Ein
Lichtblick könnte im Sponsoring liegen, da die Unternehmensergebnisse im 3. und
4. Quartal 2012 leicht anstiegen. Erfolgreich im Werben um Sponsoren werden
aber vor allem gemeinnützige Programme
sein, die Unternehmen direkt oder indirekten Profit versprechen und mit dem
Unternehmensleitbild, Kunden oder Mitarbeitern verknüpft werden können.
nnovation
wird es vor allem im Bereich Social Media und Marketing bzw.
Fundraising-Nachrichten aufs Handy geben. Die Ein-Medium-Kommunikation ist tot.
Die besten Kundenakquisitions- und Kundenbindungsergebnisse lassen sich bei
Spendern, denen die gleiche Botschaft durch viele Kommunikationskanäle
vermittelt wurde, nachweisen. In der Handytechnologie und –nutzung lagen die
USA im Vegleich zu Europa viele Jahre weit zurück. In den letzten Jahren haben
sie aufgeholt und US-Nonprofits werden 2013 in diesen Bereich investieren.
Knapp 40% aller E-Mails werden bereits jetzt auf mobilen Geräten geöffnet. 2014
werden mehr Amerikaner vom Handy als vom Computer aus im Netz surfen. Freitag, 18. Januar 2013
Fundraising Ausblick für 2013
US-Fundraising Experten (Steve MacLaughlin, Blackbaud;
Patrick Rooney, Indiana
University School of Philanthropy; Holly Hall, Chronicle of Philanthropy) sagen
ein weiteres schweres Jahr für das Fundraising voraus. Die Spendeneinnahmen folgen den
Wirtschaftzyklen und der Aufschwung wird auch in diesem Jahr gering sein. Immerhin
konnte für das Jahr 2012 ein Spendenanstieg von 3,9% verzeichnet werden.
Trotzdem, wenn die Spendenwachstumsrate so gering wie in den Jahren 2010 und
2011 bleibt, wird es über eine Dekade dauern, bis das Niveau von vor der
Rezession 2008 wieder erreicht ist. (Übersicht Spendenentwicklung während der Großen Depression und der Großen Rezession) Ein Ergebnis der knappen privaten
Mittel ist, dass die Spender selektiver als bisher vorgehen und eine geringere
Anzahl von gemeinnützigen Organisationen unterstützen werden, insbesondere
jene, welche besonders ergebnisorientiert arbeiten. Hier setzt sich die
sogenannte "Kickstarter-Mentalität“ durch – ohne nachweisbares Ergebnis,
keine Spende.
Freitag, 14. Dezember 2012
Current Challenges and Opportunities in Arts Management in Germany
Since
the first arts management program was established at the University for Music
and Theater Hamburg 25 years ago, several hundred providers of arts management
trainings have entered the market. Offers range from MA and PhD programs to
certificates that can be obtained after just a few days of training. The first
generation of arts managers has taken leading positions in arts organizations
large and small. Yet, the majority of employees working in the field of arts
management come with an artistic background or education in the humanities, the
profession of arts manager is far from being established. Challenges of the
multi-disciplinary profession remain internally, as educational content varies
greatly, and externally, in the overall understanding and acceptance of the
profession.
In conclusion I´d like to add Giep Hagoort´s description of the changing role of arts managers
Participants
recently discussed “The Art of Managing Culture” at an international arts
management conference held by the Goethe Institute in Berlin. In presentations
and through conversations with colleagues from around the world the current challenges
and opportunities of the sector in Germany became very clear.
Based on
this, here is a suggested to-do list to address these challenges and
opportunities:
In Practice:
1.
Upper
management of arts organizations needs arts management training.
2.
The
number of women in leadership positions needs to increase dramatically. The
current ratio is about 1:3, while the ratio among arts management students and non-management
positions is just reversed.
3.
Flat
hierarchies need to be created in arts organizations for more democracy in
managing the organizations.
In
Education:
4.
The
ideal mix between theory and practice in arts management education needs to be
found.
5.
There
is a need for contributions of German arts management theory. Most theories
today are adapted and translated from UK and US publications and are therefore
not fully applicable in Germany.
6.
Opportunities
for growth in the arts management sector lie in program evaluation,
participation growth, and a growing combination of culture and education,
culture and urban development and culture and social developments.
7.
Inspire
an entrepreneurial spirit in arts managers.
