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Freitag, 19. Mai 2023

Neue Formen des Engagements der digitalen Zivilgesellschaft

Digitale Technologien haben die Art und Weise, wie wir kommunizieren und konsumieren, stark verändert. Digitale Systeme und kollektives Handeln bedingen und prägen sich gegenseitig und eine positive Auswirkung dieser Entwicklung ist das Entstehen neuer Formen des Engagements der Zivilgesellschaft mithilfe digitaler Technologien.

Ein Beispiel ist das digitale Ehrenamtliche Engagement (Virtual Volunteering), das in den USA im Kultursektor weit verbreitet ist. Aber auch Impact Investment, Online Activism und Benefit Corporations sind aktuelle Formen des Engagements und Finanzmanagements, die gemeinnützige Zwecke unterstützen.

Lucy Bernholz, Direktorin des Digital Society Labs der Stanford University, gibt jährlich einen Bericht zum Thema „Philanthropie und digitale Zivilgesellschaft“ heraus. In dem Bericht werden Beobachtungen und Entwicklungen an der Schnittstelle von Philanthropie und digitaler Zivilgesellschaft verschiedener Autor:innen veröffentlicht. Er schließt jeweils mit einer Trend-Vorhersage für das aktuelle Jahr ab. Die Trends für das Jahr 2023 sind mehrheitlich USA-spezifisch, z.B. die Zunahme von „cy pres“-Finanzierungen aus Sammelklagen, in denen Schadensersatzansprüche anstatt vieler Kleinstbeträge an die Kläger einer gemeinnützigen Organisation zugesprochen werden. Dennoch gibt es zwei Entwicklungen, die auch in Deutschland Relevanz und Vorbildfunktion haben:

1.   1. Von den 2022 aus dem Technologie-Sektor Entlassenen wird es 2023 einen Start-up Boom geben, der auch zu einer Welle von „Tech for Good“-Initiativen führen wird. Die Formen des Engagements dieser Social Entrepreneurs sind wegweisend für den gemeinnützigen Sektor und die damit einhergehende Aktions- und Gebendenkultur von großer Bedeutung. Die Entwicklung hin zum Stakeholder Vorstand im Kulturbetrieb korrespondiert z.B. mit dem Verständnis vom Activist Investor aus der freien Wirtschaft.

2    2. Das Experimentieren mit der Bezahlung von digitalen Artefakten geht über den NFT-Hype weiter. Alternative Modelle, wie Patreon oder genossenschaftliche Eigentumsmodelle, gewinnen an Bedeutung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der zukünftige Wert von Künstler:innen und anderen Kreativen in diese Bezahlmodelle integriert werden kann. Hier ist die große Chance, den Kapitelmarkt in Bezug auf das Urheberrecht neu zu gestalten.


Dienstag, 12. Juni 2012

Ein neues Unternehmensmodell: Die Benefit Corporation – “Do Well By Doing Good”

Im Vergleich zu deutschen Kulturinstitutionen sind amerikanischen Kulturinstitutionen im kommerziellen Geschäftsbetrieb wenig Grenzen gesetzt. Zwar sind Aktivitäten, die keine direkte Ausführung der gemeinnützigen Mission bedeuten, wie zum Beispiel Einnahmen aus dem Verkauf von Versicherungen, Autos oder Glücksspiel, nicht steuerbefreit, solche Aktivitäten sind aber für amerikanische Kulturorganisationen erlaubt und oftmals überlebenswichtig. Während in Deutschland der Staat das beisteuert, was Kartenverkauf, Spenden und Sponsoring nicht abdecken können, sichern kommerzielle Aktivitäten oftmals das Überleben von US-Kulturorganisationen.
Seit 2010 haben sechzehn US-Staaten die sogenannte Benefit Corporation legitimiert, die als Geschäftsmodell insbesondere für Non-Profit Organisationen interessant sein könnte. Bei Benefit Corporations kann der finanzielle Gewinn sozialen und Umweltfaktoren untergeordnet werden, ohne dass die Gesellschafter dafür zur Rechenschaft gezogen werden können.  Die Idee ist dabei, Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen nicht immer zum günstigsten Preis kaufen, sondern die sozialverträgliche, „Fair Trade“, oder umweltfreundlichere Variante wählen. Die positiven Auswirkungen müssen Benefit Corporations dann offiziell nachweisen. Für Kulturinstitutionen könnte es zum Beispiel interessant sein, ein Restaurant in dieser Unternehmensform zu führen, um weiterhin den Gemeinnützigkeitsfaktor zu betonen. Das hat natürlich auch viel PR Potenzial.
Das Modell der Benefit Corporation hat Zukunft. Für junge US-Philanthropisten zwischen 20-30 Jahren sind Profit und Gemeinnützigkeit keine unvereinbaren Gegensätze. Neben der Demokratisierung der Philanthropie ist es ihnen ein Anliegen, Wirtschaftsmacht zu nutzen, um die Welt zu verändern – und zu verbessern. Das zeigt sich in ihrem ehrenamtlichen Engagement und zunehmend auch im Geschäftsleben.