NFTs herangehen und über die bloße Tokenisierung digitaler Wiedergaben ihrer populären Kunstwerke hinausdenken, um kurzfristige Einnahmen zu erzielen. Und schon jetzt ist die Krypto-Kunst Ausstellungsgegenstand für Rapid Change Collections.

Dienstag, 12. Juni 2012

Ein neues Unternehmensmodell: Die Benefit Corporation – “Do Well By Doing Good”

Im Vergleich zu deutschen Kulturinstitutionen sind amerikanischen Kulturinstitutionen im kommerziellen Geschäftsbetrieb wenig Grenzen gesetzt. Zwar sind Aktivitäten, die keine direkte Ausführung der gemeinnützigen Mission bedeuten, wie zum Beispiel Einnahmen aus dem Verkauf von Versicherungen, Autos oder Glücksspiel, nicht steuerbefreit, solche Aktivitäten sind aber für amerikanische Kulturorganisationen erlaubt und oftmals überlebenswichtig. Während in Deutschland der Staat das beisteuert, was Kartenverkauf, Spenden und Sponsoring nicht abdecken können, sichern kommerzielle Aktivitäten oftmals das Überleben von US-Kulturorganisationen.
Seit 2010 haben sechzehn US-Staaten die sogenannte Benefit Corporation legitimiert, die als Geschäftsmodell insbesondere für Non-Profit Organisationen interessant sein könnte. Bei Benefit Corporations kann der finanzielle Gewinn sozialen und Umweltfaktoren untergeordnet werden, ohne dass die Gesellschafter dafür zur Rechenschaft gezogen werden können.  Die Idee ist dabei, Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen nicht immer zum günstigsten Preis kaufen, sondern die sozialverträgliche, „Fair Trade“, oder umweltfreundlichere Variante wählen. Die positiven Auswirkungen müssen Benefit Corporations dann offiziell nachweisen. Für Kulturinstitutionen könnte es zum Beispiel interessant sein, ein Restaurant in dieser Unternehmensform zu führen, um weiterhin den Gemeinnützigkeitsfaktor zu betonen. Das hat natürlich auch viel PR Potenzial.
Das Modell der Benefit Corporation hat Zukunft. Für junge US-Philanthropisten zwischen 20-30 Jahren sind Profit und Gemeinnützigkeit keine unvereinbaren Gegensätze. Neben der Demokratisierung der Philanthropie ist es ihnen ein Anliegen, Wirtschaftsmacht zu nutzen, um die Welt zu verändern – und zu verbessern. Das zeigt sich in ihrem ehrenamtlichen Engagement und zunehmend auch im Geschäftsleben.