8.
Broaden
cultural management disciplines. Educational content is currently being derived
from (ranked) 1. Political Science, 2. Business Management, 3. The Arts, 4.
Cultural Studies and 5. Social Science. What can be learned from other
disciplines such as neuroscience or computer science?
In conclusion I´d like to add Giep Hagoort´s description of the changing role of arts managers
-
From
administering arts institutions to moderating and creating cultural contexts.
-
From
producers and growth-orientation to audience orientation and societal
responsibility.
-
From
arts institution managers to cultural entrepreneurs and cultural leadership.
Freitag, 30. November 2012
Giving Season – Das Fundraising Finale 2012
No Impact, No Giving
Thanksgiving, Black Friday, Small Business Saturday, Cyber Monday, Giving Tuesday - zum Auftakt der heißen Phase des Fundraisings zum Jahresende sind die Geldbörsen der Kunden nicht nur von den Geschäften schwer umkämpft. Zwei Dinge fallen zum Jahresende zugunsten der Non-Profit Organisationen zusammen, das Ende des Wirtschaftsjahres von Privatpersonen und die großen religiösen Feste Weihnachten und Hanukkah. Diese Anlässe nutzen viele Amerikaner, um noch einmal vor Steuerabzug oder mildtätig motiviert, eine große Spende zu machen. Die heiße Phase beginnt an Thanksgiving, dem vorletzten Donnerstag im November, und hat ihren Höhepunkt von Weihnachten bis Neujahr. Der 31. Dezember und der 1. Januar sind definitiv keine Ferientage für Fundraiser.
Oft werden die auf alle Kommunikationskanäle abgestimmten
Spendenaufrufe monatelang von Fundraisern vorberereitet. Wie alle Fundraising-Kampagnen sollen auch
die Spendenaufrufe zum Jahresende relevant und aktuell sein und Emotionen
ansprechen. Der bestimmende Unterton zu dieser Jahreszeit ist aber entsprechend
den Festen freudig und hoffnungsvoll. An das Mit- oder Schuldgefühl zu
appellieren, ist für andere Anlässe vorbehalten. Während in den letzten Jahren Rechenschaftspflicht
und Transparenz zentrale Kommunikationspunkte waren, ist es jetzt die Wirkung.
Welche reale Hilfe können gemmeinnützige Organisationen tatsächlich nachweisen?
"No impact, no giving.“ Zwei Organisationen, die im
letzten Jahr beispielhafte Kampagnen entwarfen sind das Red Cross America und
die internationale Hilforganisation Oxfam America. Ich bin gespannt, was diese
Saison bringt und halte Sie auf dem Laufenden!Mittwoch, 14. November 2012
Interne Kooperationen
Am 8. Juni 2012 hielt ich beim KMM Forum 2012 "Kooperationen: Gemeinsam den Wandel gestalten" am Institut für Kultur- und Mendienmanagement Hamburg einen Vortrag zum Thema "Interne Kooperation". Die Zusammenfassung des Vortrags erscheint im KMM Jahrbuch 2012.
"Interne Kooperation: Zusammenarbeit von Künstlerischer Planung und Marketing am Beispiel des Cincinnati Symphony Orchestra. Ein Bericht aus der Marketingperspektive."
I m Selbstverständnis der
Mitarbeiter in der Orchesterverwaltung sieht sich das künstlerische Team
(künstlerische Leitung, KBB) eher dem Orchester, den Gastmusikern, Dirigenten
und der Gewerkschaft verpflichtet, während das Marketing Team (Marketing und Vertrieb)
sich als Anwalt der Besucher versteht. Daraus ergeben sich oftmals
unterschiedliche Ziele, die nicht immer in Einklang zu bringen sind. Am
Beispiel des Cincinnati Symphony Orchestra (CSO) wurde eine gelungene und
wachsende Kooperation von KBB und Marketing vorgestellt.
"Interne Kooperation: Zusammenarbeit von Künstlerischer Planung und Marketing am Beispiel des Cincinnati Symphony Orchestra. Ein Bericht aus der Marketingperspektive."
Als Reaktion auf den
Wandel in Gesellschaft und Publikum sollten neue Aboreihen unterschiedliche
musikalische Vorlieben und Lebensstile vereinen und die Konzerte als Gesamtwerk
verschieden erlebbar gemacht werden. Die Planung und Einführung der neuen
Aboreihen erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen künstlerischem Team und
Marketingabteilung, denn die Reihen sollten nicht nur inhaltlich neu
positioniert sondern auch mit einer Reihe von unterstützenden Aktivitäten ergänzt
werden.
