Mittwoch, 16. Juni 2010

Orchestra League, Tag 1, Vor dem Startschuss

Eine Frage, die vor der Konferenz auf diesem Blog gestellt wurde und auf der Konferenz von mir mit Kollegen diskutiert wird lautet: “Was unternehmen amerikanische Orchester, um Latinos für Sinfoniekonzerte zu interessieren? Oder, wie werden Minderheiten von Orchestern angesprochen?“
Viel, ist die kurze Antowrt. Amerikanische Orchester tun viel, um ethnische Minderheiten fuer das klassiche, in der europaeischen Kulturtradition verwurzelte Konzerterlebnis zu begeistern.
Hier sind eininge Fakten zu diesem Thema. In Kalifornien, Texas, Washington D.C. und Hawaii sind sogenannte ethnische Minderheiten (Latinos, African Americans, Pacific Islanders, Asians, Native Americans) jetzt schon die Mehrheit. In Kuerze wird das auch in den Staaten Arizona, Mississippi, Maryland und New York ebenfalls der Fall sein. In Los Angelos bilden Latinos heute schon die Mehrheit bei den unter 18-jaehrigen. Einen jungen Venezuelaner wie Gustavo Dudamel dort als kuenstlerischen Leiter und Dirigenten einzusetzen, ist deshalb auch insbesondere aus der Marketingperspektive interessant.
Viele Fragen, zur Kommunikation mit Latinos z.B. Sprachpraeferenz, verfuegbares Haushaltseinkommen, mit welchem kulturellen Hintergrund identifizieren Latinos sich, sind vielerorts oftmals noch unbeantwortet. Dass es besonders intensiver Kommunikation bedarf, steht ausser Frage. In Kalifornien stellen Latinos mehr als 30% der Bevoelkerung dar, als Kulturnutzer sind sie mit einstelliger Prozentzahl vertreten. Mit Psychogrammen lassen sich oftmals bessere Vorhersagen treffen als mit demographischen Faktoren. Viele Studien sind auf dem Weg, die hoffentlich Aufschluss ueber Vorlieben und Verhalten geben. Fortsetzung folgt...

Montag, 14. Juni 2010

Orchestra R/Evolution


Zwei Tage noch bis zur Konferenz der League of American Orchestras, dem Verband der US-amerikanischen Orchester, von der ich Mittwoch bis Freitag taeglich aus Atlanta hier berichten werde. US-amerikanische Orchester stellen sich derzeit inhaltlich, betriebswirtschaftlich und strukturell grossen Herausforderungen. Die zentrale Frage lautet: "Wie koennen Orchester im 21. Jahrhundert relevant bleiben?" Zur Abstimmung stehen diese und drei weitere Fragen, von denen eine waehrend der Eroeffnungsveranstaltung diskutiert wird. Stimmen Sie mit ab und verfolgen Sie die Diskussion im live stream am 16. Juni um 21.40Uhr http://orchestrarevolution.org/?page_id=821

Welche Themen interessieren Sie darueber hinaus aus deutscher Perspektive? Welche Fragen darf ich fuer Sie waehrend der Konferenz an amerikanische Kollegen stellen und dann auf diesem Blog beantworten? Bitte stellen Sie Ihre Frage als Kommentar zu diesem Artikel. Dankeschoen!

