In der Diskussion, wie der seit Jahrzehnten anhaltende
negative Besuchertrend umzukehren sei, fallen immer wieder 3 Stichwörter: Relevance (Relevanz), Meaning and Value (Sinn und Wert) und Engagement (im Sinne von Einbindung).
Die meisten amerikanischen Institutionen sind ohne nennenswerte direkte
staatliche Finanzierung abhängig von Eintrittsgeldern sowie Einnahmen aus
Geschäftsbetrieb und Spenden. Das sinkende Verständnis der Bevölkerung für die
traditionelle Arbeit von Kulturinstitutionen (abzulesen in den sinkenden
Besucherzahlen als auch einem Spendenniveau, das immer noch unter dem von 2008
liegt), zwingt die Institutionen, neue Wege der Kommunikation, Kooperation und Programmgestaltung zu
gehen. Immer häufiger verlassen die Institutionen Ihre Stammhäuser, um Menschen
außerhalb der mit Tradition und Riten besetzten Räumlichkeiten neu zu begegnen.
Der heute als Zwang empfundene Druck für US Institutionen,
neue Wege zu begehen, führt langfristig hoffentlich zu einer Erhaltung oder
Wiederbelebung der Relevanz der Kulturinstitutionen, damit diese auch weit in
das 21. Jahrhundert hinein noch eine Rolle spielen – in einer dann zeitgemäßen
Form.Freitag, 8. November 2013
US-Kulturmanagement Trendwörter 2013
Die neueste Umfrage des National Endowment for the Arts zur
Teilnahme der Bevölkerung an kulturellen Ereignissen (Survey of Public
Participation in the Arts) bestätigte, dass die Teilnahme an der sogenannten
Hochkultur weiter sinkt. Dies gilt für die Sparten Ballett, Theater, Oper,
Sinfonie und Museum. Besorgniserregend ist insbesondere der Besucherschwund bei
der jungen, weißen und gut ausgebildeten Bevölkerung, die traditionell den
Nachwuchs für das Kernpublikum der o.g. Sparten bildete. Neue Technologien bestimmten daher die Diskussionen auf Konferenzen
und innerhalb der Institutionen im Jahre 2013 maßgeblich. Wie gelingt es, die
Kultur den Digital Natives sowohl
online als auch während des Besuchs zu vermitteln? Dabei ist die Adaptionsrate
neuer Technologien auch in den anderen Altersgruppen weit fortgeschritten, über
die verschiedenen Ethnien gleichermaßen ausgebildet und aus dem Alltag der
Besucher nicht mehr wegzudenken. Die Erwartungen an die Präsentation und
Vermittlung von Kunst und Kultur haben sich maßgeblich verändert.
Mittwoch, 16. Oktober 2013
Datenanalyse: Erkenntnisse aus der Anwendung eines Verkaufs-Vorhersagemodells im Orchesterbetrieb
Vor kurzem habe ich einen Leitartikel für den Raabe
Kulturmanagement-Newsletter zum Thema Datenanalyse geschrieben. Als Beispiel
habe ich ein Verkaufs-Vorhersagemodell angeführt, das wir in der
Marketingabteilung basierend auf 10 Jahren Kundendaten für das Cincinnati
Symphony Orchester (CSO) entworfen haben. Abschließend hatte ich angekündigt,
einige Erkenntnisse aus der Anwendung auf diesem Blog zu veröffentlichen.
Das Modell basiert auf der Annahme einer durchschnittlichen Saalauslastung, die von etwa 40 Faktoren positiv oder negativ beeinflusst wird. Programm, Solist und Dirigent (in dieser Reihenfolge) führen die Liste der Variablen an. Die allermeisten Faktoren, die Einfluss auf die Auslastung und den Kartenverkauf haben sind jedoch unabhängig von dem eigentlichen Ereignis auf der Bühne wie z.B. Wochentag, Tageszeit, Jahreszeit, Wetterlage, Speisenangebot im Foyer und die Parkplatzsituation.
Nach meiner Erfahrung herrscht insbesondere beim künstlerischen Personal die Befürchtung, dass ein solches Modell vor allem als Legitimationsmittel dienen könnte, Einfluss auf die künstlerische Planung zu nehmen. Da die Mehrzahl der Faktoren wie beschrieben unabhängig vom Programm ist, gibt es jedoch Vieles, was aus Marketingperspektive optimiert werden kann, bevor die heilige Kuh angetastet wird.
In dem Modell haben alle Faktoren einen Wert, je nachdem ob sie in der Vergangenheit die Auslastung positiv, negativ oder neutral beeinflusst haben. Das heißt, ja, auch Personen werden unterschiedlich bewertet. Ein Überraschungsmoment bei der genaueren Betrachtung der Faktoren war, dass Werke des Komponisten Beethoven scheinbar negativen Einfluss auf die Auslastung hatten. Kaum vorstellbar! Wir stellten schnell fest, dass Beethoven vor allem dann im Programm auftauchte, wenn die anderen Stücke zeitgenössisch oder Uraufführungen waren. Beethovens Musik wurde sozusagen als Wiedergutmacher programmiert, konnte den negativen Trend der zeitgenössischen Musik aber nicht ausgleichen. Wir stellten auch fest, dass der Komponist Schostakowitsch deutlich positiven Einfluss auf die Auslastung hatte. Dies ist eindeutig der Verdienst des ehemaligen Musikdirektors, Paavo Järvi, der das Publikum über eine Dekade meisterhaft an die Musik Schostakowitschs heranführte. Es gibt andere amerikanische Orchester, die gar keinen Schostakowitsch spielen. Die Bewertung dürfte dort anders ausfallen.