Wesentliche Bedingung für
das Gelingen der Zusammenarbeit war, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln "Wir arbeiten für dieselbe Sache".
Auch die interne Kommunikation wurde
Zielgruppen spezifisch. Es ging darum, die Sprache der anderen Abteilung zu
lernen und in diesem Fall den Marketing-Slang abzulegen. Überzeugungsarbeit
wurde mit Zahlen, Daten, Fakten und Kenntnissen der rechtlichen
Rahmenbedingungen und des innerbetrieblichen Ablaufs geleistet.
Entscheidend für den Erfolg des Projektes war
es, alle beteiligten Gruppen der Orchesterorganisation frühzeitig mit
einzubinden, vor allem auch die Vertreter Gewerkschaft und regelmäßige Kommunikation zwischen den Abteilungen zu
unterstützen, klare Verantwortlichkeiten festzulegen, realistische Ziele zu setzen
und das Ergebnis der Neugestaltung so früh wie möglich über Besucherumfragen
bestätigen zu lassen.
Die Verkaufszahlen
sprachen nach der Umsetzung für sich. Die Tatsache, dass das künstlerische Team
das neue Format der Konzertreihen aufgriff und für eine Übergangszeit mit der
Gewinnung von externen Kuratoren weiterentwickelte, war für das gesamte CSO
Team ein Erfolgserlebnis. Auf diese Weise hatte eine ursprünglich im Marketing
geborene Idee nicht nur funktioniert, sondern hatte auch für den künstlischeren
Anspruch des Orchesters neue Impulse gebracht und war so, durch die enge
Teamarbeit von KP und Marketing, zu viel mehr geworden, als zu Beginn des
Prozesses zu erwarten war.
Mittwoch, 7. November 2012
Kulturpolitik im Wahlkampf
Die Museen boomen derzeit, viele Orchester retten sich
jedoch von Saison zu Saison. Die amerikanische Kulturlandschaft ist dynamisch
wie nie zuvor. Grund dafür sind versiegende oder neu sprudelnde Quellen von
Privatvermögen. Das Geld aus dem Goldenen Zeitalter der USA, der
Industrialisierung, versiegt so langsam an der Ostküste und im Mittleren
Westen. Die Orchester in Baltimore und Detroit haben bankrott angemeldet. Die
neuen Millionäre sitzen an der Westküste oder an den Ölquellen im Süden. Unvergleichlich
sind die Galas des Museum of Contemporary Art in Los Angelos, in den Südstaaten
findet ein regelrechter Museumsbau-Boom statt.
Der amerikanische Staat leistet sich für die direkte
Kulturförderung im Vergleich zu Deutschland bescheidene $146,3 Millionen. Das
ist die jährliche Fördersumme des National Endowment of the Arts (NEA) , der
diese an Kulturinstitionen als Projektförderungen weiter verteilt. In den
einzelnen Staaten gibt es ebenfalls bescheidene Kulturbudgets. Am Ende erhalten
die meisten Kulturinstitutionen keine direkte finanzielle staatliche Förderung.
Entsprechend der
kleinen Summen, die zu verteilen sind, gibt es wenig Lobbyarbeit für Kultur in
Washington. Americans for the Arts ist eine der wenigen Organisationen, die
versuchen, Einfluss zu nehmen. Die Organisation war auch auf dem Parteitag der
Republikaner mit Informationsveranstaltungen vertreten. Kurz vorher hatte der
republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney angekündigt, nicht nur den
Etat des NEA streichen zu wollen, sondern auch die Förderung für den National
Endowment of the Humanities (Wissenschaft ) und das Bildungsfernsehen (PBS).
Die indirekte Förderung durch Steuerfreiheit von gemeinnützigen
Kulturinstitutionen, die vergleichsweise grosse Freiheit bei Einnahmen aus dem
Geschäftsbetrieb und die Möglichkeit Spenden von der Steuer abzusetzen,
soll (erst einmal) erhalten bleiben.