Sonntag, 23. Mai 2010

Aktuelle Diskussion in den USA: Die Demokratisierung der Philanthropie

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, April 2010

Trotz eines deutlichen Rückgangs an Spenden (minus 5,7% in 2008 gegenüber 2007), gewinnt das Thema Philanthropie zunehmend an Popularität. Privatleute versuchen mehr und mehr ihre individuelle Mission mit ihrer Spendentätigkeit in Einklang zu bringen. In den vergangenen Jahrzehnten rangierten Kirchen und Universitäten an den ersten Platzen als Empfänger von Privatspenden. Den grössten Zuwachs verzeichnen Organisationen, die direkte Hilfs- oder Unterstützungsmassnahmen leisten, wie beispielsweise Arbeitsbeschaffung oder die Vergabe von Mikrokrediten.
Angeführt von der Nachkriegsgeneration, den Baby Boomers, vollzieht sich ein Wandel im Selbstverständnis der Spender. Der Fokus verschiebt sich von wachstumsorientierten zu einkommensschaffenden Investitionen in den humanitären und ökologischen Sektor. Auch die jüngeren Generationen „X“ und „Y“ stellen sich zunehmend sozialer Verantwortung.
Sogenannte donor-advised funds, Anlage-Fonds die von Stiftungen verwaltet werden und deren Erträge nach Präferenz der Anleger an gemeinnützige Zwecke vergeben werden, ermöglichen mit Start-Einlagen ab $5.000 heute einen deutlich erschwinglicheren Eintritt in die Philanthropie, als dies noch vor einigen Jahren möglich war.
Was können Kulturinstitutionen von dem Wandel im Selbstverständnis der Spender erwarten?
Der Wandel vollzieht sich vom distanzierten Mäzenatentum und Verwaltung zum geschäftsorientierten und persönlichen Ausführen der Mission. Mit der gleichen Sorgfalt, mit der vermögende Privatleute Spendenzwecke identifizieren, widmen sie sich auch dem Ehrenamt und der Vorstandsarbeit in Kulturinstitutionen. Es geht um mehr als darum zu repräsentieren – es geht darum, persönlich etwas zu bewegen. Die neuen Spender packen selber mit an und wollen aktiv an Problemlösungen teilhaben.
Von den Kulturinstitutionen wird damit mehr Bereitschaft zu „Inclusiveness“ abverlangt, um den Spendern Tätigkeitsfreiräume zu gewähren. Damit verbunden ist allerdings auch die Möglichkeit zu noch stärkerer Einbindung der Institutionen in die örtliche Gemeinschaft.

Freitag, 26. März 2010

Trends Besucherforschung

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Februar 2010
Der durchschnittliche US-Kulturbesucher ist weiß, über 45 Jahre, überdurchschnittlich gebildet (mindestend ein Masterabschluss)und verfügt über ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Diese Charakterisierung galt seit Gründung der ersten US-Kulturinstitutionen im 19. Jahrhundert. Doch wie lange noch?
Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag der League of American Orchestras (Verband der amerikanischen Orchester) eine Besucherstudie erstellt, die Mitte Dezember veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse, die mit der bereits im Juni veröffentlichten Besucherstudie des National Endowment of the Arts (Bundesbehörde für Kultur) übereinstimmen, sollten US-Kulturmanager alarmieren. Die kombinierten Ergebnisse zeigen einen Rückgang von 29% an Besuchern im Bereich klassiche Musik seit 1982, 20% davon allein seit 2002. Zwar sind diese Zahlen vergleichbar mit dem Rückgang an Besucherzahlen in anderen Sparten der darstellenden Künste, doch eine Frage bleibt: Wo sind die Besucher? Der von Orchestern kürzlich berichtete Besucherzuwachs lässt sich auf die gesteigerte Teilnahme von Mehrfachbesuchern zurückführen. Der Anteil der Gesamtbevölkerung, welcher an kulturellen Ereignissen teilnimmt, sinkt weiter. Die Besucher ergrauen auch schneller als die allgemeine Öffentlichkeit. Lag das Besucherdurchschnittsalter 1982 noch bei 40 Jahren, war es im Jahr 2008 auf 49 Jahre gestiegen. Das Durchschnittsalter der US-Bevölkerung stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 45 Jahre. Laut den Studien sinkt die Teilnahme auch bei den bisher so verlässlichen Senioren und überdurchschnittlich gebildeten Besuchern. Und ein weiterer Trend ist jetzt schon vorhersehbar: 2018 wird der Anteil der lateinamerikanischstämmigen Bevölkerung bei 20% liegen. Wie kann die europäische Kulturtradition – Konzerthaus, Museum, Ballett, Oper und Theater – relevant bleiben? Die Ausrichtung der Programme auf eine weiße Elite stößt seit Jahrzehnten auf Widerstand, was zur Gründung und politischen Förderung von Audience Development-, Diversity- und Inclusion-Aufgabenund -Initiativen führte. Die US-Kulturmanager müssen jezt ihre Hausaufgaben machen: Programmgestaltung für eine junge, an Neue Medien gewöhnte Generation und Besucher, die nicht in der europäischen Kulturtradionverwurzelt sind, sind nur zwei von vielen zukünftigen Aufgaben.
Es bleibt spannend.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Jobbeschreibung Musikdirektor

