Donnerstag, 26. Februar 2026

Generation Z im Museum – Ansätze für eine zeitgemäße Einbindung im deutschen Kulturbetrieb

Museen und andere Kulturinstitutionen stehen vor der Aufgabe, Angebote für die Generation Z (ca. Jahrgänge 1997–2012) neu zu denken. Diese Altersgruppe ist digital sozialisiert, erwartet Mitsprache und orientiert sich stark an gesellschaftlichen Werten. Klassische Vermittlungsformate greifen daher oft zu kurz.

In den USA hat die American Alliance of Museums (AAM) auf diese Entwicklung reagiert und einen sogenannten „Gen-Z-Scorecard“-Prozess initiiert, an dem sich 205 Museen beteiligt haben. Ziel war es, bestehende Strategien zur Ansprache und Beteiligung junger Menschen systematisch zu erfassen und vergleichbar zu machen.

Die Auswertung zeigt, dass viele der teilnehmenden Häuser bereits auf neue Formen der Ansprache setzen. Dazu gehören vor allem die aktive Nutzung sozialer Netzwerke wie Instagram oder TikTok, erweiterte Öffnungszeiten etwa am Abend oder an Wochenenden sowie kostenlose Programme oder eintrittsfreie Nächte. Zudem bieten zahlreiche Museen spezielle Rollen für junge Menschen an, beispielsweise als Trainees, Praktikant:innen oder Jugendbotschafter:innen.

Auffällig ist jedoch ein zentrales Ungleichgewicht: Während formale Nachwuchs- und Ausbildungsrollen relativ verbreitet sind, gibt es deutlich seltener Strukturen, die echten Einfluss ermöglichen. Junge Menschen werden zwar eingebunden, aber nur selten in Entscheidungs- oder Gestaltungsprozesse einbezogen.

Ein positives Praxisbeispiel ist das Netzwerk Made By Us / Youth250, das Museen gezielt dabei unterstützt, junge Erwachsene nicht nur anzusprechen, sondern sie aktiv zu konsultieren und an inhaltlichen Fragen zu beteiligen.

Für Kulturmanager:innen in Deutschland lassen sich daraus mehrere wesentliche Erkenntnisse ableiten:

1. Beteiligung ernst nehmen
Es reicht nicht aus, Jugendformate ausschließlich als Vermittlungs- oder Nachwuchsarbeit zu verstehen. Entscheidend ist, junge Menschen tatsächlich mitgestalten zu lassen – etwa durch Co-Kuration, beratende Gremien oder verantwortungsvolle Rollen im digitalen Raum.

2. Neue Formate und Zugänge schaffen
Flexible Veranstaltungszeiten, informelle Abendformate, kostenfreie Angebote oder konsequent digital gedachte Inhalte senken Einstiegshürden. Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass solche Modelle besonders gut angenommen werden.

3. Strategien sichtbar machen und überprüfen
Die Scorecard der AAM verdeutlicht den Nutzen klarer Kriterien und Kennzahlen. Messgrößen wie der Anteil junger Mitwirkender, digitale Reichweite oder angepasste Öffnungszeiten helfen dabei, Maßnahmen nicht nur umzusetzen, sondern auch kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Die Generation Z erwartet von Kulturinstitutionen mehr als konsumierbare Angebote: gefragt sind Mitsprache, Anerkennung und digitale Anschlussfähigkeit. Das US-amerikanische Beispiel macht deutlich, dass eine strukturierte Strategie in Verbindung mit partizipativen Ansätzen ein tragfähiges Fundament bilden kann. Für den deutschen Kulturbetrieb bedeutet das: Jugendbeteiligung sollte nicht projektweise, sondern dauerhaft und strategisch verankert werden – mit klaren Strukturen, flexiblen Formaten und überprüfbaren Zielen.