Dienstag, 16. Oktober 2012

Von der Vitrine zum Web 2.0. Ein deutsch-amerikanischer Vergleich.

Teil 1

Die letzten beiden Wochen habe ich im Rahmen der Dresdner Summer School 2012 mit 23 weiteren Geisteswissenschaftlern verbracht, um unter dem Titel "Von der Vitrine zum Web 2.0" über Digitalisierung am Beispiel von Sammlungen in Museen, Bibliotheken und Archiven in Deutschland zu diskutieren.

Im Vergleich zu den USA, wo ich als Direktorin des Westcott Houses 2007 den Schritt in die Digitalisierung (der Sammlung, von Ausstellungselementen und Social Media) eingeleitet hatte, liegt die Akzeptanz und Verbreitung insbesondere von digitaler Vermittlung in Deutschland deutlich zurück. Dafür scheint es meiner Ansicht nach zwei Gründe zugeben.

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Auch bei der Dresdner Summer School ging es wesentlich um die philosophische Rechtfertigung des Themas. Walter Benjamins Aufsatz zum "Kunstwerk im Zeitalterseiner technischen Reproduzierbarkeit" von 1935-39 wurde in etwa 90% aller Vorträge angeführt. Darüber hinaus ist die Digitalisierung in Deutschland auch im privaten Bereich weniger fortgeschritten. Beispielsweise nutzen 30% aller Deutschen die Social Media Plattform facebook, in den USA sind es 55% der Bevölkerung. Grund genug, dass deutsche Kulturinstitutionen glauben, mit sozialen Medien nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und insbesondere nicht ihr Stammpublikum zu erreichen. 2010 habe ich als Marketing Direktorin des Cincinnati Symphony Orchestra eine Besucherbefragung durchgeführt. Die meistgenutzte Internetseite war facebook. Das galt für alle Altersklassen von 18 – 75 Jahren. Der Ansatz der US-Amerikanischen Kulturwissenshaftler ist deutlich pragmatischer: Ein Grossteil der Bevölkerung nutzt Social Media und digitale Geräte zum Lernen? Dann müssen wir dort auch sein!

Welche Themen und Gedanken uns in den zwei Wochen beschäftigt haben, lässt sich auf dem Blog der Dresdner Summer School 2012 nachlesen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Ein Blick nach Deutschland


Diese Woche nehme ich an der Dresden Summer School 2012 teil und blogge gemeinsam mit 23 weiteren ausgwählten Geisteswissenschaftlern zum Thema "Von der Vitrine zum Web 2.0 - Museen, Bibliotheken und Archive im digitalen Zeitalter".

http://dss.hypotheses.org/

Schauen Sie mal vorbei. Ich freue mich auf viele Kommentare!

Mittwoch, 19. September 2012

US-Orchester in der Krise 2012



Letzte Woche erreichte die Situation der amerikanischen Orchester einen neuen Tiefpunkt: Die Tarifverhandlungen des Atlanta Symphony Orchesters sind vorerst gescheitert und die Musiker vom Gelände verwiesen. Das Indianapolis Symphony Orchestra sagte die ersten beiden Konzertwochenenden der neuen Saison ab, nachdem die Gespräche mit der Gewerkschaft der Musiker zu keinem Ergebnis führten. Im Kunst-Mekka Minneapolis projizieren das Minnesota Orchestra und das St. Paul Chamber Orchestra Fehlbeträge in Millionenhöhe und harte Verhandlungen mit den Musikern. Das San Antonio Orchestra hat ein Defizit von $1 Million und keinen laufenden Vertrag für die Musiker. Nicht zu vergessen, dass die Sinfonieorchester in Philadelphia und Louisville bereits im letzten Jahr bankrott anmeldeten, in Detroit sechs Monate gestreikt wurde und nicht wenige der 400 Berufsorchester am Rande des Abgrunds wirtschaften. Ein Albtraum für alle Beteiligten!

