Die enorme Transparenz der finanziellen Details, vor allen Dingen auch von Gehältern, mag deutschen Kulturinstitutionen etwas befremdlich erscheinen – ist für amerikanische Kulturbetriebe, die um private Spenden konkurrieren müssen, aber unerlässlich.
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Dienstag, 2. Oktober 2018
Transparenz im amerikanischen Kulturbetrieb
Finanzielle Transparenz ist im
amerikanischen Kulturbetrieb von großer Wichtigkeit, möchten die Spender, die
den Großteil des Kulturbudgets finanzieren, doch genau wissen, wie mit ihrem Geld umgegangen wird. Not-for-Profit, das ist ein Steuerstatus, kein ethisches Gütesiegel Es gibt sehr
wenige öffentliche Kulturinstitutionen in den USA, die Mehrheit ist privat. Wer
also wacht darüber? Das Vereins- bzw. Stiftungswesen ist mit dem deutschen im
wesentlichen vergleichbar. Es gibt also Vorstand und verschiedene Organe die
rechenschaftspflichtig bzw. haftbar sind. Das Formular 990 ("Return of
Organization Exempt From Income Tax"), das Aufschluss über die Finanzen
gibt (inkl.
der höchsten Gehälter und Fundraisingkosten), ist öffentlich zugänglich. Verschiedene sogenannte Watchdog Organizations
haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Formulare im Internet zur Verfügung zu
stellen. Ebenso überwachen sie auch die Aktivitäten von gemeinnützigen
Kulturorganisationen kritisch und informieren die Öffentlichkeit, wenn sie
Maßnahmen entdecken, die dem öffentlichen Interesse zuwiderlaufen. Detaillierte
Berichte über die einzelnen Aktivitäten der Organisationen finden sich meist im
Jahresbericht, der u.a. auf der Internetseite der Organisationen zu finden ist,
sowie in Berichten der Förderer und Sponsoren. Die Berichte lesen sich immer
besonders schön und selbst dem geübten Blick auf das Formular 990 bleiben tatsächliche
finanzielle Aufwände und Zusammenhänge verborgen. Kulturmanagement Berater Drew
McManus gibt jährlich Einblick in die Vergütungstrends von Orchestern, indem er
nach Durchsicht der Formulare die Vergütungen von Musikdirektoren, Management
und Konzertmeistern publiziert. Untereinander gehen die Institutionen
erstaunlich offen miteinander um. Die League of American Orchestras,
Interessensverband der Amerikanischen
Orchester, der ca. 800 Orchester vertritt, führt die Orchester geordnet nach
Budget und Abteilung im monatlichen Telefonaustausch zusammen. Daran nehmen z.B. alle
Marketingdirektoren teil und tauschen
sich über ihre aktuellen Abozahlen, Besucherbindungsmaßnahmen, Preisnachlässe
usw. aus. Das gleiche Angebot gibt es für CEOs, sowie für Führungskräfte im Fundraising
und Betriebsbüro.
Die enorme Transparenz der finanziellen Details, vor allen Dingen auch von Gehältern, mag deutschen Kulturinstitutionen etwas befremdlich erscheinen – ist für amerikanische Kulturbetriebe, die um private Spenden konkurrieren müssen, aber unerlässlich.
Die enorme Transparenz der finanziellen Details, vor allen Dingen auch von Gehältern, mag deutschen Kulturinstitutionen etwas befremdlich erscheinen – ist für amerikanische Kulturbetriebe, die um private Spenden konkurrieren müssen, aber unerlässlich.
Mittwoch, 25. Juni 2014
Abgesang auf die klassische Musik
„Brünnhilde has packed her bags and moved to Boca Raton.”
In regelmäßigen Abständen wird in den amerikanischen Medien der endgültige Tod der klassischen Musik vorher gesagt. Diesmal war es das Slate Magazine, das eine kommentierte Datensammlung des rückläufigen klassischen Musikmarktes veröffentlichte: „Requiem. Classical music in America is dead.“Das empörte Echo der Kulturschaffenden auf eine solchen Artikel ist jedes mal groß. Ausserhalb der Branche wird die Diskussion jedoch kaum wahrgenommen.