Der Zeit-Faktor spielt eine große Rolle. Nicht nur Tageszeit und Wochentag auch ob ein Programm früh (Trend negativ) oder später (Trend positiv) in der Saison stattfindet ist relevant. Öffentliche Verkehrsmittel spielen für den Konzertbesuch in Cincinnati keine Rolle (nicht genügend ausgebaut). Jeder muss sich also in sein Auto setzen, um den Konzertsaal zu erreichen. Wenn es dunkel ist, oder das Wetter schlecht ist, kommen weniger Zuhörer. Der Winter in Cincinnati ist oft harsch. Im Schnitt muss alle zwei Jahre im Februar ein Konzert wegen des Wetters gecancelt werden. Auch das geht in die Historie ein.
Festzuhalten ist, dass die Faktoren im Kontext betrachtet werden müssen. Sie bedingen einander und selten bringt die Justierung eines Faktors den großen Wandel. Aber jeder Faktor ist mit einer Zahl verknüpft, die sich genau bestimmen lässt und so eine bessere Planung ermöglicht. Des weiteren ergeben sich die Faktoren aus der Analyse von lokalen Kundendaten. Wetter, Verkehrslage, Werbemöglichkeiten und Programmpräferenzen des Publikums lassen sich nicht auf andere Märkte übertragen. Rückblickend stelle ich fest, dass die Vorhersage nicht nur sehr genau war, sondern dass die Abwägung der Faktoren gegen- und miteinander ein tolles Planungsinstrument ist.
Das Modell basiert auf der Annahme einer durchschnittlichen Saalauslastung, die von etwa 40 Faktoren positiv oder negativ beeinflusst wird. Programm, Solist und Dirigent (in dieser Reihenfolge) führen die Liste der Variablen an. Die allermeisten Faktoren, die Einfluss auf die Auslastung und den Kartenverkauf haben sind jedoch unabhängig von dem eigentlichen Ereignis auf der Bühne wie z.B. Wochentag, Tageszeit, Jahreszeit, Wetterlage, Speisenangebot im Foyer und die Parkplatzsituation.
Nach meiner Erfahrung herrscht insbesondere beim künstlerischen Personal die Befürchtung, dass ein solches Modell vor allem als Legitimationsmittel dienen könnte, Einfluss auf die künstlerische Planung zu nehmen. Da die Mehrzahl der Faktoren wie beschrieben unabhängig vom Programm ist, gibt es jedoch Vieles, was aus Marketingperspektive optimiert werden kann, bevor die heilige Kuh angetastet wird.
In dem Modell haben alle Faktoren einen Wert, je nachdem ob sie in der Vergangenheit die Auslastung positiv, negativ oder neutral beeinflusst haben. Das heißt, ja, auch Personen werden unterschiedlich bewertet. Ein Überraschungsmoment bei der genaueren Betrachtung der Faktoren war, dass Werke des Komponisten Beethoven scheinbar negativen Einfluss auf die Auslastung hatten. Kaum vorstellbar! Wir stellten schnell fest, dass Beethoven vor allem dann im Programm auftauchte, wenn die anderen Stücke zeitgenössisch oder Uraufführungen waren. Beethovens Musik wurde sozusagen als Wiedergutmacher programmiert, konnte den negativen Trend der zeitgenössischen Musik aber nicht ausgleichen. Wir stellten auch fest, dass der Komponist Schostakowitsch deutlich positiven Einfluss auf die Auslastung hatte. Dies ist eindeutig der Verdienst des ehemaligen Musikdirektors, Paavo Järvi, der das Publikum über eine Dekade meisterhaft an die Musik Schostakowitschs heranführte. Es gibt andere amerikanische Orchester, die gar keinen Schostakowitsch spielen. Die Bewertung dürfte dort anders ausfallen.
Der Zeit-Faktor spielt eine große Rolle. Nicht nur Tageszeit und Wochentag auch ob ein Programm früh (Trend negativ) oder später (Trend positiv) in der Saison stattfindet ist relevant. Öffentliche Verkehrsmittel spielen für den Konzertbesuch in Cincinnati keine Rolle (nicht genügend ausgebaut). Jeder muss sich also in sein Auto setzen, um den Konzertsaal zu erreichen. Wenn es dunkel ist, oder das Wetter schlecht ist, kommen weniger Zuhörer. Der Winter in Cincinnati ist oft harsch. Im Schnitt muss alle zwei Jahre im Februar ein Konzert wegen des Wetters gecancelt werden. Auch das geht in die Historie ein.
Festzuhalten ist, dass die Faktoren im Kontext betrachtet werden müssen. Sie bedingen einander und selten bringt die Justierung eines Faktors den großen Wandel. Aber jeder Faktor ist mit einer Zahl verknüpft, die sich genau bestimmen lässt und so eine bessere Planung ermöglicht. Des weiteren ergeben sich die Faktoren aus der Analyse von lokalen Kundendaten. Wetter, Verkehrslage, Werbemöglichkeiten und Programmpräferenzen des Publikums lassen sich nicht auf andere Märkte übertragen. Rückblickend stelle ich fest, dass die Vorhersage nicht nur sehr genau war, sondern dass die Abwägung der Faktoren gegen- und miteinander ein tolles Planungsinstrument ist.