WQXR, der Klassikradiosender aus New York City, stellte seine Hörern die Frage: „What would help troubled American orchestras?“ 41% wählten die Antwort „Hire managers and boards with better business skills.“

Jesse Rosen, Präsident und Geschäftsführer der League of American Orchestras, kommentierte im Radiointerview, dass die Verantwortung jedoch von Musikern, Management und Vorstand gleichermassen getragen werden muss. Das Umfeld für Orchester hat sich massgeblich gewandelt und Orchester sollten auch den Rat und Manager von ausserhalb der Industrie nicht scheuen. Drew McManus , Orchester Consultant und Autor des Blogs Adaptistration betonte die Wichtigkeit von professionellen Kulturmanagern, die zwischen Musik und Wirtschaft vermitteln. Mit Blick auf die in seinem Blog veröffentlichten Kompensationsberichte von Orchestergeschäftsführern, Musikdirektoren und Orchestermusikern fügte er an, dass neben Orchestermusikern, Management und Administration auch Musikdirektoren und Solisten in die finanzielle Verantwortung gezogen werden müssten, wenn es um Budgetdeckung ginge.

Wie die Aufführungsorte den sich wandelnden Erwartungen der Besucher angepasst werden und sich neue künstlerische Ideen bei Orchestern durchsetzen, muss auch ein Wandel im Management von Orchestern stattfinden. Neue Orchesterkleidung, tweet seats, das Klatschen zwischen den Sätzen – Vieles findet mit der Zeit Akzeptanz wie inzwischen Neue  Musik und Konzerteinführungen, so Jesse Rosen. Was im Kleinen möglich ist, muss sich auch in innovativen Management-Strategien verwirklichen.

Die Experten im Radiointerview waren sich einig, dass allerorts Lösungen zu erwarten seien und keines der o.g. Orchester von der Bildfläche verschwinden würde. Übrigens, das Milwaukee Symphony Orchestra ernannte gerade einen Trompeter aus den eigenen Reihen zum neuen Präsident und Geschäftsführer. Wir Kulturmanager sehen gespannt hin, ob dies die bessere Wahl für das Management eines Orchesters ist.

Dienstag, 18. September 2012

What to do to earn a top nonprofit salary


 
According to the Chronicle of Philanthropy´s new Nonprofit Executive Compensation Report it is not always the president of an institution who earns top dollars. Reviewing the list of best nonprofit earners three other candidates beat the president´s salaries: experts with specialized knowledge, financial managers and fundraisers. So, if you are looking to make top dollars within a nonprofit organization get expertise in these respective fields!

Montag, 27. August 2012

Kulturpolitik im US-Wahlkampf

Kulturpolitik spielt im US-Wahlkampf aufgrund der geringen Summen die vom Staat zur Verfügung gestellt werden eigentlich keine Rolle. Trotzdem schaffte es der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mitt Romney, eine Debatte über politische Kulturförderung anzufachen, als er mitteilte, neben Förderungen für die Bahn (AMTRAK), das Bildungsfernsehen (PBS) und die Wissenschaft (NEH) auch die direkte staatliche Kulturförderung (NEA) abschaffen zu wollen. $155 Millionen erhielt der National Endowment of the Arts 2011, was 0.0009% des US-Haushalts darstellt.

Das ist aus deutscher Perspektive so wenig, dass die Frage aufkommt, was für eine Wirkung so wenig Fördergelder überhaupt haben können. Die Vergabe der Förderungen durch den NEA erfolgt nach sehr kritischen und detaillierten Richtlinien. Die Förderanträge umfassen of mehrere Hundert Seiten und die Kulturinstitutionen werden neben der Programmarbeit auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geprüft. Ist dann eine Summe bewilligt worden, wirkt das wie ein Gütesiegel und zieht weitere Förderungen durch die einzelnen Staaten und private Stiftungen bis zu Privatpersonen nach sich.

Die indirekte Förderung durch Steuerfreiheit von anerkannten Kulturinstitutionen, die vergleichsweise grosse Freiheit bei Einnahmen ausGeschäftsbetrieb und die Möglichkeit Spenden von der Steuer abzusetzen, bleiben (erst einmal) erhalten.