Doch wie bereits im letzten Wahljahr werden wieder Stimmen laut, die die
Gemeinnützigkeit von Kulturorganisationen aufgrund der geringen Teilnahme der
Bevölkerung (˂ 10%) in Frage
stellen. Überlebenswichtig für die amerikanischen Kulturinstitutionen sind also
nicht die finanzielle staatliche Förderung sondern der Erhalt und Ausbau der
steuerlichen und legalen
Rahmenbedingungen.
Montag, 22. Oktober 2012
Von der Vitrine zum Web 2.0. Ein deutsch-amerikanischer Vergleich.
Teil 2
"The challenge is to get curators thinking like technologists and technologists thinking like curators." Ben Vershbow, NYPL Labs manager
Amerikanische Kulturinstitutionen haben, wenn es um Digitalisierung geht, mindestens 5 Jahre Vorsprung. Ein Glück für deutsche Kulturinstitutionen, denn wir müssen keine Pionierarbeit mehr leisten. Es gibt viele Best Practice Beispiele aus den USA und ein Blick auf die Arbeit des Brooklyn Museums und MoMA lohnt sich besonders.
Aber was ist es genau, was uns amerikanische Kulturinstitutionen voraus haben? Digitale Sammlungen, digitale Vermittlung und Social Media gibt es doch auch in Deutschland!
Vor kurzem habe ich eine kleine Kritik der Ausstellung "Im Netzwerk der Moderne. Will Grohmann" insbesondere am Beispiel der digitalen Elemente der Ausstellung versucht.
Ein schönes Beispiel, wir der beidseitige Wissenschaustausch zur grossen Bereicherung von Institution und Besucher aussehen kann, möchte ich am Beispiel der New York Public Library (NYPL) aufzeigen. Beim Projekt "What’s on the Menu" half die Öffentlichkeit, 10.000 im Bildformat digitalisierte historische Speisekarten aus der Sammlung der NYPL zu transkribieren. Dadurch wurden Metadaten zusammengetragen, die in einer durchsuchbaren digitalen Datenbank zusammengeführt werden. Dort können Forscher, Köche und Liebhaber Rezepte für bestimmte Zutaten suchen oder die Entwicklung von Alltagsrezepten nachvollziehen. Die Begeisterung der Öffentlichkeit war so groß, dass alle Speisekarten bereits nach drei Monaten transkribiert waren.
Auch wenn das Interesse am Projekt irgendwann sinkt und die Internetseite archiviert wird, werden die Metadaten für unsere Sammlung erhalten bleiben, erklärt Ben Vershbow, NYPL Labs manager. Wenn die Mitarbiter des NYPL Labs Projekte zum digitalen Engagement von Nutzern planen, stellen sie zwei Fragen: Ist es intern von Bedeutung? Ist es extern von Bedeutung?
"The challenge is to get curators thinking like technologists and technologists thinking like curators." Ben Vershbow, NYPL Labs manager
Amerikanische Kulturinstitutionen haben, wenn es um Digitalisierung geht, mindestens 5 Jahre Vorsprung. Ein Glück für deutsche Kulturinstitutionen, denn wir müssen keine Pionierarbeit mehr leisten. Es gibt viele Best Practice Beispiele aus den USA und ein Blick auf die Arbeit des Brooklyn Museums und MoMA lohnt sich besonders.
Aber was ist es genau, was uns amerikanische Kulturinstitutionen voraus haben? Digitale Sammlungen, digitale Vermittlung und Social Media gibt es doch auch in Deutschland!
Vor kurzem habe ich eine kleine Kritik der Ausstellung "Im Netzwerk der Moderne. Will Grohmann" insbesondere am Beispiel der digitalen Elemente der Ausstellung versucht.
Drei Kritikpunkte führte ich dort an: 1. Mir schien die
digitale Komponente ein Nachgedanke bei der Ausstellungsplanung gewesen zu sein
(Stichwort Integrierte Digitalisierung). 2. Über die Wissensvermittlung hinaus
gab es in dieser Ausstellung kein Angebot, die digitalen Geräte zur
reflektierten Interaktion zu nutzen. 3. Digitale Geräte vereinfachen auch den
beidseitigen Wissensaustausch zugunsten von Besucher und Institution, der in
dieser Ausstellung jedoch nur einseitig von Museum zu Besucher stattfand.