Vor zwei Wochen teilte die Praesidentin des Chicago Symphony Orchestras einer Gruppe von Kulturmanagern mit, wie hoch erfreut man ueber das Engagement Riccardo Muti's als Musikdirektor sei (insbesondere weil er den Posten bei den NY Phil abgelehnt hatte). Mit ihm wuerde eine neue Aera des Orchesters beginnen und die Partnerschaft mit Muti reiche weit ueber das Podium hinaus.
Cincinnati und Philadelphia sind noch auf der Suche nach neuen Musikdirektoren und das Anforderungsprofil ist enorm. Nicht nur muss die Chemie zwischen Orchester und Musikdirektor in seiner Funktion als erster Dirigent stimmen, auch ein Charisma, welches das Publikum mitreisst, muss vorhanden sein. Der erste Wohnsitz sollte beim jeweiligen Orchester sein, damit der MD fuer vielfaeltige Veranstaltungen zur Verfuegung steht. Vorspiele, Fundraising und Oeffentlichkeitsarbeit sind mindestens ebenso wichtige Aufgaben, wie das Proben und Konzertieren.
"From my years in Philadelphia I know exactly what I'm expected to do as music director of an American orchestra," Mr. Muti said. "To be music director of an American orchestra doesn't mean only to try to make good music with the orchestra for the audience that comes to the hall but to serve the community."
Es geht also neben der musikalischen auch um organisatorische und kommunikative Kompetenzen. Endloses "schmusen" mit Spendern auf Fundraising Veranstaltungen und Sprechen in der Oeffentlichkeit sind keine angeborenen Talente. Und die Selbstverstaendlichkeit mit der die Verfuegbarkeit des MD angenommen wird, verschlaegt so manchem Europeaer die Sprache. Das gilt im uebrigen auch fuer Solisten. Selbst wer in Europa auf dem hoechsten Ross sitzt, schaut beim Amerika-Gastspiel nach dem Konzert schnell noch mal auf ein Bierchen bei der Studenten-Nacht vorbei, um dann zwei weitere Stunden mit dem MD auf einer Fundraising Party zu verbringen. Alles zielt darauf hin, Engagement und Buergernaehe zu demonstrieren.
Zwei Faktoren liessen die Abo-Zahlen amerikanischer Ochester traditionell in die Hoehe schiessen, der neue Muskdirektor oder der neue Konzertsaal. Dies gelang in dieser Saison weder mit dem neuen MD in New York noch in Los Angelos.
Ein Grund mehr fuer den Musikdirektor, sagen die amerikanischen Orchestermanager, sich unters Volk zu mischen und Freunde fuer das Orchester zu gewinnen.

Montag, 25. Januar 2010

Der US-Kulturindex

Letzte Woche veroeffentlichte die nonprofit Organisation "Americans for the Arts" den ersten National Arts Index. Anhand vom 76 Kriterien, darunter z. B. Einkuenfte aus Lizenzen, Ticketverkaeufe am Broadway, Museumsbesuche, Spenden und die Anzahl von Kunststudenten, wird die Lage der Kulturbranche beurteilt. Fuer das Jahr 2008 fiel der Index um 4.2 Prozentpunkte, was auf weniger Teilnahme und den Rueckgang von Spenden zurueckzufuehren ist.