Samstag, 5. Oktober 2013
Im Trend: Datenanalyse
Datenanalyse liegt im Trend. Nicht nur in Politik und
Wirtschaft – auch amerikanische Kulturinstitutionen betreiben Datenanalyse, um
mit den daraus gewonnenen Einblicken praktisch jeden Aspekt des
Kundenerlebnisses neu zu gestalten und die Kundenbindung zu erhöhen.
Der Versuch, individuellen Service und Kundenbeziehungen zu verbessern, hat bei einigen Orchestern, wie z.B. Nashville Symphony oder Cleveland Orchestra, nach einer detaillierten Analyse der Transaktionen (Ticketing und Spenden) zur Umorganisation der Marketing- und Development (Fundraising)- Abteilungen geführt. Dort sind die Mitarbeiter nun Ansprechpartner für jeweils ein Kundensegment. Diese Segmente sind entsprechend dem Aktivitätslevel (Engagement-Level) der Kunden strukturiert, d.h. in den unteren Segmenten (Einmalspender, Einzelkartenkäufer) betreut ein Mitarbeiter tausend Kunden während bei Großspendern und langjährigen Abonnenten ein Mitarbeiter für wenige Kontakte zuständig ist.
Für das Customer Relationship Management hat sich das Programm Salesforce weltweit im kommerziellen Bereich etabliert. In den darstellenden Künsten in den USA ist das Programm Tessitura weit verbreitet. Ursprünglich für die Metropolitan Opera entwickelt, können die Lizenznehmer Transaktionen und Kommunikation eines jeden Kunden registrieren.
Aber wonach sucht man und was macht man mit den gewonnenen Erkenntnissen?
Das Cincinnati Symphony Orchester hat vor einigen Jahren Transkationen aus den 10 vorhergegangenen Jahren analysiert, um daraus ein Verkaufs-Vorhersagemodell zu entwickeln. Aus den erfassten Daten ließen sich ca. 40 Faktoren ableiten, die Einfluss auf den Kartenverkauf haben. Den größten Einfluss haben demnach Werke und Komponisten, gefolgt von Dirigent und Solokünstler. Aber auch nachgeordnete Faktoren wie Wochentag, Uhrzeit und Jahreszeit bis hin zu Speiseangeboten können teils erhebliche Auswirkungen auf den Verkauf haben.
Das Vorhersagemodell dient im wesentlichen dazu, akkurate Vorhersagen bei der Budgeterstellung zu treffen. Darüber hinaus kann die finanzielle Auswirkung von z.B. Programmänderungen vorausgesagt werden. In der Praxis wird das Modell weniger verwendet, um im Rahmen der Programmplanung einen maximalem Profit zu generieren, als vielmehr um Chancen und Risiken besser abzuschätzen.
Der Versuch, individuellen Service und Kundenbeziehungen zu verbessern, hat bei einigen Orchestern, wie z.B. Nashville Symphony oder Cleveland Orchestra, nach einer detaillierten Analyse der Transaktionen (Ticketing und Spenden) zur Umorganisation der Marketing- und Development (Fundraising)- Abteilungen geführt. Dort sind die Mitarbeiter nun Ansprechpartner für jeweils ein Kundensegment. Diese Segmente sind entsprechend dem Aktivitätslevel (Engagement-Level) der Kunden strukturiert, d.h. in den unteren Segmenten (Einmalspender, Einzelkartenkäufer) betreut ein Mitarbeiter tausend Kunden während bei Großspendern und langjährigen Abonnenten ein Mitarbeiter für wenige Kontakte zuständig ist.
Für das Customer Relationship Management hat sich das Programm Salesforce weltweit im kommerziellen Bereich etabliert. In den darstellenden Künsten in den USA ist das Programm Tessitura weit verbreitet. Ursprünglich für die Metropolitan Opera entwickelt, können die Lizenznehmer Transaktionen und Kommunikation eines jeden Kunden registrieren.
Aber wonach sucht man und was macht man mit den gewonnenen Erkenntnissen?
Das Cincinnati Symphony Orchester hat vor einigen Jahren Transkationen aus den 10 vorhergegangenen Jahren analysiert, um daraus ein Verkaufs-Vorhersagemodell zu entwickeln. Aus den erfassten Daten ließen sich ca. 40 Faktoren ableiten, die Einfluss auf den Kartenverkauf haben. Den größten Einfluss haben demnach Werke und Komponisten, gefolgt von Dirigent und Solokünstler. Aber auch nachgeordnete Faktoren wie Wochentag, Uhrzeit und Jahreszeit bis hin zu Speiseangeboten können teils erhebliche Auswirkungen auf den Verkauf haben.
Das Vorhersagemodell dient im wesentlichen dazu, akkurate Vorhersagen bei der Budgeterstellung zu treffen. Darüber hinaus kann die finanzielle Auswirkung von z.B. Programmänderungen vorausgesagt werden. In der Praxis wird das Modell weniger verwendet, um im Rahmen der Programmplanung einen maximalem Profit zu generieren, als vielmehr um Chancen und Risiken besser abzuschätzen.