Zusammengefasst sind die uns Kulturmanagern bekannten Argumente aufgeführt: Operninszenierungen werden immer teurer, das Publikum ist alt und weiß (Amerika ist jung und bunt), Rückgang der Kulturerziehung, fortschreitende Technologisierung, das Problem der Konzertrituale usw. Wir haben es schon oft gehört. Die CD Verkäufe klassischer Musik haben sich nicht erholt, das auf Spenden basierende Geschäftsmodell der Orchester läuft nicht mehr, klassische Radiostationen gehen pleite, es gibt immer weniger Musikkritiker. Das Umfeld für einen florierenden (klassischen) Musikmarkt bricht weg.
Unter den vielen Reaktionen, die zu diesem Artikel geschrieben wurden und die alle eine Widerlegung der Fakten versuchen, welche sich ebenfalls von Mal zu Mal wiederholt, waren diesmal zwei Reaktionen, die herausstanden:
Der New Yorker veröffentlichte als Antwort unter dem Titel „The Fat Lady Is Still Singing“ eine Zeitleiste, die beginnend im Jahr 1324 über die Jahrhunderte die Todesstöße der klassischen Musik auflistet. Mal sind Monteverdi oder Debussy, die neuen Instrumente wie die Violine oder das Klavier, neue Notationen, neue Technologien (Grammophone, CD, YouTube) und immer wieder das fehlende Geld am Untergang der klassischen Musik Schuld. Kaum zu glauben, dass es sie trotzdem noch gibt, die wieder und wieder totgesagte klassische Musik!
Die League of American Orchestras widmete dem Thema als Antwort auf den Slate Artikel eine gesamte Internetseite, die die Frage „http://www.isclassicalmusicdead.com/“ ein für alle Mal beantworten soll. Dies ist mit Sicherheit die humorvollste Reaktion auf die besagte Krise. Schauen Sie mal rein!
In regelmäßigen Abständen wird in den amerikanischen Medien der endgültige Tod der klassischen Musik vorher gesagt. Diesmal war es das Slate Magazine, das eine kommentierte Datensammlung des rückläufigen klassischen Musikmarktes veröffentlichte: „Requiem. Classical music in America is dead.“Das empörte Echo der Kulturschaffenden auf eine solchen Artikel ist jedes mal groß. Ausserhalb der Branche wird die Diskussion jedoch kaum wahrgenommen.
Zusammengefasst sind die uns Kulturmanagern bekannten Argumente aufgeführt: Operninszenierungen werden immer teurer, das Publikum ist alt und weiß (Amerika ist jung und bunt), Rückgang der Kulturerziehung, fortschreitende Technologisierung, das Problem der Konzertrituale usw. Wir haben es schon oft gehört. Die CD Verkäufe klassischer Musik haben sich nicht erholt, das auf Spenden basierende Geschäftsmodell der Orchester läuft nicht mehr, klassische Radiostationen gehen pleite, es gibt immer weniger Musikkritiker. Das Umfeld für einen florierenden (klassischen) Musikmarkt bricht weg.
Unter den vielen Reaktionen, die zu diesem Artikel geschrieben wurden und die alle eine Widerlegung der Fakten versuchen, welche sich ebenfalls von Mal zu Mal wiederholt, waren diesmal zwei Reaktionen, die herausstanden:
Der New Yorker veröffentlichte als Antwort unter dem Titel „The Fat Lady Is Still Singing“ eine Zeitleiste, die beginnend im Jahr 1324 über die Jahrhunderte die Todesstöße der klassischen Musik auflistet. Mal sind Monteverdi oder Debussy, die neuen Instrumente wie die Violine oder das Klavier, neue Notationen, neue Technologien (Grammophone, CD, YouTube) und immer wieder das fehlende Geld am Untergang der klassischen Musik Schuld. Kaum zu glauben, dass es sie trotzdem noch gibt, die wieder und wieder totgesagte klassische Musik!