Hier sind einige der Kernpunkte:
- Die Anzahl der nonprofit Kulturinstitutionen ist von 73,000 im Jahr 1998 auf 104,000 im Jahr 2008 gestiegen. Nur eine von drei Institutionen konnte dabei auch waehrend der besten Wirtschaftslage kostendeckend wirtschaften.
- Die Kulturindustrie folgt dem Wirtschaftszyklus und ist direkt abhaenging von Konsumausgaben. Ein Aufschwung wird erst fuer das Jahr 2011 voraus gesagt.
- Die Kulturteilnahme steigt ueber das Internet, in ethnisch- und kulturspezifischen Organisationen sowie als Hobby (malen, toepfern, musizieren usw.). Die Teilnahme an Programmen grosser Kulturinstitutionen sinkt stetig.
- Die Kulturinstituionen haben einen Teil ihres Marktanteils im Bereich Spenden an andere gemeinnuetzige Zwecke darunter Internationales, Umweltschuz und Katastrophenhilfe verloren.
- Die Nachfrage nach Kunsterziehung steigt fuer die Alterklassen High School und College Studenten (14 - 22 Jahre).

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Patron Service Model

Autorin SOR, Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, Dezember 2009
Ein neues Organisationsmodel für die Bereiche Marketing und Development gewinnt unter amerikanischen Orchestern zunehmend an Popularität. Das sogenannte Patron Services Model vereint die traditionell getrennt geführten Abteilungen Marketing = Kartenverkauf und Development = Fundraising. Ziel dieser Zusammenlegung von Resourcen ist, mit aufeinander abgestimmten Marketing- und Developmentaktivitäten, die Einnahmen aus beiden Bereichen pro Kunde bzw. Haushalt zu optimieren.
Diese Einnahmen stehen in der Regel in proportionalem Verhältnis zueinander. Je höher die Besuchsrate von Konzerten und Events pro Kunde, umso höher die Bereitschaft zu spenden und grössere Summen zu spenden.
Basierend auf ihren Beteiligungsgrad werden die Kunden in verschiedene Segmente etwa Neukunden, Stammkunden und VIP Kunden unterteilt. Jedes Mitarbeiterteam gestaltet dann die Marketing und Development Kommunikation für jeweils ein Kundensegment. Die Kunden mit dem grössten Aktivitäts-Portfolio werden individuell betreut (Stichwort Private Banking), im Neukunden Segment betreut ein Mitarbeiter tausende Kunden. Der Vorteil ist, dass VIP Kunden z.B. Vorstandsmitglieder niemals um eine grosse Summe gebeten werden, nachdem sie gerade das 22-Konzerte-Abonnement verlängert haben. Für ein anderes Segment kann es bedeuten, dass einen Massenaufruf zu Kleinstspenden (Annual Campaign) nicht zeitgleich oder gerade zeitgleich mit dem Ausverkauf von Restkarten stattfindet.
Idealerweise findet die Koordination all dieser Massnahmen auch in Betrieben statt, in denen die Abteilungen Marketing und Development getrennt geführt werden. In der Alltagspraxis ist die Kommunikation jedoch oftmals weniger optimal und die Kunden (Patrons) weniger transparent. Von grosser Bedeutung für die Koordination der Bereiche ist eine Marketing/Development Software, die die Speicherung aller relevanten Kundendaten und Aktivitäten ermöglicht. Ein Blick auf ein Patron Services Organigramm zeigt, dass für die Auswertung der Kundendaten ein Heer an Mitarbeitern benötigt wird, um daraus zielgruppenspezifische Kommunikation und Angebote zu entwickeln.
Das Kundenfeedback zum neuen Servicemodel ist durch die Branche hinweg sehr positiv. Intern wird an der Optimierung des Patron Service Model, das z.B. in Detroit seit einem Jahr in Betrieb ist, wird weiterhin gearbeitet: Eine logische Eingliederung der Bereiche externe Kommunikation also Werbung und PR, Kartenbüro, Internetseite und auch Art Direktion gibt es bei diesem Modell nicht.