Montag, 30. September 2013
Verschleierte Preispolitik
Da läuft etwas grundsätzlich falsch mit den Eintrittspreisen
des Metropolitan Museum of Art in New York! Was die Wenigsten wissen, der
Eintritt ist frei und zwar per Gesetz. Nur kommuniziert wird dies vom Museum
nicht. Der empfohlene Eintrittspreis liegt bei $25. Das es eine Empfehlung ist,
steht nirgendwo angeschrieben. Aus diesem Grunde muss sich das Museum aktuell
gegen zwei Klagen verteidigen.
Einen neuen Höhepunkt erreichte die Diskussion um die Eintrittspreise, als das Museum letzte Woche auf der Deal Site Groupon Rabatt auf den Eintrittspreis anbot. Rabatt auf einen Eintritt der eigentlich frei ist? $18 statt $25 sollte die Eintrittskarte kosten. Es wurden über 1000 Karten verkauft.
Verstehen Sie ich mich nicht falsch, ich liebe Deal Sites wie Groupon und LivingSocial (die beiden größten Anbieter in den USA). Für das Cincinnati Symphony Orchester und die Cincinnati Pops habe ich tausende Karten über diese Internetseiten verkauft.
Der Vorteil bei vielen Kulturprodukten ist, der Produktpreis ist unabhängig von der Anzahl der Besucherzahlen. Ein Konzert auf die Bühne zu bringen, kostet nicht mehr, wenn mehr Leute kommen. Gleiches gilt für Ausstellungen, Ballett-, Theater- oder Opernabende.
Für die Deal Sites habe ich strategisch Konzerte jeweils zu Beginn und zur Mitte der Saison ausgesucht, die nicht ausverkauft sein würden und die ein neues Publikum ansprechen. Tatsächlich kamen regelmäßig 80% Neukunden durch diese Maßnahme ins Konzert. Der Rest waren nachgewiesenermaßen unregelmäßige Besucher, die sich durch den günstigen Preis motivieren ließen. Der wahre Wert liegt in den Kundendaten, die die Deal Sites zur Verfügung stellen, denn der Kunde soll, nachdem die Daten in die eigene Datei eingespeist werden und die Kundenbindungsmaßnahmen anlaufen, natürlich wiederkommen.
Im Regelfall behält die Deal Site übrigens 50% des Umsatzes. (Feilschen empfohlen!) Da fiel im Falle des Metropolitan Museum of Art eine hübsche Summe für Groupon ab. Es wäre sicher geschickter, die Besucher des Metropolitan Museum of Arts um eine freiwillige Eintrittsspende zu bitten. Wichtig dabei ist, dem Besucher immer eine Preisorientierung zu geben, z.B. $25. Ansonsten landen zu viele Cent Stücke in der Eintrittskasse.
Einen neuen Höhepunkt erreichte die Diskussion um die Eintrittspreise, als das Museum letzte Woche auf der Deal Site Groupon Rabatt auf den Eintrittspreis anbot. Rabatt auf einen Eintritt der eigentlich frei ist? $18 statt $25 sollte die Eintrittskarte kosten. Es wurden über 1000 Karten verkauft.
Verstehen Sie ich mich nicht falsch, ich liebe Deal Sites wie Groupon und LivingSocial (die beiden größten Anbieter in den USA). Für das Cincinnati Symphony Orchester und die Cincinnati Pops habe ich tausende Karten über diese Internetseiten verkauft.
Der Vorteil bei vielen Kulturprodukten ist, der Produktpreis ist unabhängig von der Anzahl der Besucherzahlen. Ein Konzert auf die Bühne zu bringen, kostet nicht mehr, wenn mehr Leute kommen. Gleiches gilt für Ausstellungen, Ballett-, Theater- oder Opernabende.
Für die Deal Sites habe ich strategisch Konzerte jeweils zu Beginn und zur Mitte der Saison ausgesucht, die nicht ausverkauft sein würden und die ein neues Publikum ansprechen. Tatsächlich kamen regelmäßig 80% Neukunden durch diese Maßnahme ins Konzert. Der Rest waren nachgewiesenermaßen unregelmäßige Besucher, die sich durch den günstigen Preis motivieren ließen. Der wahre Wert liegt in den Kundendaten, die die Deal Sites zur Verfügung stellen, denn der Kunde soll, nachdem die Daten in die eigene Datei eingespeist werden und die Kundenbindungsmaßnahmen anlaufen, natürlich wiederkommen.
Im Regelfall behält die Deal Site übrigens 50% des Umsatzes. (Feilschen empfohlen!) Da fiel im Falle des Metropolitan Museum of Art eine hübsche Summe für Groupon ab. Es wäre sicher geschickter, die Besucher des Metropolitan Museum of Arts um eine freiwillige Eintrittsspende zu bitten. Wichtig dabei ist, dem Besucher immer eine Preisorientierung zu geben, z.B. $25. Ansonsten landen zu viele Cent Stücke in der Eintrittskasse.
Montag, 9. September 2013
Jeder Besucher zählt doppelt
Für amerikanische Opern gibt es keine Subventionen. Jeder
Dollar, auch wenn er vom Staat kommt,
muss eingeworben werden. Den größten Teil des Kulturbudgets machen in
der Regel Privatspenden aus. Deshalb zählt jeder Besucher doppelt, als Kartenkäufer
und potentieller Spender. Und für Opernhäuser sowie auch alle anderen
Kulturinstitutionen es ist wichtig, eine größtmögliche Zahl von Besuchern
anzuziehen.