Ein schönes Beispiel, wir der beidseitige Wissenschaustausch zur grossen Bereicherung von Institution und Besucher aussehen kann, möchte ich am Beispiel der New York Public Library (NYPL) aufzeigen. Beim Projekt "What’s on the Menu" half die Öffentlichkeit, 10.000 im Bildformat digitalisierte historische Speisekarten aus der Sammlung der NYPL zu transkribieren. Dadurch wurden Metadaten zusammengetragen, die in einer durchsuchbaren digitalen Datenbank zusammengeführt werden. Dort können Forscher, Köche und Liebhaber Rezepte für bestimmte Zutaten suchen oder die Entwicklung von Alltagsrezepten nachvollziehen. Die Begeisterung der Öffentlichkeit war so groß, dass alle Speisekarten bereits nach drei Monaten transkribiert waren.
Auch wenn das Interesse am Projekt irgendwann sinkt und die Internetseite archiviert wird, werden die Metadaten für unsere Sammlung erhalten bleiben, erklärt Ben Vershbow, NYPL Labs manager. Wenn die Mitarbiter des NYPL Labs Projekte zum digitalen Engagement von Nutzern planen, stellen sie zwei Fragen: Ist es intern von Bedeutung? Ist es extern von Bedeutung?
Auch kurze Projekte können also sowohl schnell als auch
nachhaltig wirken. Hier wurde ein Trend (Amerikas Obsession mit dem ThemaNahrung und Hobbykochkultur) aufgegriffen, um neue Nutzer durch aktive
Einbindung für das Angebot der NYPL zu interessieren und durch die Sammlung von
Metadaten einen langfristigen Mehrwert für die Bibliothek zu schaffen.
Dienstag, 16. Oktober 2012
Von der Vitrine zum Web 2.0. Ein deutsch-amerikanischer Vergleich.
Teil 1
Die letzten beiden Wochen habe ich im Rahmen der Dresdner
Summer School 2012 mit 23 weiteren Geisteswissenschaftlern verbracht, um unter
dem Titel "Von der Vitrine zum Web 2.0" über Digitalisierung am Beispiel von Sammlungen in
Museen, Bibliotheken und Archiven in Deutschland zu diskutieren.
Im Vergleich zu den USA, wo ich als Direktorin des Westcott
Houses 2007 den Schritt in die Digitalisierung (der Sammlung, von
Ausstellungselementen und Social Media) eingeleitet hatte, liegt die Akzeptanz
und Verbreitung insbesondere von digitaler Vermittlung in Deutschland deutlich
zurück. Dafür scheint es meiner Ansicht nach zwei Gründe zugeben.
Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Auch bei
der Dresdner Summer School ging es wesentlich um die philosophische
Rechtfertigung des Themas. Walter Benjamins Aufsatz zum "Kunstwerk im Zeitalterseiner technischen Reproduzierbarkeit" von 1935-39 wurde in etwa 90%
aller Vorträge angeführt. Darüber hinaus ist die Digitalisierung in Deutschland
auch im privaten Bereich weniger fortgeschritten. Beispielsweise nutzen 30%
aller Deutschen die Social Media Plattform facebook, in den USA sind es 55% der
Bevölkerung. Grund genug, dass deutsche Kulturinstitutionen glauben, mit
sozialen Medien nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und insbesondere nicht
ihr Stammpublikum zu erreichen. 2010 habe ich als Marketing Direktorin des
Cincinnati Symphony Orchestra eine Besucherbefragung durchgeführt. Die
meistgenutzte Internetseite war facebook. Das galt für alle Altersklassen von
18 – 75 Jahren. Der Ansatz der US-Amerikanischen Kulturwissenshaftler ist deutlich
pragmatischer: Ein Grossteil der Bevölkerung nutzt Social Media und digitale
Geräte zum Lernen? Dann müssen wir dort auch sein!
Welche Themen und Gedanken uns in den zwei Wochen
beschäftigt haben, lässt sich auf dem Blog der Dresdner Summer School 2012
nachlesen.
Samstag, 6. Oktober 2012
Ein Blick nach Deutschland
Diese Woche nehme ich an der Dresden Summer School 2012 teil und blogge gemeinsam mit 23 weiteren ausgwählten Geisteswissenschaftlern zum Thema "Von der Vitrine zum Web 2.0 - Museen, Bibliotheken und Archive im digitalen Zeitalter".
http://dss.hypotheses.org/
Schauen Sie mal vorbei. Ich freue mich auf viele Kommentare!