Mitt Romney hat aber zugesagt, die von Präsident Obama ins Leben gerufene STEM- Initiative zur Förderung von Science, Technology, Engineering und Mathemathics an Schulen, weiter zu fördern. Dies sind die Felder, die nach Ansicht vieler Wähler zukunftweisend für die USA sind. Besser wäre es, die STEM-Initiative in STEAM – Science, Technology, Engineering, Arts und Mathematics – umzuwandeln. Denn Kreativität und kritisches Denken sind Kernkompetenzen zukünftiger Erfinder, Ingenieure und Wissenschaftler, die massgeblich in den künstlerischen Fächern vermittelt werden.

Montag, 30. Juli 2012

Die Museumsbesucher – Ein deutsch-amerikanischer Vergleich


Seitdem ich auch in Deutschland regelmäßig Gruppen durchs Museum führe, sind mir grundlegende Unterschiede zwischen den deutschen und den amerikanischen Besuchern aufgefallen. Auf den Punkt gebracht heißt das, die Deutschen fragen viel weniger. In den letzten zehn Jahren habe ich die unterschiedlichsten Menschen durch das Art Institute of Chicago, Frank Lloyd Wright‘s Westcott House in Springfield, OH und das Contemporary Arts Center Cincinnati geführt und jedes Mal ergaben sich angeregte Gespräche über Kunst. In Deutschland bleiben die Besucher meistens still, nicht nur in meinen Führungen, nach meiner Beobachtung auch in den Führungen in denen ich als Besucherin teilnahm. Woran mag das liegen?

Sind wir Deutschen, wenn es um Kunst geht, sehr – vielleicht zu sehr – akademisch geprägt? Warum akzeptieren wir so scheinbar leicht, was uns von studierten Persönlichkeiten vorgetragen wird – was man als Akzeptanz von Deutungshoheit und Obrigkeitstreue deuten könnte? Wir können im Vergleich mit anderen Nationen doch sonst so kritisch sein.
Haben die Amerikaner eine andere Mentalität geprägt von Demokratie, wenig Hierarchie und der selbstverständlichen Ansprache beim Vornamen? Meistern die Menschen im Land der Immigranten, bei dem man sich in der Gesprächseröffnung mit einem lockeren "How are you?" auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt, den Einstieg in das Gespräch auch über Kunst im Kreise von Unbekannten einfacher?

Ich muss sagen, dass mir - im Unterschied zum Dozieren - bei Museumsführungen das möglicherweise weniger wissenschaftliche Gespräch über Kunst als Methode der Museumsführung besser zusagt. Wenn es gelingt, die Besucher zu einem Gespräch über Kunst anzuregen, sie zu animieren, ihre Gedanken in Worte zu fassen und sich aktiv mit der Kunst auseinanderzusetzen, bleibt nach meinem Eindruck mehr hängen.

Dienstag, 24. Juli 2012

My favorite quote of the day...

"One of the great challenges facing curators - of museums and journalistic content alike - is to make consumers' experience with what we produce engaging and that sometimes means it must be entertaining." Read more about changes in the newspaper and museum business here bit.ly/MG0tjG