Wenn amerikanische Kulturmanager nach Europa schauen, dann auf die vielen künstlerisch-innovativen Produktionen, die sich Dank der staatlichen Subventionen auch für ein kleines Publikum auf die Bühne bringen lassen. Unser Kulturmanagement steht dabei weniger im Mittelpunkt der Betrachtungen.
Vor diesem Hintergrund erstaunt Peter Gelbs, General Manager der Metropolitan Opera, offene Kritik an der Hochkultur weniger. Er wies darauf hin, dass die Oper kein spartanisches Erlebnis sein dürfte und man insbesondere neuen Zuschauern eine dekonstruierte Geschichte, die von der Originalfassung abweicht, nicht zumuten könne. Als Beispiel fügte er die „Planet-der-Affen“-artige Rigoletto-Inszenierung eines deutschen Hauses sowie die Düsseldorfer Tannhäuser-Produktion, in einer Gaskammer in Szene gesetzt, an.
Wenn amerikanische Kulturmanager nach Europa schauen, dann auf die vielen künstlerisch-innovativen Produktionen, die sich Dank der staatlichen Subventionen auch für ein kleines Publikum auf die Bühne bringen lassen. Unser Kulturmanagement steht dabei weniger im Mittelpunkt der Betrachtungen.
Vor diesem Hintergrund erstaunt Peter Gelbs, General Manager der Metropolitan Opera, offene Kritik an der Hochkultur weniger. Er wies darauf hin, dass die Oper kein spartanisches Erlebnis sein dürfte und man insbesondere neuen Zuschauern eine dekonstruierte Geschichte, die von der Originalfassung abweicht, nicht zumuten könne. Als Beispiel fügte er die „Planet-der-Affen“-artige Rigoletto-Inszenierung eines deutschen Hauses sowie die Düsseldorfer Tannhäuser-Produktion, in einer Gaskammer in Szene gesetzt, an.
Dass es sich amerikanische Opernhäuser nicht leisten können,
auf Besucher zu verzichten, zeigt sich aktuell am Beispiel der New York City
Opera. Nach einer großen finanziellen Krise, musste eine Saison abgesagt werden.
Es gab in dieser Zeit keine Besucher und dramatisch weniger Spender. Dann ging
es zwei Jahre gut. Jetzt fehlen wieder Millionen, die durch Fundraising
eingeworben müssen. Und das ist ein Teufelskreis: Wenn das Geld fehlt, müssen
Produktionen abgesagt werden. Es kommen weniger Besucher, weniger potentielle
Spender sind im Spenderpool und es kommt noch weniger Geld.
Deutsche Opernhäuser ringen um Subventionen. Vielerorts wird
versucht zusätzliche Gelder durch Sponsoring und auch Fundraising einzuwerben. Künstlerische
Qualität wollen wir auf keinen Fall einbußen. In den USA gibt es eine andere
Realität. Es zählt die Masse. Oder, wie Peter Gelb sagt: „Oper existiert nicht
im Vakuum. Während das Experimentieren wichtig ist, müssen wir die breite Unterstützung
der Öffentlichkeit haben... Es ist möglich, dass ein Werk Erfolg auf mehreren
Ebenen hat und sowohl dem Kenner als auch dem Neuling zusagt - wenn das Storytelling gut ist.“ Montag, 19. August 2013
Kunstkrimis aus dem wahren Leben
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| Photo from flickr from you can count on me |
Wie ein Krimi in
vielen Kapiteln werden uns seit Wochen die Nachrichten des angestrebten
Ausverkaufs der Kunstwerke des Detroit
Institute of Arts häppchenweise serviert. Es gibt keinen Raub und noch sind
keine Köpfe gefallen, aber die bankrotte Stadt bildet eine großartige Kulisse
für das aktuelle Drama. Wir kennen die Bilder der leerstehenden Häuserblocks,
die sich über Meilen hinziehen. Der Strom ist abgeschaltet, die Müllentsorgung
ausgesetzt. Vielerorts ist die Stadt eine Geisterstadt. Szenen wie aus der
Auftaktsequenz eines Krimis. Auch der Speckgürtel mit den Besserverdienenden
ist dünner geworden. Trotzdem ist die Unterstützung für das Museum in der
Bevölkerung groß. Erst 2012 einigten sich die Bürger auf eine Anhebung der
Vermögenssteuer, um das Museum mit den Steuermehreinnahmen finanziell zu
unterstützen. Das Gebäude und die Kunstwerke gehören der Stadt, auch wenn diese
seit vielen Jahren kein Budget für das Museum zur Verfügung stellt. Seitdem die
Stadt bankrott ist, fürchten Viele einen Ausverkauf der auf einige Milliarden
geschätzten Sammlung, um Gläubiger zu bezahlen und die Pensionskassen zu füllen.