Mittwoch, 19. September 2012
US-Orchester in der Krise 2012
Letzte Woche erreichte die Situation der amerikanischen
Orchester einen neuen Tiefpunkt: Die Tarifverhandlungen des Atlanta Symphony
Orchesters sind vorerst gescheitert und die Musiker vom Gelände verwiesen. Das
Indianapolis Symphony Orchestra sagte die ersten beiden Konzertwochenenden der
neuen Saison ab, nachdem die Gespräche mit der Gewerkschaft der Musiker zu keinem
Ergebnis führten. Im Kunst-Mekka Minneapolis projizieren das Minnesota
Orchestra und das St. Paul Chamber Orchestra Fehlbeträge in Millionenhöhe und
harte Verhandlungen mit den Musikern. Das San Antonio Orchestra hat ein Defizit
von $1 Million und keinen laufenden Vertrag für die Musiker. Nicht zu vergessen,
dass die Sinfonieorchester in Philadelphia und Louisville bereits im letzten
Jahr bankrott anmeldeten, in Detroit sechs Monate gestreikt wurde und nicht
wenige der 400 Berufsorchester am Rande des Abgrunds wirtschaften. Ein Albtraum
für alle Beteiligten!
WQXR, der Klassikradiosender aus New York City, stellte
seine Hörern die Frage: „What would help troubled American orchestras?“ 41%
wählten die Antwort „Hire managers and boards with better business skills.“
Jesse Rosen, Präsident und Geschäftsführer der League of
American Orchestras, kommentierte im Radiointerview, dass die Verantwortung
jedoch von Musikern, Management und Vorstand gleichermassen getragen werden
muss. Das Umfeld für Orchester hat sich massgeblich gewandelt und Orchester
sollten auch den Rat und Manager von ausserhalb der Industrie nicht scheuen.
Drew McManus , Orchester Consultant und Autor des Blogs Adaptistration betonte
die Wichtigkeit von professionellen Kulturmanagern, die zwischen Musik und
Wirtschaft vermitteln. Mit Blick auf die in seinem Blog veröffentlichten
Kompensationsberichte von Orchestergeschäftsführern, Musikdirektoren und
Orchestermusikern fügte er an, dass neben Orchestermusikern, Management und
Administration auch Musikdirektoren und Solisten in die finanzielle Verantwortung
gezogen werden müssten, wenn es um Budgetdeckung ginge.
Wie die Aufführungsorte den sich wandelnden Erwartungen der
Besucher angepasst werden und sich neue künstlerische Ideen bei Orchestern
durchsetzen, muss auch ein Wandel im Management von Orchestern stattfinden.
Neue Orchesterkleidung, tweet seats, das Klatschen zwischen den Sätzen – Vieles
findet mit der Zeit Akzeptanz wie inzwischen Neue Musik und Konzerteinführungen, so Jesse Rosen.
Was im Kleinen möglich ist, muss sich auch in innovativen Management-Strategien
verwirklichen.
Die Experten im Radiointerview waren sich einig, dass
allerorts Lösungen zu erwarten seien und keines der o.g. Orchester von der
Bildfläche verschwinden würde. Übrigens, das Milwaukee Symphony Orchestra ernannte
gerade einen Trompeter aus den eigenen Reihen zum neuen Präsident und
Geschäftsführer. Wir Kulturmanager sehen gespannt hin, ob dies die bessere Wahl
für das Management eines Orchesters ist.
Dienstag, 18. September 2012
What to do to earn a top nonprofit salary
According to
the Chronicle of Philanthropy´s new Nonprofit Executive Compensation Report it
is not always the president of an institution who earns top dollars. Reviewing
the list of best nonprofit earners three other candidates beat the president´s
salaries: experts with specialized knowledge, financial managers and
fundraisers. So, if you are looking to make top dollars within a nonprofit organization get expertise in these
respective fields!
Montag, 27. August 2012
Kulturpolitik im US-Wahlkampf
Kulturpolitik spielt im US-Wahlkampf aufgrund der geringen
Summen die vom Staat zur Verfügung gestellt werden eigentlich keine Rolle.
