Donnerstag, 14. November 2013

Neue Perspektiven für unternehmerisches Engagement

In der Regel wird der Erfolg unternehmerischen Engagements an der Größe der Projekte gemessen, die ermöglicht  werden oder an der Anzahl der Menschen, die erreicht werden. Aber kann Philanthropie von Unternehmen auch helfen, Geschäftsrisiken zu senken, neue Märkte zu öffnen, Mitarbeiter einzubinden, Marken aufzubauen, Kosten zu reduzieren; kann Philanthropie dem technologischen Fortschritt dienen und ein Wettbewerbsvorteil sein? Falls die Antwort auf diese Fragen positiv ist, könnte das zu ganz neuen Dimensionen im unternehmerischen Engagement führen.
Doug Conant, ehemaliger CEO der Campbell Soup Company und Vorstand des Committee Encouraging Corporate Philanthropy, plädiert für Philanthropie als eine unternehmerische Wachstumsstrategie. Philanthropische Investitionen werden Inkubatoren für vielversprechende Ideen und können genutzt werden, um über die Allgemeinheit und das Unternehmen zu lernen. Wie im Bereich Research&Development ermöglicht das unternehmerische Engagement wohl überlegte Investitionen in Bereiche, in denen der Profit zunächst spekulativ eingestuft wird.
Grundsätzlich sollten Unternehmer alle Maßnahmen ihres Corporate Social Responsibility Portfolios anwenden, um einen wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen und damit relevante gesellschaftliche Themen zu adressieren, so Conant. Strategisch kann Philanthropie Teil einer Konjunkturerholung des Unternehmens und der Gemeinden werden, in die investiert wird.

Kulturinstitutionen eröffnen sich neue Formen der Zusammenarbeit, wenn sie sich als Partner von Unternehmen verstehen, die Unternehmensziele kennen und sie die Gesellschafts- als auch Profitorientierung von Unternehmen nachvollziehen können,. Wer mitdenkt und selbständig Argumente findet, die den unternehmerischen Gedanken aufnehmen, ist im Vorteil.  So können Sie beispielsweise anbieten, neue Verkaufsstrategien oder Software zu testen, neue Technologien projektweise im Ausstellungsbetrieb oder Foyer zu erproben, oder auch Projektarbeit als Personalentwicklungsmaßnahme für Unternehmen durchzuführen.
Unternehmen, die in die Gesellschaft investieren erreichen nachgewiesenermaßen höhere Loyalität und Markenwahrnehmung und damit größeren Profit. Umgekehrt wird sich die Partnerschaft von Kulturinstitutionen mit Unternehmen im Sinne von Sponsorentreue und Wahrnehmung gleichermaßen positiv auswirken.

Freitag, 8. November 2013

US-Kulturmanagement Trendwörter 2013

Die neueste Umfrage des National Endowment for the Arts zur Teilnahme der Bevölkerung an kulturellen Ereignissen (Survey of Public Participation in the Arts) bestätigte, dass die Teilnahme an der sogenannten Hochkultur weiter sinkt. Dies gilt für die Sparten Ballett, Theater, Oper, Sinfonie und Museum. Besorgniserregend ist insbesondere der Besucherschwund bei der jungen, weißen und gut ausgebildeten Bevölkerung, die traditionell den Nachwuchs für das Kernpublikum der o.g. Sparten bildete. Neue Technologien bestimmten daher die Diskussionen auf Konferenzen und innerhalb der Institutionen im Jahre 2013 maßgeblich. Wie gelingt es, die Kultur den Digital Natives sowohl online als auch während des Besuchs zu vermitteln? Dabei ist die Adaptionsrate neuer Technologien auch in den anderen Altersgruppen weit fortgeschritten, über die verschiedenen Ethnien gleichermaßen ausgebildet und aus dem Alltag der Besucher nicht mehr wegzudenken. Die Erwartungen an die Präsentation und Vermittlung von Kunst und Kultur haben sich maßgeblich verändert.

In der Diskussion, wie der seit Jahrzehnten anhaltende negative Besuchertrend umzukehren sei, fallen immer wieder 3 Stichwörter: Relevance (Relevanz), Meaning and Value (Sinn und Wert) und Engagement (im Sinne von Einbindung). Die meisten amerikanischen Institutionen sind ohne nennenswerte direkte staatliche Finanzierung abhängig von Eintrittsgeldern sowie Einnahmen aus Geschäftsbetrieb und Spenden. Das sinkende Verständnis der Bevölkerung für die traditionelle Arbeit von Kulturinstitutionen (abzulesen in den sinkenden Besucherzahlen als auch einem Spendenniveau, das immer noch unter dem von 2008 liegt), zwingt die Institutionen, neue Wege der Kommunikation, Kooperation und Programmgestaltung zu gehen. Immer häufiger verlassen die Institutionen Ihre Stammhäuser, um Menschen außerhalb der mit Tradition und Riten besetzten Räumlichkeiten neu zu begegnen.
Der heute als Zwang empfundene Druck für US Institutionen, neue Wege zu begehen, führt langfristig hoffentlich zu einer Erhaltung oder Wiederbelebung der Relevanz der Kulturinstitutionen, damit diese auch weit in das 21. Jahrhundert hinein noch eine Rolle spielen – in einer dann zeitgemäßen Form.

Die Validierung der Demokratie der Künste: Eine Debatte zur Qualität von Künstlern und Kultur

Die Frage, wer Qualität in der Kultur beurteilen darf, ist auch in den USA keine abstrakte, intellektuelle Debatte, sondern ein Machtkampf ...