Und tatsächlich heuerte der Insolvenzverwalter der Stadt vor einigen Wochen
Experten des Auktionshauses Christie's an, um den Marktwert der Sammlung
offiziell zu evaluieren. Es folgt Schachzug auf Schachzug mit beinahe
unabsehbaren Managementaufgaben für das Museum und die Stadt. Auf beiden Seiten
bringen sich Anwälte in Stellung, geschossen wird mit Worten. Es geht um Recht und
Moral, um Perspektiven für die Stadt und das Überleben des Detroit Institute of
Arts. Alles Themen für eine gute Kriminalgeschichte, die man leider nicht
genießen kann, weil sie aus dem wahren Leben stammt.
Montag, 5. August 2013
3D-Technologie im Orchesterkonzert – Architectural Projection Mapping
![]() |
| photo by Heather Stengle |
Dass der Einsatz der neuen Technologien und Anwendungen hinter den Kulissen hilfreich ist, scheint unter Kulturmanagern unumstritten. Wieviel der neuen Technologien braucht es aber auf der Bühne oder in der Ausstellung? Diese Frage stellen sich Kulturmanager täglich. Alles scheint möglich: Es ist eine Gradwanderung zwischen Raum für Kontemplation und Engagement der Besucher.
Das Cincinnati Symphony Orchestra hat dieses Wochenende mit überwältigendem Erfolg das Projekt „Lumenocity“ vorgestellt. Während eines Open Air Konzertes im Park vor dem Konzerthaus wurde mit Hilfe des Architectural Projection Mapping eine 3D Lichtshow an die Fassade der historischen Music Hall projeziert. Den Soundtrack spielt das Orchester mit Musik aus Klassik, Film, Broadway und Americana. Die Modemarke Ralph Lauren inszenierte 2010 eine spektakuläre 3D Lichtshow auf der Fassade ihres Flagship Store in New York City, für den Orchesterbereich ist dies allerdings absolutes Neuland. Am ersten Konzertabend strömten statt der erwarteten 10.000 Besucher geschätzte 15.000 in den Park. Aufgrund des Erfolgs, der für viele Stunden auch die sozialen Netzwerke und traditionellen lokalen Medien der Stadt dominierte, wird für den zweiten Abend ein weiterer Besucherrekord erwartet. Nach diesem Erfolg plant das Orchester mit dem Projekt „Lumenocity“ auf Tournee zu gehen. Dabei kann für jeden Konzertsaal eine individuelle Show zusammengestellt werden, die auf die jeweilige Architektur des Gebäudes abgestimmt ist.
Montag, 22. Juli 2013
Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb
Wer leistet eigentlich den größten Beitrag zur
Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb? Die Marketingabteilung, die
Educationabteilung mit den pädagogischen Programmen oder das Orchester?
Es sind tatsächlich die Musiker, aber nicht in ihrer Funktion als Orchester. Eine in den USA durchgeführte Studie über Konsumenten klassischer Musik ergab, dass 74% ein Instrument erlernt oder in einem Chor mitgesungen hatten. Es sind also die Musiker, die ihre Instrumente auch unterrichten, die maßgeblich an der Entwicklung zukünftigen Publikums mitwirken.
Es sind tatsächlich die Musiker, aber nicht in ihrer Funktion als Orchester. Eine in den USA durchgeführte Studie über Konsumenten klassischer Musik ergab, dass 74% ein Instrument erlernt oder in einem Chor mitgesungen hatten. Es sind also die Musiker, die ihre Instrumente auch unterrichten, die maßgeblich an der Entwicklung zukünftigen Publikums mitwirken.
Dieselbe Studie zeigte auf, dass es keine Beweise dafür
gibt, dass Kinderprogramme, insbesondere Konzertformate für Schüler, aus den
Teilnehmern später Kartenkäufer machen.
Beim Cincinnati Symphony Orchstra ist das Audience Development (Publikumsentwicklung)
entsprechend der Zielgruppen auf mehrere Abteilungen verteilt. Die Programme
für potentielle zahlende Kunden mit dem Fokus auf geselligen, musikalischen
Begegnungen (Studenten, Berufsanfänger, Schwule/Lesben/Trans- und Bisexuelle)
werden von der Marketingabteilung betreut. Die primär pädagogischen Familien-
und Schulprogramme werden vom Team Community
Learning betreut. Darüber hinaus gibt es das Community Engagement, mit dem Ziel neue Partner für das Orchester
zu gewinnen und Minderheiten für die Arbeit des Orchesters zu interessieren. Die
Programme Community Learning und Engagement werden von der Community Engagement Abteilung betreut.
Zwei weitere interessante Erkenntnisse in Bezug auf die
Publikumsentwicklung wurden in der Studie veröffentlicht:
Kostenlose Programme (Outreach)
machen aus den Teilnehmern keine Ticketkäufer. Sie machen aus ihnen einfach nur
Konsumenten weiterer freier Programme.
Traditionelle Maßnahmen zur Publikumsbildung wie etwa
Konzerteinführungen, die sich insbesondere an neues Publikum wenden, werden
doch nur von den erfahrensten und engagiertesten Besuchern wahrgenommen.
Ob es sich mit dem Publikumsverhalten in Deutschland wohl
vollkommen anders verhält? Wer kennt vergleichbare Studien aus Deutschland?Dienstag, 18. Juni 2013
Erfolgskriterien für Museum Apps
![]() |
| Photo from flickr by conxa.roda |
Basierend auf einer Analyse internationaler Museum Apps,
darunter den Besten der USA 2013, folgt hier, wie im letzten Artikel angekündigt,
meine Liste der Erfolgskriterien für Museum Apps:
1.