Die League of American Orchestras widmete dem Thema als Antwort auf den Slate Artikel eine gesamte Internetseite, die die Frage „http://www.isclassicalmusicdead.com/“ ein für alle Mal beantworten soll. Dies ist mit Sicherheit die humorvollste Reaktion auf die besagte Krise. Schauen Sie mal rein!
Mittwoch, 19. September 2012
US-Orchester in der Krise 2012
Letzte Woche erreichte die Situation der amerikanischen
Orchester einen neuen Tiefpunkt: Die Tarifverhandlungen des Atlanta Symphony
Orchesters sind vorerst gescheitert und die Musiker vom Gelände verwiesen. Das
Indianapolis Symphony Orchestra sagte die ersten beiden Konzertwochenenden der
neuen Saison ab, nachdem die Gespräche mit der Gewerkschaft der Musiker zu keinem
Ergebnis führten. Im Kunst-Mekka Minneapolis projizieren das Minnesota
Orchestra und das St. Paul Chamber Orchestra Fehlbeträge in Millionenhöhe und
harte Verhandlungen mit den Musikern. Das San Antonio Orchestra hat ein Defizit
von $1 Million und keinen laufenden Vertrag für die Musiker. Nicht zu vergessen,
dass die Sinfonieorchester in Philadelphia und Louisville bereits im letzten
Jahr bankrott anmeldeten, in Detroit sechs Monate gestreikt wurde und nicht
wenige der 400 Berufsorchester am Rande des Abgrunds wirtschaften. Ein Albtraum
für alle Beteiligten!
WQXR, der Klassikradiosender aus New York City, stellte
seine Hörern die Frage: „What would help troubled American orchestras?“ 41%
wählten die Antwort „Hire managers and boards with better business skills.“
Jesse Rosen, Präsident und Geschäftsführer der League of
American Orchestras, kommentierte im Radiointerview, dass die Verantwortung
jedoch von Musikern, Management und Vorstand gleichermassen getragen werden
muss. Das Umfeld für Orchester hat sich massgeblich gewandelt und Orchester
sollten auch den Rat und Manager von ausserhalb der Industrie nicht scheuen.
Drew McManus , Orchester Consultant und Autor des Blogs Adaptistration betonte
die Wichtigkeit von professionellen Kulturmanagern, die zwischen Musik und
Wirtschaft vermitteln. Mit Blick auf die in seinem Blog veröffentlichten
Kompensationsberichte von Orchestergeschäftsführern, Musikdirektoren und
Orchestermusikern fügte er an, dass neben Orchestermusikern, Management und
Administration auch Musikdirektoren und Solisten in die finanzielle Verantwortung
gezogen werden müssten, wenn es um Budgetdeckung ginge.
Wie die Aufführungsorte den sich wandelnden Erwartungen der
Besucher angepasst werden und sich neue künstlerische Ideen bei Orchestern
durchsetzen, muss auch ein Wandel im Management von Orchestern stattfinden.
Neue Orchesterkleidung, tweet seats, das Klatschen zwischen den Sätzen – Vieles
findet mit der Zeit Akzeptanz wie inzwischen Neue Musik und Konzerteinführungen, so Jesse Rosen.
Was im Kleinen möglich ist, muss sich auch in innovativen Management-Strategien
verwirklichen.
Die Experten im Radiointerview waren sich einig, dass
allerorts Lösungen zu erwarten seien und keines der o.g. Orchester von der
Bildfläche verschwinden würde. Übrigens, das Milwaukee Symphony Orchestra ernannte
gerade einen Trompeter aus den eigenen Reihen zum neuen Präsident und
Geschäftsführer. Wir Kulturmanager sehen gespannt hin, ob dies die bessere Wahl
für das Management eines Orchesters ist.