Montag, 7. Dezember 2009

Art Basel Miami

Als die Galeristen am Samstag neue Ware haengten, war es nicht wie im letzten Jahr die zweite Garnitur mit B-Preisen. Diesmal rueckte Ware nach, da tatsaechlich verkauft wurde. Besonders erfolgreich waren die Galeristen, welche mit kleinen Formaten angereist waren. Rote Punkte auf allem was unter $5,000 verkauft wurde. Und ein zweiter Trend liess sich beobachten: Noch nie war die klassische Moderne auf einer Messe fuer Zeitgenoessische Kunst so stark vertreten. Sammler und Galeristen gingen auf Nummer sicher. Auch in der Art Positions section, dem Bereich fuer junge Galeristen, diesmal in den raeumlichen Mittelpunkt gerueckt, fand sich wenig Halsbrecherisches. Marc Spiegler, Leiter der Art Basel Miami, hatte selbst zum Hoerer gegriffen, um die letzten Plaetze zu fuellen. Die grossen Parties fanden auch in diesem Jahr nicht statt. Aber es gab reichlich Grund zum Laecheln.

Mittwoch, 25. November 2009

Fotos Bitte!

Fotografieren im Museum, Ja oder Nein? Vielfach diskutiert von der New York Times bis zum Diskussionsforum der Amerikanischen Museum Association Museum-L listserv. In der Praxis hat sich bisher wenig geaendert.
Waehrend Museen mit vornehmlich interaktiven Ausstellungsstuecken wie z.B. Kinder- und Wissenschaftsmuseen locker mit Privataufnahmen im Ausstellungsraum umgehen, verfolgen insbesondere Kunstmuseen die strenge Ausfuehrung der "Zero-Picture-Policy". Die Gruende sind durchaus nachzuvollziehen.
Fuenf Gruende warum das Fotografieren in den meisten amerikanischen (und deutschen) Museen immer noch verboten ist:

1. Schutz des geistigen Eigentums
Museen sind durch verschiedenste Vertraege und das Gesetz, zum Schutz des geistigen Eigentums von Kuenstlern und Kreativen verpflichtet. Oftmals ist es einfacher, eine fuer alle Ausstellungsstuecke restriktive Regel zu vertreten.

2. Konservierung
Blitzlicht beschaedigt die Kunstwerke. Kuratoren argumentieren, dass eine hellere Beleuchtung, die Fotos ohne Blitzlicht ermoeglicht, den Kunstwerken auf Dauer ebenfalls schadet.

3. Einnahmen
Wenn die Besucher ihre eigenen Aufnahmen machen, kauft dann noch einer die Kataloge und Postkarten im Museumsshop?

4. Aesthetik
Fotografieren kann andere Besucher stoeren insbesondere Gruppenaufnahmen oder unangemessene Gesten (in der Antikensammlung).

5. Sicherheit
Mit Fotoapparat und Videokamera laesst sich ein Museum herrlich ausspionieren.

Nina Simon, die den fantastischen Blog Museum 2.0 schreibt, fuehrt in einem kuerzlich veroeffentlichten Artikel fuenf Grunde an, warum das Fotografieren in Museen gestattet sein sollte:

1. Besuchern Moeglichkeiten bieten
Solange die Sicherheit von Kunst oder Besuchern nicht gefaehrdet ist und kein illegales Verhalten ermutigt wird, sollten Museen Besuchern bekannte und bequeme Moeglichkeiten bieten, sich mit Kunst vertraut zu machen.

2. Teilnahme im Leitbild verankern
Wie kann sich ein Besucher als "Teilhaber" eines Museums fuehlen, wenn er als erstes gefragt wird, seine Kamera (Handy) wieder einzustecken?

3. Erinnerungen schaffen
Studien zeigen, dass persoenliche audio und visuelle Aufnahmen helfen, Erlebnisse
und Inhalte besser zu erinnern.

4. Persoenliche Erinnerungen
Mutti zu Fuessen der Nike - Wer eine meisterhafte Aufnahme der Skulptur will, wird diese immer noch im Museumsshop kaufen.