Trotzdem schaffte es der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt
Romney, eine Debatte über politische Kulturförderung anzufachen, als er
mitteilte, neben Förderungen für die Bahn (AMTRAK), das Bildungsfernsehen (PBS)
und die Wissenschaft (NEH) auch die direkte staatliche Kulturförderung (NEA) abschaffen
zu wollen. $155 Millionen erhielt der National Endowment of the Arts 2011, was 0.0009%
des US-Haushalts darstellt.
Das ist aus deutscher Perspektive so wenig, dass die Frage
aufkommt, was für eine Wirkung so wenig Fördergelder überhaupt haben können. Die
Vergabe der Förderungen durch den NEA erfolgt nach sehr kritischen und
detaillierten Richtlinien. Die Förderanträge umfassen of mehrere Hundert Seiten
und die Kulturinstitutionen werden neben der Programmarbeit auf
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geprüft. Ist dann eine Summe bewilligt
worden, wirkt das wie ein Gütesiegel und zieht weitere Förderungen durch die
einzelnen Staaten und private Stiftungen bis zu Privatpersonen nach sich.
Die indirekte Förderung durch Steuerfreiheit von anerkannten
Kulturinstitutionen, die vergleichsweise grosse Freiheit bei Einnahmen ausGeschäftsbetrieb und die Möglichkeit Spenden von der Steuer abzusetzen, bleiben
(erst einmal) erhalten.
Mitt Romney hat aber zugesagt, die von Präsident Obama ins
Leben gerufene STEM- Initiative zur Förderung von Science, Technology,
Engineering und Mathemathics an Schulen, weiter zu fördern. Dies sind die
Felder, die nach Ansicht vieler Wähler zukunftweisend für die USA sind. Besser
wäre es, die STEM-Initiative in STEAM – Science, Technology, Engineering, Arts
und Mathematics – umzuwandeln. Denn Kreativität und kritisches Denken sind
Kernkompetenzen zukünftiger Erfinder, Ingenieure und Wissenschaftler, die
massgeblich in den künstlerischen Fächern vermittelt werden.
Montag, 30. Juli 2012
Die Museumsbesucher – Ein deutsch-amerikanischer Vergleich
Seitdem ich auch in Deutschland regelmäßig Gruppen durchs Museum führe, sind mir grundlegende Unterschiede zwischen den deutschen und den amerikanischen Besuchern aufgefallen. Auf den Punkt gebracht heißt das, die Deutschen fragen viel weniger. In den letzten zehn Jahren habe ich die unterschiedlichsten Menschen durch das Art Institute of Chicago, Frank Lloyd Wright‘s Westcott House in Springfield, OH und das Contemporary Arts Center Cincinnati geführt und jedes Mal ergaben sich angeregte Gespräche über Kunst. In Deutschland bleiben die Besucher meistens still, nicht nur in meinen Führungen, nach meiner Beobachtung auch in den Führungen in denen ich als Besucherin teilnahm. Woran mag das liegen?
Sind wir Deutschen, wenn es um Kunst geht, sehr – vielleicht zu sehr – akademisch geprägt? Warum akzeptieren wir so scheinbar leicht, was uns von studierten Persönlichkeiten vorgetragen wird – was man als Akzeptanz von Deutungshoheit und Obrigkeitstreue deuten könnte? Wir können im Vergleich mit anderen Nationen doch sonst so kritisch sein.
Haben die Amerikaner eine andere Mentalität geprägt von Demokratie, wenig Hierarchie und der selbstverständlichen Ansprache beim Vornamen? Meistern die Menschen im Land der Immigranten, bei dem man sich in der Gesprächseröffnung mit einem lockeren "How are you?" auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt, den Einstieg in das Gespräch auch über Kunst im Kreise von Unbekannten einfacher?
Ich muss sagen, dass mir - im Unterschied zum Dozieren - bei Museumsführungen das möglicherweise weniger wissenschaftliche Gespräch über Kunst als Methode der Museumsführung besser zusagt. Wenn es gelingt, die Besucher zu einem Gespräch über Kunst anzuregen, sie zu animieren, ihre Gedanken in Worte zu fassen und sich aktiv mit der Kunst auseinanderzusetzen, bleibt nach meinem Eindruck mehr hängen.
Dienstag, 24. Juli 2012
My favorite quote of the day...
"One of the great challenges facing curators - of museums and journalistic content alike - is to make consumers' experience with what we produce engaging and that sometimes means it must be entertaining."
Read more about changes in the newspaper and museum business here bit.ly/MG0tjG
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