Montag, 25. Juni 2012
Innovation für Sinfonieorchester
Die Konferenz der League of American Orchestras in Dallas stand dieses Jahr unter dem Motto "Innovation". Während Orchester in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle bei maßgeblichen Innovationen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. bei Musikaufnahmen, Rundfunkübertragungen, Filmen mit Soundtracks und Live-Fernsehsendungen) spielten und dadurch die Grenzen der Kunstform erweiterten, scheinen Orchester heute von der Fülle der Neuen Medien eher überwältigt , was dazu führt dass die Anwendung im Orchesteralltag nur verzögert erfolgt. Impulse zur Innovation kommen vielfach von außerhalb der Orchesterindustrie.
Ed Sanders von Google, der das YouTube Orchester Projekt leitete, sagt dazu: „ Die Institutionen, die nachweislich Innovation vorantreiben anstatt still zu stehen, sind diejenigen, die überleben werden. Sie können entweder vor Schreck erstarren oder sie können ein bisschen loslassen und sehen was passiert.“
Elizabeth Scott, die 12 Jahre in der 1. Baseball Liga der USA arbeite und gerade den neuen Posten als Chief Media Officer im Lincoln Center übernommen hat, beobachtete dass “wir in den Darstellenden Künsten allzu lang daran festgehalten haben zu bestimmen, was das Erlebnis unser Besucher sein wird, anstatt zu sagen: hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie sie dieses Erlebnis machen könnten.“ Im amerikanischen Profi-Sport hat man entdeckt, dass durch die Einstellung von Inhalten auf mehreren Plattformen ein Besucherzuwachs bei Live-Sportevents zu verzeichnen war. „Wenn sie mit spannendem Inhalt durch Medien die Tür öffnen, will das Publikum in die Halle kommen.“
Wegweisende Impulse für die Zusammenarbeit von Management und Gewerkschaften kamen bei dieser Konferenz von The United Auto Workers und der Ford Motor Company aus Detroit, die in der Krise ein neues Level der konstruktiven und kooperativen Arbeitsbeziehungen vereinbarten. Opfer und Flexibilität wurden von allen gefordert, doch die Vorteile für das Unternehmen und die Gewerkschaft sind einige Jahre später reichlich bewiesen.
Zusammenfassend sagte Brent Assink, Executive Director der San Francisco Symphony: „Die Zeit ist gekommen, die gleiche Kreativität, mit der wir Musik machen auf das Konzert und darüber hinaus auf das gesamte musikalische Erlebnis, das wir anbieten, anzuwenden… Innovation muss in der gesamten Institution geschehen.“
Videos von Vorträgen und Präsentation der 2012 League of American Orchestras Konferenz finden Sie hier http://www.americanorchestras.org/conference_2012/media.html
Montag, 12. März 2012
Minneapolis 2012

Um diese Jahreszeit ist es in Minneapolis im Bundestaat Minnesota bitterkalt. Damit man sich in der Innenstadt trotzdem bewegen kann gibt es ein 13 km langes überdachtes Wegesystem, den sogenannten Skywalk, der 69 Häuserblocks miteinander verbindet. Festivals, wie das „Art Shanty Festival“ finden dann auf dem Eis statt. Sobald der Frühling im Land der 10.000 Seen Einzug gehalten hat, werden Stadt und Umgebung zum Outdoor Paradies. Dann gestalten Künstler im Skulpturengarten des Walker Art Center einen Mini Golfplatz und die Open Air Konzertsaison beginnt.