Die App ist kostenlosDie erste Hürde. Die meisten Museum Apps aber längst nicht alle sind kostenlos.
2. Die App stellt einen Mehrwert dar.
Wer ein Smartphone besitzt, kann jederzeit auf die Internetseite des Museums zugreifen. Warum also eine App herunterladen, wenn sie doch nur die Inhalte der Internetseite wiederholt? Die Inhalte der App müssen sich über die Grundinformationen hinaus deutlich von der Internetseite unterscheiden.
Es gibt Audio- und Videoclips, Hinweise auf die Präsenz in sozialen Netzwerken und location-based services (z.B. QR-codes, Foursquare). Auf keinen Fall sollten die Beiträge eine bloße Kopie der Wandtexte sein. Und wenn, dann zumindest multimedial verlinkt.
4. Die App ist interaktiv.
Keine Angst vor Spielen! Spielen ist auch Lernen. Da lassen sich spannende Spiele für alle Lernstufen entwickeln. Beliebt sind kleine Tests und Belohnungen, auch wenn sie virtuell sind.
Aber auch andere Formen der Interaktion sind beliebt wie eigene Fotos hochladen oder Kommentare hinterlassen, gerne in Verbindung mit den sozialen Netzwerken (z.B. Facebook, YouTube, Pinterest).
5. Die App ist personalisiert.
Idealerweise kann der Nutzer seine Interessen auswählen, die als Leitfaden durch die Anwendung führen. Die verschiedenen Leitfäden sollten in erster Linie nicht nach kunsthistorischen Epochen sondern auch nach unterschiedlichen Lebensstilen geordnet sein.
6. Die App ist wiederholt nutzbar
Gibt es einen Grund, die App nach dem Museumsbesuch wieder zu nutzen? Oder ist die App nur einmalig interessant? Ist die App so vielfältig, dass sie Lust auf einen weiteren Museumsbesuch macht? Welche App-Aktivitäten eignen sich zur Reflektion, Vertiefung und Feedback nach dem Museumsbesuch?
Donnerstag, 23. Mai 2013
Subject Line: Search for the Unicorn
Who doesn‘t
want to read this email?
It's the Metropolitan Museum´s invitation and very clever membership renewal email. Very
well done!
Dienstag, 21. Mai 2013
Die besten US-Museum Apps
![]() |
| Photo from flickr by Maurice |
Apps sind in den USA nicht mehr der letzte Schrei, wie ich Anfang
dieses Jahres in meinem Leitartikel „Von Apps zu Labs“ für den Raabe Kulturmanagement
Newsletter erläutert habe. Der Umgang mit Apps ist für die Besucher ebenso alltäglich
wie die Erstellung von Apps für Museumsmacher geworden ist. Inzwischen gibt es
in den USA eine Vielzahl von sehr guten Museums- und Ausstellungs-Apps. Ein
großes deutsches Museum wurde gerade auf die internationale Liste der „least digitally savvy“ (der digital am wenigsten versierten) Museen aufgenommen. Nach meinem Eindruck gibt es in Deutschland viel
Nachholbedarf, was die Akzeptanz und damit Verbreitung von Technologien im Museum aber auch die
Erstellung von wirklich guten Apps betrifft.
Das Media and Technology Committee der American Museum
Association hat gestern auf der Jahrestagung seine Preise für die verschiedensten Anwendungen von Medien in Museen vergeben. Die Auszeichnung für
die besten Apps für mobile Geräte gingen an:
Gold - Romare Bearden Black Odyssey Remixes, GuideOne and Smithsonian
Silber - Sound Uncovered, Exploratorium
Bronze - ArtLens, The Cleveland Museum of Art
Honorable Mention - Creatures of Light, American Museum of Natural History
Silber - Sound Uncovered, Exploratorium
Bronze - ArtLens, The Cleveland Museum of Art
Honorable Mention - Creatures of Light, American Museum of Natural History
Welche Kriterien gibt es für eine
wirklich gute App? Und haben diese Kriterien internationale Gültigkeit? Ich habe
einige Merkmale zusammengetragen und werde diese in meinem nächsten Beitrag
erläutern.
Mittwoch, 8. Mai 2013
US-Kulturmanagement Trends 2013
Marc Chardon, President & CEO von Blackbaud,
identifizierte vier Trends, die in diesem Jahr den Kulturmanagement Sektor in
den USA maßgeblich beeinflussen werden und die ich im Folgenden kommentieren
möchte:
#1 Der Anstieg an Spenden für wohltätige Zwecke wird eher
gering ausfallen.
#2 Technologie spielt sowohl für Kulturinstitutionen als
auch für ihre Besucher eine immer größere Rolle.
#3 Es gibt zunehmenden internationalen Wettbewerb.
#4 Der Sektor wird einen Prozess der Re-Evaluation
durchlaufen.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie derzeit in den
USA geben Spender für weniger, sorgsam ausgewählte gemeinnützige Zwecke,
insbesondere für jene, die nachweislich nachhaltig arbeiten. Viel Aufwand wird
also von Seiten der Kulturinstitutionen in die Kundenbindung investiert. Um
erfolgreich zu sein, werden sie sich darüber hinaus aber trotzdem der
Neukundengewinnung widmen.