5. Bilder veroeffentlichen
Ist es tatsaechlich so schlimm, wenn jemand seine Fotos aus dem Museum auf flickr einstellt? Ist das nicht die Form von authentischem Maketing, die sich jeder Kulturmanager wuenscht? Und wie wiegt man den etwaigen Verlust von Postkartenverkaeufen gegen die durch flickr Fotos gewonnene Kunden auf?

Mir scheint eine grosszuegige Fotoregelung wegweisend fuer eine besucherorientierte Institution und aktive Besucherteilnahme. Was sagen Sie dazu?

Freitag, 13. November 2009

Statistik

Amerikanische Kulturinstitutionen versuchen alles: Twitter, Facebook, YouTube und mehr. Der Grund: Millionen Menschen sind schon dort.

- 4/5 aller US-Amerikaner sind in digitalen sozialen Netzwerken aktiv
- Facebook ist mit 250 Millionen Nutzern das viertgroesste Land der Welt
- dessen "Bewohner" 4 Milliarden Minuten am Tag auf Facebook verbringen
- 50% aller Facebook Nutzer checken ihren Status mindestens einmal am Tag
- 30% aller Facebook Nutzer sind in den USA

Internet-Nutzer
- Kreative (24%) erstellen und veroeffentlichen von Informationen
- Kritiker bewerten und rezensieren von Inhalten
- Sammler tagging und organisation z.B. von links und gruppen
- Mitmacher(50%) Mitglied in sozialen Netzwerken
- Beobachter lesen Blogs, gucken videos
- Inaktive (18%) keine Teilnahme

Teenager lieben Facebook und SMS. Die Zahl der 18-24 bei Twitter steigt, seitdem amerikanische Starts wie Britney Spears, Ashton Kutcher und Miley Cyrus das Tweeden fuer sich entdeckt haben.

- Facebooks Nutzer sind meist weiblich und ueber 35
- Twitters ca. 30 Millionen Nutzer sind zumeist maennlich
- MySpace hat eine junge Zielgruppe von Tweens
- LinkedIn wird hauptsaechlich als Business Netzwerk genutzt
- Second Life hat ein wenig von seinem Glanz verloren und die Nutzerzahl sinkt

Welches ist Ihre Zielgruppe? Haben Sie das ideale Netzwerk gefunden?

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Kulturpolitik: Die Zukunft der Kulturinstitutionen

Erschienen im Newsletter "Kultur - Management - Politik", Raabe Verlag, September 2009
Im Juni veröffentlichte der National Endowment for the Arts eine Studie, die belegt, dass Kulturbesuche seit 1982, dem Jahr der ersten Untersuchung, kontinuierlich in allen Sparten (Jazz, Klassische Musik, Oper, Musicals, Theater, Ballett) um bis zu 31% abnahmen. Diese alarmierenden Zahlen entfachten in den USA einmal mehr die Debatte über die Relevanz von Kulturinstitutionen. Dass die Angebote der Kulturinstitutionen nur von einem geringen Teil der Bevölkerung genutzt werden und trotz Steuerbefreiung Eintrittsgelder verlangt werden, heizt die Debatte um die steuerliche Bevorzugung von Kulturinstitutitonen weiter an. Kulturmanager müssen sich nicht nur vermehrt in der Öffentlichkeit rechtfertigen, sondern sich ebenfalls kritischen Fragen von Seiten der Politiker stellen.
Rückenstärkung kommt aber doch zumindest für amerikanische Orchester aus dem Bereich der Lobbyisten in Washington, von denen 95% überzeugt sind, dass Orchester Qualität und „excellence“ für die Gesellschaft bedeuten. Popkultur und Konsum bestimmen den amerikanischen Alltag und Orchester und alle anderen Kulturinstitutionen können durch ihr Angebot dazu einen Ausgleich schaffen. In Zukunft müssen sich amerikanische Kulturinstitutionen verstärkt im Bereich Bildung für alle Altersklassen und alle sozialen Schichten engagieren, um relevant zu bleiben und Qualität zu sichern. Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus und sollten Kulturinstitutionen aktiv an der Zukunftsplanung teilnehmen? Kulturinstitutionen stehen vor der Herausforderung nicht nur ihr oftmals in der Europäischen Kulturtradition wurzelndes Produkt für einen zunehmend multi-kulturellen amerikanischen Markt zu erneuern sondern darüber hinaus auch mit einem grossen Teil der Bevölkerung Austauschbeziehungen zu entwickeln. Finanzielle Transparenz schaffen, künstlerische Qualität anbieten und durch kulturelle Bildung Investitionen in die Gesellschaft tätigen – dies sind nur einige der Herausforderungen von Kulturinstitutionen. Schnelles Handeln ist gefordert und möglicherweise werden am Ende des Prozesses Kulturinstitutionen in veränderter Organisationform und mit neuer Mission stehen.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Der stille Kurator