Im letzten Jahr pilgerten über 1.000 Delegierte, Mitglieder der League of American Orchestras, nach Minneapolis, um die Lage der maroden Orchestersituation in den USA zu diskutieren. In der angrenzenden „Twin City“ St. Paul ließen sie sich vom innovativen Ticketmanagement des St. Paul Chamber Orchestras und dem Klang des Minnesota Symphony Orchestras inspirieren. Laut Alex Ross, Kritiker des New Yorker, klingt letzteres, „wie das beste Orchester der Welt.“
Unter dem Motto „Creative Community“ treffen sich im Mai 2012 tausende Künstler, Ehrenamtliche und Museumsmanager anlässlich der Konferenz der American Museum Association in Minneapolis – St. Paul. Ohne Zweifel wird das Walker Art Center mit seinen ausgezeichneten Ausstellungen und innovativem Museumsmanagement eine führende Rolle in den Diskussionen einnehmen. Schon lange sind die Mitarbeiter z.B. im Bereich Neue Medien und Soziale Netzwerke bei der Ausstellungsgestaltung und Kommunikation ganz vorne dabei.
Künstler und Museumsmanager sind die Innovatoren der US-Kulturbranche, deren Gipfeltreffen 2012 die Konferenz in Minneapolis- St. Paul sein wird. Die vorgestellten Projekte und der Austausch mit Kollegen können auch Ideen für andere Sparten- weltweit - inspirieren. Wenn Sie selber nicht dabei sein können, besuchen Sie diesen Blog vom 29. April bis 2. Mai, wo ich von der Konferenz berichten werde.
Mittwoch, 15. Juni 2011
League of American Orchestras, Eroeffnungsveranstaltung, 2011 Konferenz
Es geht den amerikanischen Orchestern schlecht, ganz schlecht. Aber im Gegensatz zu den Deutschen, die gerne problemorientiert diskutieren, werden negative Trends unter US-Orchestermanagern kaum ausgetauscht. Vor wenigen Tagen trat dann Jesse Rosen, Praesident der League of American Orchestras, Berufsverband der amerikanischen Orchester, anlaesslich der jaehrlich Konferenz ans Mikrofon und benannte die Probleme oeffentlich:
1. Sinkende Einnahmen bei steigenden Kosten
2. Spendenmuedigkeit
3. Qualitativ hochwertige Konzerte allein reichen nicht aus, um Orchester am Ueberleben zu halten
4. Musiker, Dirigenten und Verwaltung kommen zu langsam dem Publikumsbeduerfniss nach innovativen Konzerterlebnissen nach.
5. Waehrend die Bevoelkerung stetig bunter wird, sind 98% der Mitarbeiter und des Publikums weiss (Europaeischer Herkunft).
Die Anerkennung des Problems ist bekanntlich der erste Schritt zur Innovation, weshalb Jesse Rosen dann 3 Loesungsansaetze vortrug, die in diesem Video erlaeutert werden: http://www.youtube.com/watch?v=LQpOa2HrYFU&feature=player_embedded#at=462
1. Sinkende Einnahmen bei steigenden Kosten
2. Spendenmuedigkeit
3. Qualitativ hochwertige Konzerte allein reichen nicht aus, um Orchester am Ueberleben zu halten
4. Musiker, Dirigenten und Verwaltung kommen zu langsam dem Publikumsbeduerfniss nach innovativen Konzerterlebnissen nach.
5. Waehrend die Bevoelkerung stetig bunter wird, sind 98% der Mitarbeiter und des Publikums weiss (Europaeischer Herkunft).
Die Anerkennung des Problems ist bekanntlich der erste Schritt zur Innovation, weshalb Jesse Rosen dann 3 Loesungsansaetze vortrug, die in diesem Video erlaeutert werden: http://www.youtube.com/watch?v=LQpOa2HrYFU&feature=player_embedded#at=462
Freitag, 30. Juli 2010
Innovative Konzertformate

Der innovativste Ansatz, das Konzerterlebnis neu zu gestalten, wurde waehrend der League of American Orchestra Konferenz meiner Meinung nach vom New World Symphony Orchestra praesentiert.
