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Montag, 5. August 2013

3D-Technologie im Orchesterkonzert – Architectural Projection Mapping

photo by Heather Stengle
„Der Einsatz neuer Technologien schwappt derzeit wie eine Flutwelle über amerikanische Museen hinweg,“ schrieb ich in einem Blogbeitrag im April. Aber natürlich macht diese Flutwelle nicht vor anderen Sparten halt. Vor dem Hintergrund der NSA-Affäre habe ich gerade einen Artikel fertiggestellt, der beschreibt, welchen Nutzen amerikanische Orchester aus ihren gesammelten Verkaufs- und Besucherdaten ziehen. Der Artikel erscheint im Raabe Kulturmanagement Newsletter im Oktober.

Dass der Einsatz der neuen Technologien und Anwendungen hinter den Kulissen hilfreich ist, scheint unter Kulturmanagern unumstritten. Wieviel der neuen Technologien braucht es aber auf der Bühne oder in der Ausstellung? Diese Frage stellen sich Kulturmanager täglich. Alles scheint möglich: Es ist eine Gradwanderung zwischen Raum für Kontemplation und Engagement der Besucher.

Das Cincinnati Symphony Orchestra hat dieses Wochenende mit überwältigendem Erfolg das Projekt „Lumenocity“ vorgestellt. Während eines Open Air Konzertes im Park vor dem Konzerthaus wurde mit Hilfe des Architectural Projection Mapping eine 3D Lichtshow an die Fassade der historischen Music Hall projeziert. Den Soundtrack spielt das Orchester mit Musik aus Klassik, Film, Broadway und Americana. Die Modemarke Ralph Lauren inszenierte 2010 eine spektakuläre 3D Lichtshow auf der Fassade ihres Flagship Store in New York City, für den Orchesterbereich ist dies allerdings absolutes Neuland. Am ersten Konzertabend strömten statt der erwarteten 10.000 Besucher geschätzte 15.000 in den Park. Aufgrund des Erfolgs, der für viele Stunden auch die sozialen Netzwerke  und traditionellen lokalen Medien der Stadt dominierte, wird für den zweiten Abend ein weiterer Besucherrekord erwartet. Nach diesem Erfolg plant das Orchester mit dem Projekt „Lumenocity“ auf Tournee zu gehen. Dabei kann für jeden Konzertsaal eine individuelle Show zusammengestellt werden, die auf die jeweilige Architektur des Gebäudes abgestimmt ist.

Montag, 22. Juli 2013

Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb

Wer leistet eigentlich den größten Beitrag zur Publikumsentwicklung im Orchesterbetrieb? Die Marketingabteilung, die Educationabteilung mit den pädagogischen Programmen oder das Orchester?
Es sind tatsächlich die Musiker, aber nicht in ihrer Funktion als Orchester. Eine in den USA durchgeführte Studie über Konsumenten klassischer Musik ergab, dass 74% ein Instrument erlernt oder in einem Chor mitgesungen hatten. Es sind also die Musiker, die ihre Instrumente auch unterrichten, die maßgeblich an der Entwicklung zukünftigen Publikums mitwirken.

Dieselbe Studie zeigte auf, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Kinderprogramme, insbesondere Konzertformate für Schüler, aus den Teilnehmern später Kartenkäufer machen.
Beim Cincinnati Symphony Orchstra ist das Audience Development (Publikumsentwicklung) entsprechend der Zielgruppen auf mehrere Abteilungen verteilt. Die Programme für potentielle zahlende Kunden mit dem Fokus auf geselligen, musikalischen Begegnungen (Studenten, Berufsanfänger, Schwule/Lesben/Trans- und Bisexuelle) werden von der Marketingabteilung betreut. Die primär pädagogischen Familien- und Schulprogramme werden vom Team Community Learning betreut. Darüber hinaus gibt es das Community Engagement, mit dem Ziel neue Partner für das Orchester zu gewinnen und Minderheiten für die Arbeit des Orchesters zu interessieren. Die Programme Community Learning und Engagement werden von der Community Engagement Abteilung betreut.

Zwei weitere interessante Erkenntnisse in Bezug auf die Publikumsentwicklung wurden in der Studie veröffentlicht:
Kostenlose Programme (Outreach) machen aus den Teilnehmern keine Ticketkäufer. Sie machen aus ihnen einfach nur Konsumenten weiterer freier Programme.

Traditionelle Maßnahmen zur Publikumsbildung wie etwa Konzerteinführungen, die sich insbesondere an neues Publikum wenden, werden doch nur von den erfahrensten und engagiertesten Besuchern wahrgenommen.
Ob es sich mit dem Publikumsverhalten in Deutschland wohl vollkommen anders verhält? Wer kennt vergleichbare Studien aus Deutschland?