Die Adaptionsrate von neuen Technologien ist bei
Amerikanern deutlich größer als bei den Deutschen. Entsprechend viel wird der
Einsatz neuer Technologien in den Kulturinstitutionen nicht nur im Bereich
Kommunikation sondern z.B. auch in der Pädagogik und Programmgestaltung
getestet. Es ist jetzt möglich, die Aktivitäten der gemeinnützigen Organisationen
auf mobilen Geräten zu verfolgen. Mithilfe neuer Technologien haben
Kulturinstitutionen ein umfangreicheres Verständnis von ihren Kunden gewonnen
und sind in der Lage optimierte, personalisierte Angebote zu machen.
Technologien und Globalisierung haben zu einer vermehrt
internationalen Wahrnehmung von Ereignissen auch im Kultursektor geführt. Das
führt einerseits zur möglichen Erschließung neuer Märkte, andererseits zum
Kampf um internationale Ressourcen besonders im Fundraising.
Der rapide demografische Wandel und sich wandelnde
Lebensstile führen auch zu einem Wandel im Besucherverhalten und der
Wertschätzung von Kulturangeboten. Unter den veränderten Rahmenbedingungen
müssen sich viele Kulturinstitutionen neu positionieren und gleichzeitig
Profitabilität, Effektivität und Nachhaltigkeit unter Beweis stellen. Eine sehr
positive Entwicklung ist die Einstellung der Generation der Millenials zur
Kultur. Mehr als die älteren Generationen versuchen sie Arbeit, Sinn und
Inhalte in ihrem Leben zu verknüpfen und bringen jetzt schon viele kreative und
neue unternehmerische Perspektiven in den Kulturbetrieb ein.
Montag, 29. April 2013
Mitgliedschaft im Museum neu erfunden
Der Einsatz neuer Technologien schwappt derzeit wie eine Flutwelle über amerikanische Museen hinweg. Den Einsatz von 3D-Druckern in der Museumspädagogik habe ich bereits beschrieben. In diesem Artikel geht es um die Nutzung digitaler Mitgliedsausweise im Museum.
Die digitalen Ausweise funktionieren wie Kundenkarten, die
wir z.B. auch aus deutschen Drogeriemärkten
oder Kaufhäusern kennen. Im Dallas Museum of Art (DMA), wo die Ausweise im
Januar 2013 eingeführt wurden, sind für alle, die einen Ausweis beantragen
Eintritt und eine einfache Mitgliedschaft frei. Durch Interaktion an
verschiedenen Punkten im Museum können Punkte gesammelt werden, die für eine
Reihe von Boni, z.B. freien Eintritt zu Sonderausstellungen bis hin zu einer
Übernachtung im Museum eingelöst werden können. Durch check-ins der Besucher
mittels digitaler Ausweise in verschiedenen Galerien können die Mitarbeiter
z.B. spontan Führungen anbieten, wenn sie feststellen, dass sich gerade
besonders viele Besucher an einem Ort aufhalten.
Für das Museum sind die vielen Daten interessant, die sich
durch dieses "check-in, tracking and interaction"-Model erheben
lassen. Das geht weit über Kontaktdaten (demographische Faktoren) hinaus und
ermöglicht eine detaillierte Analyse des Besucherverhaltens in der
Kommunikation und im Museum. Insbesondere die eingelösten Bonuspunkte geben
Aufschluss darauf, was Besucher wirklich motiviert.
Da das neue System erst im Januar eingeführt wurde, ist es
zu früh, festzustellen, welche Auswirkungen es auf die Vielfalt der Besucher,
langfristiges Engagement oder tatsächliche finanzielle Auswirkungen hat. Ein
großer Erfolg: 90% aller Besucher, die den digitalen Mitgliedsausweis
beantragen, sind bisher nicht in der Kundendatei erfasst. Der Rückschlag ist
bisher klein. Nur 9% der zahlenden Mitglieder tauschten ihre alte
Mitgliedschaft für die neue, freie Mitgliedschaft ein.
Das DMA vertraut darauf, das aufgrund der freien Teilnahme
am Besuchserlebnis das Geld an anderer Stelle im Museum ausgegeben wird. Vieles
von dem, was durch die Bonuspunkte erworben werden kann, kostet das Museum
nicht extra. Der Erfahrung nach bringen viele Mitglieder zu Sonderausstellungen
zahlende Gäste mit. Interessanterweise rechnete sich eine Mitgliedschaft für das
Museum erst ab einem Beitrag von $100. Die Kosten können aufgrund der
vornehmlich digitalen Kommunikation mit den neuen Mitgliedern erheblich gesenkt
werden. Und die vielen neuen Daten sind auch für die Interpretation im Hinblick
auf Spender und Sponsoren interessant.
Es geht bei diesem Mitgliedschaftsmodel darum, den Besuchern
klare Instruktionen und gutes Feedback zu geben. Zwei wichtige Punkte, die im
aktuellen Museumsbetrieb vernachlässigt werden. Die Daten, die gesammelt
werden, sind wichtiger als das Eintrittsgeld oder die einfache Mitgliedschaft. Die
Besucher zu einem Besuch und einfacher Interaktion im Museum zu bewegen (basic
level of engagement), steht im Vordergrund. Es geht um den Aufbau eines
Geschäftsmodells, in dem sich die Besucherbeziehungen langfristig rentieren im
Unterschied zu einem sofortigem Austausch von Geld für Waren und Dienste.
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