ist in diesem Herbst die Rezession.
Vergeblich wird der Museumsbesucher nach sogennanten Blockbustern suchen. Ausstellungen, fuer die sich die Besucherschlangen um den Haeuserblock winden. Die erste Blockbuster Ausstellung fand 1976 im Metropolitan Museum of Art statt. "King Tut" zog mehr als 8 Millionen Besucher an. Heute planen viele Museen mindestens eine Blockbuster Ausstellung im Jahr. Monet, Picasso und immer wieder King Tut. Das zieht die Massen an und man hofft, neue Freunde fuer's Museum zu gewinnen.
Blockbuster sind in der Regel mit ausserordentlich grossen Kosten verbunden. Transport, Sicherheit und Marketing sind einige der Kosten die anfallen, bevor der erste Besucher die Ausstellunbg ueberhaupt betritt. In grossen Haeusern sind es sechs oder siebenstellige Summen die verauslagt werden, bevor eine Eintrittskarte verkauft wird.
Museen, wie alle anderen Kulturinstitutionen, sehen einen Rueckgang in Spenden von Stiftungen und Privatpersonen, Sponsoren sowie dem Schwund von Stiftungskapital. Entlassungen, kuerzere Oeffnungszeiten und Verlaengerung der Ausstellungen sind allerorts zu beobachten. Da bleibt kein Geld fuer die kostspielige Anschubfinanzierung von Blockbustern.
Was also tun? Die Antwort liegt im eigenen Haus. Jacqueline Trescott von der Washington Post beobachtete, wie Kuratoren in ganz Washington in ihre Depots stiegen, um ihre Schaetze zu sichten. Hochkaraetige Meistersuecke kommen da zum Vorschein und werden den Besuchern in neuem Glanz praesentiert. "Die Dauerausstellung zur Sonderausstellung machen, strebt doch jeder heimlich an", sagt Earl "Rusty" Powell III, Direktor der Nationall Gallery.
Auch andernorts wird wird zusammengestueckelt. Das Metropolitan Museum of Art leiht sich Vermeers "Milchmaedchen" und praesentiert es mit fuenf eigenen Vermeers. Das Art Insitute of Chicago leiht sich Caravaggios "Abendmahl in Emmaus" und paart es mit anderen Bildern aus dem Umkreis des Kuenstlers.
Brent Glass, Direktor des National Museum of American History gibt zu, fuer die geplante Ausstellung ueber Amerikas Wirtschaft bisher keinen Sponsor gefunden zu haben: "Wir planen weiter, aber muessen die Ausstellung eventuell in mehreren Phasen zeigen. Aufgeben tun wir nicht."
Knappheit fuehrt zu groesserer Kreativitaet. Das ist Kuenstlern und Kuratoren bekannt. Die Rezession wird eine Vielzahl von neuen und ungewoehnlichen Partnerschaften bedingen. Der National Portrait Gallery, sagt Chefkurator Frank Goodyear, wurden einige Aufnahmen von beruehmten Nachrichtensprechern fuer den Audioguide zur Verfuegung gestellt. "Die verlangen dafuer keinen Pfenning."