Am 25. Januar 2011 wird der von Frank Gehry entworfene neue Campus, ein “Labor fuer Musikerziehung und Auffuehrung”, in Miami eroeffnet. Ueber dem, nach dem Weinberg-Prinzip mit zentralem Podium entworfenen Saal, schwebt eine Decke, die eine 360 Grad Projektionsflaeche bietet. Das heisst, visuelle Projektionen werden ein zentraler Bestandteil der Veranstaltungen sein.
Zur Bespielung des Saals sind vier verschiedene Formate vorgesehen:
1. Das 30-minuetige Konzert
Beginned um 19:30 und wiederholt um 20:30 Uhr wird ein halbstuendiges Konzert klassicher Musik aufgefuehrt. Werbung fuer die Konzerte soll ausschliesslich von einem sogennanten “Street Team” durchgefuhert werden, dass an der Promenade von South Beach fuer die abendliche Veranstaltung wirbt. Der Preis einer Karte wird $2.50 betragen.
An der Promenade direkt vor dem Saal spazieren jaehrlich 5 Millionen Menschen vorbei, ein grosser Vorteil des Standortes. Wer denkt bei diesem Angebot noch an Besucherentwicklung? Fuer $2.50 traut sich jeder in den Saal, insbesondere wenn man nur 30 Minuten still sitzen muss.
2. Das 1-stuendige Komponistenportrait
Fuer dieses Format ohne Pause, werden drei Bloecke mit ansteigen Sitzreihen hinter dem Podium ebenfalls als Buehne genutzt. Zentral sitzt das Sinfonieorchester, in den Bloecken dahinter weitere Ensembles, die abwechselnd Stuecke aus anderen musikalischen Gattungen (Chorwerke, Kammermusik etc.) desselben Komponisten spielen. Dazu werden thematische Projektionen and die Decke geworfen, die das Schaffen des Komponisten erlaeutern. Kartenpreis $25 auf allen Sitzen.
3. Das klassische Konzert...
...besteht auch in diesem Konzertsaal: Overture, Concerto, Pause, Sinfonie fuer das traditionelle Publikum, dazu gestaffelte Kartenpreise. Visuelle Projektionen dienen hier zur Einfuehrung in das Programm.
4. Disco Nights
Von abends 22 Uhr bis morgends um zwei legen DJs fuer das party-suechtige Publikum in Miami South Beach auf. Unterbrochen werden die Sets von Ensembles, die vielleicht im Kontrast klassische Musik oder zur Ergaenzung Zeitgenoessisches spielen. Auch hier betraegt der Kartenpreis $25.
Uebrigens, wer sich immer noch nicht in den Konzertsaal traut, kann das Geschehen von draussen im angrenzenden Park bei einem Glaesschen Sekt unter Palmen verfolgen. Alle Konzerte werden an die Aussenwand des Hauses projeziert. Mitsehen und -hoeren ist kostenlos.
Donnerstag, 17. Juni 2010
Orchestra League, Tag 1, Auftaktveranstaltung
Mehrere tausend Kulturmanager, Musiker und Berater versammelten sich am ersten Tag der Konferenz der League of American Orchestras zur Auftaktveranstaltung in Atlanta, Georgia. Nach einer grandiosen Auffuehrung von Ney Rosauros Konzert fuer Marimba und Orchester von einem lokalen Jugendorchester und den ueblichen Danksagungen und Begruessungen, trat der Hauptredner Ben Cameron von der Doris Duke Charitable Foundation ans Pult und brachte die aktuelle Lage der Orchester wortgewandt auf den Punkt. Die groesste Herausforderung fuer Orchester, sei nicht die wirtschatfliche Lage, sondern schwindende Besucherzahlen und Technologie mit dem Konzerterlebnis zu vereinen.
Alle bisher relativ konstanten demographischen Faktoren der US-amerikanischen Gesellschaft und somit des US-Kulturnutzer, Alter, Rasse, Geschlecht, Einkommen usw. veraendern sich derzeit radikal. Immer weniger Menschen sind aufgrund der gesellschaftlichen Veraenderung und dem rasanten Abbau von Musikerziehung mit dem traditionellen klassichen Konzerterlebnis vertraut. Das Publikum bleibt weg und dringend muessen neue Konzertformate, Vermittlungs- und Kommunkationswege gefunden werden. Alles ist auf dem Tisch.