Montag, 25. Juni 2012

Innovation für Sinfonieorchester

Die Konferenz der League of American Orchestras in Dallas stand dieses Jahr unter dem Motto "Innovation". Während Orchester in der Vergangenheit eine Schlüsselrolle bei maßgeblichen Innovationen des 20. Jahrhunderts (wie z.B. bei Musikaufnahmen, Rundfunkübertragungen,  Filmen mit Soundtracks und Live-Fernsehsendungen) spielten und dadurch die Grenzen der Kunstform erweiterten, scheinen Orchester heute von der Fülle der Neuen Medien eher überwältigt , was dazu führt dass die Anwendung im Orchesteralltag nur verzögert erfolgt. Impulse zur Innovation kommen vielfach von außerhalb der Orchesterindustrie.
Ed Sanders von Google, der das YouTube Orchester Projekt leitete, sagt dazu: „ Die Institutionen, die nachweislich Innovation vorantreiben anstatt still zu stehen, sind diejenigen, die überleben werden. Sie können entweder vor Schreck erstarren oder sie können ein bisschen loslassen und sehen was passiert.“
Elizabeth Scott, die 12 Jahre in der 1. Baseball Liga der USA arbeite und gerade den neuen Posten als Chief Media Officer im Lincoln Center übernommen hat, beobachtete dass “wir in den Darstellenden Künsten allzu lang daran festgehalten haben zu bestimmen, was das Erlebnis unser Besucher sein wird, anstatt zu sagen: hier sind verschiedene Möglichkeiten, wie sie dieses Erlebnis machen könnten.“ Im amerikanischen Profi-Sport hat man entdeckt, dass durch die Einstellung von Inhalten auf mehreren Plattformen ein Besucherzuwachs bei Live-Sportevents zu verzeichnen war. „Wenn sie mit spannendem Inhalt durch Medien die Tür öffnen, will das Publikum in die Halle kommen.“
Wegweisende Impulse für die Zusammenarbeit von Management und Gewerkschaften kamen bei dieser Konferenz von The United Auto Workers und der Ford Motor Company aus Detroit, die in der Krise ein neues Level der konstruktiven und kooperativen Arbeitsbeziehungen vereinbarten. Opfer und Flexibilität wurden von allen gefordert, doch die Vorteile für das Unternehmen und die Gewerkschaft sind einige Jahre später reichlich bewiesen. 
Zusammenfassend sagte Brent Assink, Executive Director der San Francisco Symphony: „Die Zeit ist gekommen, die gleiche Kreativität, mit der wir Musik machen auf das Konzert und darüber hinaus auf das gesamte musikalische Erlebnis, das wir anbieten, anzuwenden… Innovation muss in der gesamten Institution geschehen.“

Videos von Vorträgen und Präsentation der 2012 League of American Orchestras Konferenz finden Sie hier http://www.americanorchestras.org/conference_2012/media.html

Dienstag, 12. Juni 2012

Ein neues Unternehmensmodell: Die Benefit Corporation – “Do Well By Doing Good”

Im Vergleich zu deutschen Kulturinstitutionen sind amerikanischen Kulturinstitutionen im kommerziellen Geschäftsbetrieb wenig Grenzen gesetzt. Zwar sind Aktivitäten, die keine direkte Ausführung der gemeinnützigen Mission bedeuten, wie zum Beispiel Einnahmen aus dem Verkauf von Versicherungen, Autos oder Glücksspiel, nicht steuerbefreit, solche Aktivitäten sind aber für amerikanische Kulturorganisationen erlaubt und oftmals überlebenswichtig. Während in Deutschland der Staat das beisteuert, was Kartenverkauf, Spenden und Sponsoring nicht abdecken können, sichern kommerzielle Aktivitäten oftmals das Überleben von US-Kulturorganisationen.
Seit 2010 haben sechzehn US-Staaten die sogenannte Benefit Corporation legitimiert, die als Geschäftsmodell insbesondere für Non-Profit Organisationen interessant sein könnte. Bei Benefit Corporations kann der finanzielle Gewinn sozialen und Umweltfaktoren untergeordnet werden, ohne dass die Gesellschafter dafür zur Rechenschaft gezogen werden können.  Die Idee ist dabei, Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen nicht immer zum günstigsten Preis kaufen, sondern die sozialverträgliche, „Fair Trade“, oder umweltfreundlichere Variante wählen. Die positiven Auswirkungen müssen Benefit Corporations dann offiziell nachweisen. Für Kulturinstitutionen könnte es zum Beispiel interessant sein, ein Restaurant in dieser Unternehmensform zu führen, um weiterhin den Gemeinnützigkeitsfaktor zu betonen. Das hat natürlich auch viel PR Potenzial.
Das Modell der Benefit Corporation hat Zukunft. Für junge US-Philanthropisten zwischen 20-30 Jahren sind Profit und Gemeinnützigkeit keine unvereinbaren Gegensätze. Neben der Demokratisierung der Philanthropie ist es ihnen ein Anliegen, Wirtschaftsmacht zu nutzen, um die Welt zu verändern – und zu verbessern. Das zeigt sich in ihrem ehrenamtlichen Engagement und zunehmend auch im Geschäftsleben.    

