Freitag, 30. November 2012

Giving Season – Das Fundraising Finale 2012

No Impact, No Giving

Thanksgiving, Black Friday, Small Business Saturday, Cyber Monday, Giving Tuesday -  zum Auftakt der heißen Phase des Fundraisings zum Jahresende sind die Geldbörsen der Kunden nicht nur von den Geschäften schwer umkämpft. Zwei Dinge fallen zum Jahresende zugunsten der Non-Profit Organisationen zusammen, das Ende des Wirtschaftsjahres von Privatpersonen und die großen religiösen Feste Weihnachten und Hanukkah. Diese Anlässe nutzen viele Amerikaner, um noch einmal vor Steuerabzug oder mildtätig motiviert, eine große Spende zu machen. Die heiße Phase  beginnt an Thanksgiving, dem vorletzten Donnerstag im November, und hat ihren Höhepunkt von Weihnachten bis Neujahr. Der 31. Dezember und der 1. Januar sind definitiv keine Ferientage für Fundraiser.

Oft werden die auf alle Kommunikationskanäle abgestimmten Spendenaufrufe monatelang von Fundraisern vorberereitet.  Wie alle Fundraising-Kampagnen sollen auch die Spendenaufrufe zum Jahresende relevant und aktuell sein und Emotionen ansprechen. Der bestimmende Unterton zu dieser Jahreszeit ist aber entsprechend den Festen freudig und hoffnungsvoll. An das Mit- oder Schuldgefühl zu appellieren, ist für andere Anlässe vorbehalten. Während in den letzten Jahren Rechenschaftspflicht und Transparenz zentrale Kommunikationspunkte waren, ist es jetzt die Wirkung. Welche reale Hilfe können gemmeinnützige Organisationen tatsächlich nachweisen?
"No impact, no giving.“ Zwei Organisationen, die im letzten Jahr beispielhafte Kampagnen entwarfen sind das Red Cross America und die internationale Hilforganisation Oxfam America. Ich bin gespannt, was diese Saison bringt und halte Sie auf dem Laufenden!

Mittwoch, 14. November 2012

Interne Kooperationen

Am 8. Juni 2012 hielt ich beim KMM Forum 2012 "Kooperationen: Gemeinsam den Wandel gestalten" am Institut für Kultur- und Mendienmanagement Hamburg einen Vortrag zum Thema "Interne Kooperation". Die Zusammenfassung des Vortrags erscheint im KMM Jahrbuch 2012.

"Interne Kooperation: Zusammenarbeit von Künstlerischer Planung und Marketing am Beispiel des Cincinnati Symphony Orchestra. Ein Bericht aus der Marketingperspektive."

Im Selbstverständnis der Mitarbeiter in der Orchesterverwaltung sieht sich das künstlerische Team (künstlerische Leitung, KBB) eher dem Orchester, den Gastmusikern, Dirigenten und der Gewerkschaft verpflichtet, während das Marketing Team (Marketing und Vertrieb) sich als Anwalt der Besucher versteht. Daraus ergeben sich oftmals unterschiedliche Ziele, die nicht immer in Einklang zu bringen sind. Am Beispiel des Cincinnati Symphony Orchestra (CSO) wurde eine gelungene und wachsende Kooperation von KBB und Marketing vorgestellt.

Als Reaktion auf den Wandel in Gesellschaft und Publikum sollten neue Aboreihen unterschiedliche musikalische Vorlieben und Lebensstile vereinen und die Konzerte als Gesamtwerk verschieden erlebbar gemacht werden. Die Planung und Einführung der neuen Aboreihen erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen künstlerischem Team und Marketingabteilung, denn die Reihen sollten nicht nur inhaltlich neu positioniert sondern auch mit einer Reihe von unterstützenden Aktivitäten ergänzt werden.

Wesentliche Bedingung für das Gelingen der Zusammenarbeit war, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln "Wir arbeiten für dieselbe Sache". Auch die interne Kommunikation wurde Zielgruppen spezifisch. Es ging darum, die Sprache der anderen Abteilung zu lernen und in diesem Fall den Marketing-Slang abzulegen. Überzeugungsarbeit wurde mit Zahlen, Daten, Fakten und Kenntnissen der rechtlichen Rahmenbedingungen und des innerbetrieblichen Ablaufs geleistet.