Die juengere “on-demand-Generation” ist es gewohnt Computerspiele, Musik, soziale Netzwerke 24 Stunden am Tag abrufbereit zur Verfuegung zu haben. Wie kann da ein klassichen Konzert, zu fester Stunde und ausserhalb der eigenenn vier Waende mithalten?
Ben Cameron gab dem Plenum vier Fragen mit auf den Weg, an denen Orchester sich messen muessen:
1. Welchen Nutzen hat sinfonische Musik in meiner Gemeinde?
2. Was ist der Nutzen den sinfonie Musik allein bringt?
3. Welchen Schaden erleidet meine Gemeinde, wenn sinfonische Musik wegfaellt?
4. Ist mein Orchester so aufgestellt, dass ich mich diesen Frage und ihren Konsequenzen stellen kann?
Die naechsten Tage werden allen am Konzerterlebnis Beteiligten hoffentlich viele Ideen mit auf den Weg geben.
Alle bisher relativ konstanten demographischen Faktoren der US-amerikanischen Gesellschaft und somit des US-Kulturnutzer, Alter, Rasse, Geschlecht, Einkommen usw. veraendern sich derzeit radikal. Immer weniger Menschen sind aufgrund der gesellschaftlichen Veraenderung und dem rasanten Abbau von Musikerziehung mit dem traditionellen klassichen Konzerterlebnis vertraut. Das Publikum bleibt weg und dringend muessen neue Konzertformate, Vermittlungs- und Kommunkationswege gefunden werden. Alles ist auf dem Tisch.
Die juengere “on-demand-Generation” ist es gewohnt Computerspiele, Musik, soziale Netzwerke 24 Stunden am Tag abrufbereit zur Verfuegung zu haben. Wie kann da ein klassichen Konzert, zu fester Stunde und ausserhalb der eigenenn vier Waende mithalten?
Ben Cameron gab dem Plenum vier Fragen mit auf den Weg, an denen Orchester sich messen muessen:
1. Welchen Nutzen hat sinfonische Musik in meiner Gemeinde?
2. Was ist der Nutzen den sinfonie Musik allein bringt?
3. Welchen Schaden erleidet meine Gemeinde, wenn sinfonische Musik wegfaellt?
4. Ist mein Orchester so aufgestellt, dass ich mich diesen Frage und ihren Konsequenzen stellen kann?
Die naechsten Tage werden allen am Konzerterlebnis Beteiligten hoffentlich viele Ideen mit auf den Weg geben.
Montag, 14. Juni 2010
Orchestra R/Evolution

Zwei Tage noch bis zur Konferenz der League of American Orchestras, dem Verband der US-amerikanischen Orchester, von der ich Mittwoch bis Freitag taeglich aus Atlanta hier berichten werde. US-amerikanische Orchester stellen sich derzeit inhaltlich, betriebswirtschaftlich und strukturell grossen Herausforderungen. Die zentrale Frage lautet: "Wie koennen Orchester im 21. Jahrhundert relevant bleiben?" Zur Abstimmung stehen diese und drei weitere Fragen, von denen eine waehrend der Eroeffnungsveranstaltung diskutiert wird. Stimmen Sie mit ab und verfolgen Sie die Diskussion im live stream am 16. Juni um 21.40Uhr http://orchestrarevolution.org/?page_id=821
Welche Themen interessieren Sie darueber hinaus aus deutscher Perspektive? Welche Fragen darf ich fuer Sie waehrend der Konferenz an amerikanische Kollegen stellen und dann auf diesem Blog beantworten? Bitte stellen Sie Ihre Frage als Kommentar zu diesem Artikel. Dankeschoen!
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