Mittwoch, 9. Mai 2012

Das US-Kulturbarometer

Die gemeinnützige Serviceorganisation für Künstler und Kulturinstitutionen, Americans fort the Arts, veröffentlicht jedes Jahr den sogenannten Arts Index, das US-Kulturbarometer. In dem kürzlich erschienenen Bericht wurde der Stand der Kulturindustrie anhand von 83 Kriterien für das Jahr 2010 überprüft. Analysiert werden zum Beispiel finanzielle Stabilität, ausreichende Kapazitäten, Innovation, Teilnahme und die Wettbewerbsposition in der amerikanischen Gesellschaft.
Interessanterweise folgt die Kulturbranche dem nationalen Konjunkturzyklus. Nach zwei Jahren deutlichen Abschwungs während der Großen Rezession 2008-08 geht der Trend leicht aufwärts. Die Werte liegen jedoch weiterhin deutlich unter den Benchmarks vor der Rezession. Hier sind weitere gute und schlechte Neuigkeiten, welche die US-Kulturinstitutionen unbedingt zum Handeln zwingen:
-          Zum ersten Mal seit 2003 steigen die Besucherzahlen. 32% der Erwachsenen besuchten die Darstellenden Künste (vorher 28%), 13% besuchten ein Museum (vorher 12%).
-          Die Anzahl der Kulturinstitutionen ist 2010 auf 113.000 gestiegen. Damit stieg die Anzahl in der letzten Dekade um 49% von 76.000 auf 113.000 und liegt damit über dem allgemeinen Nonprofit-Organisation Wachstum von 32% von 1,2 auf 1,6 Millionen.
-          Alarmierende 43% aller Kulturinstitutionen arbeiten mit einem operationellen Defizit und müssen am Ende des Finanzjahres Schulden machen oder in die Geldreserven greifen.
-          Die Kulturinstitutionen beweisen sich weiterhin als Wegbereiter für Kreatives. Zwischen 2005 und 2010 gab es einen 14-prozentiegen Anstieg von Auftragswerken für Oper, Theater, Film und sinfonische Werke, was zu 1.025 Premieren in 2010 allein führte.
-          Der Export von Kulturgütern (Filme, Malerei, Schmuck etc.) stieg um 12% von 56 auf 64 Milliarden USD. Die Kulturgüterimporte betragen nur 23 Milliarden USD, was zu einem satten Handelsüberschuss von 41 Milliarden USD führt.
-          24% der internationalen Besucher in den USA gehen ins Museum (2003 waren es 17%), 17% ein Theater oder ein Konzert (2003 waren es 12%).
-          Die Kulturausgaben der Verbraucher halten sich seit 2002 stetig bei 150 Milliarden (z.B. Eintritt, Musikinstrumente). Da der Konsum aber insgesamt gestiegen ist, sinkt der Anteil am Gesamtkonsum von 1,88% im Jahr 2002 auf 1,45% im Jahr 2010.
-          Arbeitsmarkt blieb für Künstler stabil. Die Zahl der selbstständigen Künstler steigt stetig.
-          Während die Kulturerziehung in Kindergärten und Schulen weiterhin sinkt, wächst die Rate von Kulturabschlüssen an den Universitäten kontinuierlich von jährlich 75.000 im Jahr 2000 auf 688.000 im Jahr 2009. Dazu tragen eine große Anzahl von Senioren, die an die Uni zurückkehren, bei.
-          Die Anzahl von Amerikanern, die aktiv an der Kultur teilnehmen bleibt relativ stabil. 19% aller Amerikaner besuchten in der letzten Dekade Kulturkurse. Die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter sank 2010 leicht.
-          Technologische Entwicklungen führen einen Wandel in der Kulturnutzung herbei. Seit 2003 wurden über die Hälfte aller Plattenläden in den USA geschlossen. Der Download von Singles ist jedoch im gleichen Zeitraum um das Siebenfache auf mehr als eine Milliarde jährlich gestiegen. 2009 machten Digitale Formate 41% aller Musikverkäufe in den USA aus, 2008 waren es 34%, 2007 noch 25%.
-          Spendengelder einwerben bleibt eine Herausforderung. Während sich die Spenden für die Kultur auf insgesamt 13,28 Milliarden USD vergrößerten, hat sich der Anteil an den gesamten Spendenvolumen von 4,9 auf 4,5% verringert. Wäre der Anteil mit 4,9% gleich geblieben, hätte das eine weitere Milliarde für die Kultur bedeutet.