Entscheidend für den Erfolg des Projektes war es, alle beteiligten Gruppen der Orchesterorganisation frühzeitig mit einzubinden, vor allem auch die Vertreter  Gewerkschaft und regelmäßige Kommunikation zwischen den Abteilungen zu unterstützen, klare Verantwortlichkeiten festzulegen, realistische Ziele zu setzen und das Ergebnis der Neugestaltung so früh wie möglich über Besucherumfragen bestätigen zu lassen.

Die Verkaufszahlen sprachen nach der Umsetzung für sich. Die Tatsache, dass das künstlerische Team das neue Format der Konzertreihen aufgriff und für eine Übergangszeit mit der Gewinnung von externen Kuratoren weiterentwickelte, war für das gesamte CSO Team ein Erfolgserlebnis. Auf diese Weise hatte eine ursprünglich im Marketing geborene Idee nicht nur funktioniert, sondern hatte auch für den künstlischeren Anspruch des Orchesters neue Impulse gebracht und war so, durch die enge Teamarbeit von KP und Marketing, zu viel mehr geworden, als zu Beginn des Prozesses zu erwarten war.

 

Mittwoch, 7. November 2012

Kulturpolitik im Wahlkampf

Die Museen boomen derzeit, viele Orchester retten sich jedoch von Saison zu Saison. Die amerikanische Kulturlandschaft ist dynamisch wie nie zuvor. Grund dafür sind versiegende oder neu sprudelnde Quellen von Privatvermögen. Das Geld aus dem Goldenen Zeitalter der USA, der Industrialisierung, versiegt so langsam an der Ostküste und im Mittleren Westen. Die Orchester in Baltimore und Detroit haben bankrott angemeldet. Die neuen Millionäre sitzen an der Westküste oder an den Ölquellen im Süden. Unvergleichlich sind die Galas des Museum of Contemporary Art in Los Angelos, in den Südstaaten findet ein regelrechter Museumsbau-Boom statt.

Der amerikanische Staat leistet sich für die direkte Kulturförderung im Vergleich zu Deutschland bescheidene $146,3 Millionen. Das ist die jährliche Fördersumme des National Endowment of the Arts (NEA) , der diese an Kulturinstitionen als Projektförderungen weiter verteilt. In den einzelnen Staaten gibt es ebenfalls bescheidene Kulturbudgets. Am Ende erhalten die meisten Kulturinstitutionen keine direkte finanzielle staatliche Förderung.

Entsprechend der kleinen Summen, die zu verteilen sind, gibt es wenig Lobbyarbeit für Kultur in Washington. Americans for the Arts ist eine der wenigen Organisationen, die versuchen, Einfluss zu nehmen. Die Organisation war auch auf dem Parteitag der Republikaner mit Informationsveranstaltungen vertreten. Kurz vorher hatte der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney angekündigt, nicht nur den Etat des NEA streichen zu wollen, sondern auch die Förderung für den National Endowment of the Humanities (Wissenschaft ) und das Bildungsfernsehen (PBS).

Die indirekte Förderung durch Steuerfreiheit von gemeinnützigen Kulturinstitutionen, die vergleichsweise grosse Freiheit bei Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb und die Möglichkeit Spenden von der Steuer abzusetzen, soll  (erst einmal) erhalten bleiben. Doch wie bereits im letzten Wahljahr werden wieder Stimmen laut, die die Gemeinnützigkeit von Kulturorganisationen aufgrund der geringen Teilnahme der Bevölkerung (˂ 10%)  in Frage stellen. Überlebenswichtig für die amerikanischen Kulturinstitutionen sind also nicht die finanzielle staatliche Förderung sondern der Erhalt und Ausbau der steuerlichen und  legalen Rahmenbedingungen.

Die Validierung der Demokratie der Künste: Eine Debatte zur Qualität von Künstlern und Kultur

Die Frage, wer Qualität in der Kultur beurteilen darf, ist auch in den USA keine abstrakte, intellektuelle Debatte, sondern ein Machtkampf ...