Montag, 23. April 2012

Praktika für Fortgeschrittene

Ich empfehle Studenten gerne, ein Praktikum in den größten und renommiertesten internationalen Institutionen Ihres Interessensgebietes zu absolvieren. In den großen Häusern lernen Sie die verschiedenen Kulturmanagement-Spezialsierungen mit all ihren Ausprägungen kennen. Für viele ist das Praktikum die einzige Chance, große Betriebe von innen kennenzulernen, weil die Allermeisten doch nach dem Studium in einem kleinen Büro anfangen, wo jeder alles tut.

Versuchen Sie die Institution als Ganzes kennenzulernen und das Zusammenspiel der verschiedenen Abteilungen zu verstehen. Bitten Sie die Mitarbeiter anderer Abteilungen um einen Gesprächstermin und versuchen Sie, so viele wie möglich über deren Arbeit, Werdegang und Motivation zu erfahren. Was Sie über das Spezialwissen in Ihrem Interessensgebiet hinaus für Arbeitgeber interessant macht, sind Erfahrungen und innovative Ideen aus anderen Branchen.

Wenn Sie sich für Marketing, Kundenservice und das Trendthema „Storytelling“ interessieren, machen Sie ein Praktikum bei Walt Disney. Sie lernen dort nicht, wie man ein Museum in einen Erlebnispark umwandelt, sondern wie man strategisch und systematisch Besuchserlebnisse über verschiedenste Plattformen bis ins kleinste Detail plant und kommuniziert.

Interessieren Sie sich für Branding, Markenführung und Verkauf, machen Sie ein Praktikum im Starbucks Headquarter in Seattle. Die Erfolgsgeschichte und Internationalisierung der Marke, ist ein gutes Lernbeispiel, wie Marken auf einem globalisierten Markt bestehen können. Nicht nur durch das Internet sind viele deutsche Kulturmarken im Ausland vertreten. Wie man daraus zusätzlich Wert schöpfen kann, lässt sich hervorragend am Starbucks Beispiel lernen.

Wenn Sie sich für das Thema Innovation interessieren, empfehle ich ein Praktikum in Silicon Valley am besten bei facebook. Der Geschäftsbetrieb ist auf Innovation und Wachstum ausgelegt, von der Kantine, über die Büroorganisation bis zur internationalen Expansion gibt es in allen Abteilungen etwas für Kulturmanager zu lernen.

Ein künstlerisches oder kulturtheoretisches Studium sehen amerikanische Arbeitgeber übrigens nicht als Makel an, wenn Sie sich für ein Praktikum oder auch einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft bewerben. Die meisten Betriebe versuchen Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Ausbildungen einzustellen, um unterschiedliche Perspektiven zu gewinnen und damit Innovation voranzutreiben.

Mittwoch, 28. März 2012

Schlaue Köpfe

Wer zum Sommer noch einen Praktikumsplatz sucht, muss sich jetzt ranhalten. Hier sind meine Empfehlungen, bei wem man sich für den Bereich Museumsmanagement unbedingt bewerben sollte. Dies sind die innovativen Köpfe der Museumsbranche in den USA:

Besucherteilnahme
Nina K. Simon, Direktorin des Santa Cruz Museum of Art and History und Autorin des Blogs „Museum 2.0“. Ihre Recherche und Ideen zum Thema „participatory museum experiences“ finden in der Branche große Beachtung. Wer sich für den Bereich Besucherengagement und –teilnahme interessiert, kann hier wichtige Impulse erfahren und ganz sicher eigene Ideen einbringen.

Ausstellungs – und Programmplanung
Adam Lerner, seines Zeichens “Director and Chief Animator, Department of Fabrications”, Museum of Contemporary Art Denver führte u.a. die Vortragsreihe “Mixed Taste” ein, bei der wissenschaftliche, alltägliche und popkulturelle Themen nacheinander präsentiert und vom entsprechend breiten Publikum diskutiert werden. Ebenso innovativ sind seine Themen-orientierten Ausstellungen. „Most art museums want to be professional purveyors of art, but I want to capture the spirit of art, which may be more important than art itself”, so Lerner.

Pädagogische Programme
Jamie Thompson, Curator of Education, Contemporary Art Center Cincinnati. Jamie entwickelt Besucherprogramme für alle Altersstufen, die mit Hilfe von geschulten Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Für die Kulturvermittlung wird u.a. die sogenannte Visual-Thinking-Strategy angewandt, die ein Gespräch über Kunst auf allen Lernstufen ermöglicht und als Kommunikationstraining von den Mitarbeitern auch in Firmen durchgeführt wird.

Medien und Technologien
Shelly Bernstein, Chief of Technology, Brooklyn Museum. Shelly testet alle neuen Programme und Technologien auf ihre Museumstauglichkeit. Und dabei entstehen ganz kreative Projekte, wie zum Beispiel Click! A Crowd-Curated Exhibition. Für ihre ArtShare Facebook App gab’s sogar mehrere Preise.

Montag, 12. März 2012

Minneapolis 2012


Um diese Jahreszeit ist es in Minneapolis im Bundestaat Minnesota bitterkalt. Damit man sich in der Innenstadt trotzdem bewegen kann gibt es ein 13 km langes überdachtes Wegesystem, den sogenannten Skywalk, der 69 Häuserblocks miteinander verbindet. Festivals, wie das „Art Shanty Festival“ finden dann auf dem Eis statt. Sobald der Frühling im Land der 10.000 Seen Einzug gehalten hat, werden Stadt und Umgebung zum Outdoor Paradies. Dann gestalten Künstler im Skulpturengarten des Walker Art Center einen Mini Golfplatz und die Open Air Konzertsaison beginnt.
Im letzten Jahr pilgerten über 1.000 Delegierte, Mitglieder der League of American Orchestras, nach Minneapolis, um die Lage der maroden Orchestersituation in den USA zu diskutieren. In der angrenzenden „Twin City“ St. Paul ließen sie sich vom innovativen Ticketmanagement des St. Paul Chamber Orchestras und dem Klang des Minnesota Symphony Orchestras inspirieren. Laut Alex Ross, Kritiker des New Yorker, klingt letzteres, „wie das beste Orchester der Welt.“
Unter dem Motto „Creative Community“ treffen sich im Mai 2012 tausende Künstler, Ehrenamtliche und Museumsmanager anlässlich der Konferenz der American Museum Association in Minneapolis – St. Paul. Ohne Zweifel wird das Walker Art Center mit seinen ausgezeichneten Ausstellungen und innovativem Museumsmanagement eine führende Rolle in den Diskussionen einnehmen. Schon lange sind die Mitarbeiter z.B. im Bereich Neue Medien und Soziale Netzwerke bei der Ausstellungsgestaltung und Kommunikation ganz vorne dabei.
Künstler und Museumsmanager sind die Innovatoren der US-Kulturbranche, deren Gipfeltreffen 2012 die Konferenz in Minneapolis- St. Paul sein wird. Die vorgestellten Projekte und der Austausch mit Kollegen können auch Ideen für andere Sparten- weltweit - inspirieren. Wenn Sie selber nicht dabei sein können, besuchen Sie diesen Blog vom 29. April bis 2. Mai, wo ich von der Konferenz berichten werde.